Und ewig laufen die Pumpen: Bergbaufolgen kosten mehr

Steinkohle wird in Deutschland nicht mehr gefördert. Dafür muss auf Dauer Wasser aus den stillgelegten Zechen gepumpt werden. Das kostet mehr als bisher geplant. Genügend Geld sei aber vorhanden, versichert die zuständige RAG-Stiftung.

06.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Die Bewältigung der Folgen des jahrhundertelangen Steinkohlebergbaus in Deutschland kostet derzeit mehr als geplant. Das Abpumpen des Grubenwassers aus den stillgelegten Zechen im Ruhrgebiet und an der Saar sowie andere Maßnahmen werden in diesem Jahr knapp 300 Millionen Euro kosten, etwa 80 Millionen Euro mehr als bisher vorgesehen, berichtete der Vorstandsvorsitzende der RAG-Stiftung, Bernd Tönjes, am Donnerstag in Essen. Die ersten Rechnungen habe man bereits bezahlt. Die milliardenschwere Stiftung soll dafür sorgen, dass diese Ausgaben nicht vom Steuerzahler übernommen werden müssen.

Grund für den Anstieg sind nach Angaben von Tönjes fehlende Genehmigungen für ein kostengünstigeres Konzept der Grubenwasserhaltung. Das Verfahren gestaltete sich schleppend. Die RAG will die Zahl der Standorte, an denen das Wasser nach oben gepumpt werden soll, von 18 auf 7 reduzieren. Das Grubenwasser ist Regenwasser, das in die Tiefe sickert und sich in Schächten und Strecken unter Tage sammelt. Im Jahr müssen nach RAG-Angaben rund 110 Millionen Kubikmeter Wasser aus den Zechen geholt werden. Damit ließe sich die Möhnetalsperre im Sauerland zu 80 Prozent füllen.

Im Saarland will die RAG langfristig ganz auf das Pumpen verzichten und das Grubenwasser von einer Stelle aus in die Saar leiten. Das Vorhaben ist umstritten, Bürger befürchten Erdbewegungen und eine Verunreinigung des Grundwassers. Grubenwasser kann mit Schadstoffen belastet sein. An der Ruhr muss dagegen auf Dauer gepumpt werden, damit das Wasser in den Rhein fließen kann. Ob und in welcher Höhe die Kosten für die Wasserhaltung wieder sinken werden, hänge von vielen Faktoren ab, sagte Tönjes.

Die Stiftung sei „finanziell hervorragend ausgestattet“, so dass sie die Mehrbelastungen tragen könne, betonte Tönjes. Die Stiftung finanziert sich vor allem aus der Dividende des Chemiekonzerns Evonik, dessen Mehrheitsaktionär sie ist. Sie investiert aber auch in andere Branchen. Im vergangenen Jahr hat sie mit ihren Beteiligungen das Rekordergebnis von 454 Millionen Euro erwirtschaftet, eine ähnlich hohe Summe kam durch den Verkauf von Evonik-Aktien hinzu.

Die letzte deutsche Steinkohlenzeche war im vergangenen Jahr in Bottrop stillgelegt worden, an der Saar wird schon seit 2012 keine Kohle mehr gefördert.

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