Flüchtlingsboote im Mittelmeer gesunken – viele Kinder unter den Toten

Seenotrettung

Sie suchten ein besseres Leben und fanden den Tod: Bei zwei Bootsuntergängen im östlichen Mittelmeer sind am Wochenende mindestens 23 Migranten ertrunken. Die Zahl der Opfer könnte noch steigen.

Athen

von Gerd Höhler

, 12.01.2020, 17:09 Uhr / Lesedauer: 2 min
Flüchtlingsboote im Mittelmeer gesunken – viele Kinder unter den Toten

Flüchtlinge kommen in einem Schlauchboot aus der Türkei auf der griechischen Insel Lesbos in der Nähe der Hafenstadt Mitilini an. © dpa

Vor der türkischen Ägäisküste ertranken am Samstagabend mindestens zwölf Menschen, als ihr Boot unterging. Unter den Opfern sind acht Kinder. Männer eines Patrouillenboots der türkischen Küstenwache seien durch Schreie auf das Unglück aufmerksam geworden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu.

An der sofort eingeleiteten Rettungsaktion waren drei Schiffe und ein Hubschrauber beteiligt. Acht Menschen konnten lebend aus dem Meer gerettet werden. Die Migranten, über deren Nationalität es zunächst keine Informationen gab, waren vermutlich von Cesme unterwegs zur nur wenige Kilometer entfernt gelegenen griechischen Insel Chios.

Hubschrauber retteen 21 Menschen aus dem Meer

Erst am Samstagmorgen war in Westgriechenland vor der Paxi-Inselgruppe ein Boot mit Migranten untergegangen. 20 Männer und eine Frau holten die Retter mit drei Hubschraubern lebend aus dem Meer. Für zwölf Insassen des Boots kam jede Hilfe zu spät. Sie konnten nur noch tot geborgen werden.

Am Sonntag setzten die griechische Küstenwache und die Luftwaffe mit zahlreichen Patrouillenbooten und Hubschraubern die Suche nach möglichen Überlebenden fort. Etwa 20 Menschen wurden noch vermisst. Einer der Insassen hatte über den europäischen Notruf 112 die griechen Behörden alarmiert, als das Boot zu sinken begann. Welcher Nationalität die Migranten sind, woher sie kamen und wohin sie wollten, war zunächst unklar.

Weniger Migranten an EU-Außengrenzen aufgegriffen

Nach Angaben der EU-Grenzschutzagentur Frontex ging die Zahl der irregulären Migranten, die 2019 an den EU-Außengrenzen aufgegriffen wurden, auf den niedrigsten Stand seit 2013 zurück. Auf den westlichen und der zentralen Mittelmeer-Routen betrug der Rückgang gegenüber dem Vorjahr 58 beziehungsweise 41 Prozent.

Im östlichen Mittelmeer, zwischen der Türkei und Griechenland, stiegen die Zahlen aber gegenüber 2018 um fast 50 Prozent auf 82.000 an, wobei der Anteil der Frauen und Kinder überproportional zunahm. Auf der Insel Lesbos hat sich die Zahl der Schutzsuchen von 14.906 im Jahr 2018 auf 27.148 in 2019 fast verdoppelt. Größte Gruppe sind die Afghanen, deren Zahl sich gegenüber 2018 sogar verdreifacht hat.

Die Situation in den Insellagern, wo die Neuankömmlinge registriert werden und auf ihre Asylbescheide warten, wird immer katastrophaler. Vergangene Woche lebten dort fast 42.000 Menschen in Unterkünften, die nur für 8800 Personen ausgelegt sind.

Die griechische Regierung führt den wachsenden Migrationsdruck aus der Türkei darauf zurück, dass die türkische Regierung den Schleusern freiere Hand gibt, um ihren Forderungen nach mehr Finanzhilfen der EU Nachdruck zu verleihen. Die Türkei dementiert das offiziell. Sie hat nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr etwa 60.000 Migranten an der Überquerung der Ägäis gehindert.

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