„Fitness Hall“ Lünen steht in der Kritik: Austauschschüler darf zunächst nicht trainieren

dzRassismus-Vorwürfe

„Das ist offener Rassismus“ - gegen das Fitnessstudio gibt es erneut Vorwürfe. Nicht das erste Mal steht der Besitzer in der Kritik, bei der Auswahl der Kunden rassistisch zu handeln.

von Antonia Gutzmann; Lea Wulfert

Alstedde, Horstmar

, 19.11.2019, 08:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Ziel eines Schüleraustausches sollte eigentlich sein, das Leben im anderen Land kennenzulernen. Etwas über die fremde Kultur zu erfahren, Kontakte zu knüpfen oder auch zum Sport zu gehen.

Letzteres wurde dem französischen Austauschschüler der Familie Delkus in der „Fitness Hall“ in Lünen-Horstmar bereits vor einigen Wochen zunächst verwehrt. Der 16-Jährige wollte zusammen mit seiner Gastschwester einen Fitnesskurs besuchen.

Familie Delkus trainiert seit Jahren bei der „Fitness Hall“ und hatte vorher für den Jungen telefonisch ein Probetraining vereinbart. Trotzdem kommt es zu Komplikationen. Nicht das erste Mal.

Böse Überraschung

Als die Mutter beide Kinder aus dem Auto lässt und nach dem Parken selbst zum Tresen läuft, muss sie feststellen: die Kinder stehen immer noch vor dem Tresen und haben sich noch nicht umgezogen.

Der Grund ist überraschend: „Die lassen den hier nicht rein, weil er kein Deutsch kann“, erklärt ihr die Tochter. Trotz telefonischer Zusage wird der Austauschschüler nicht zum Probetraining durchgelassen. „Das passt einfach nicht, der Junge kann ja gar nicht verstehen, was er machen muss“, soll die Begründung der Dame hinter dem Empfangstresen gewesen sein. Auch der Hinweis, dass er lediglich Bewegungen nachmachen müsse, stimmte die Frau nicht um.

Mitgliedschaft gekündigt

Erst nach längerer Diskussion kommt es auf Seiten der Mitarbeiterin zu einem „widerwilligen Einlenken“. Der Junge darf nun für die drei Monate seines Aufenthalts in dem Studio trainieren. Doch der Vorfall hat die Familie erschüttert, Vater Kolja Delkus kündigt seinen Vertrag.

Keine Erklärung seitens des Studios

Auf eine Beschwerde-Mail habe niemand reagiert und auch auf das Kündigungsschreiben des Vaters gab es zunächst keine Reaktionen: „Erst nach mehreren Telefonaten wurde die Kündigung bestätigt.“ Aber zu den Vorwürfen in Sachen Rassismus habe sich auch der Mitarbeiter am Telefon nicht äußern wollen.

„Ich bin ja auch dafür, dass Leute, die sich nicht benehmen können rausfliegen. Aber man kann doch nicht nur nach den Äußerlichkeiten urteilen“, so der Familienvater, der sich außerdem Sorgen über die Auswirkungen eines solchen Handelns macht: „Wenn Jugendliche systematisch ausgegrenzt werden, kann das verheerende Folgen für die Psyche haben.“

Weitere Fälle

Es ist nicht das erste Mal, dass gegen die „Fitness Hall“ derartige Vorwürfe erhoben werden. Einen ähnlichen Vorfall erlebte ein junger Student, der gemeinsam mit seinem Bruder und seinem Cousin in der „Fitness Hall“ trainieren wollte. „Nachdem wir uns erst im Studio umgesehen hatten und zurück an der Rezeption waren, kam eine etwas ältere Frau regelrecht auf uns zu gerannt und fragte meinen Cousin, ob er denn Deutsch könne. Er sieht eher südländisch aus, hat einen Bart, dunklen Teint und schwarze Haare.“

Die Männer erklärten dann, dass ihr Cousin aus Serbien nur zu Besuch sei und sich gar nicht anmelden wolle. Nur die beiden Brüder hätten die Absicht, dort zu trainieren. Die Frau habe daraufhin den jungen Männern „ziemlich unfreundlich“ zu verstehen gegeben, dass dort „keine ausländischen beziehungsweise südländischen Menschen“ erwünscht seien. „Es war so demütigend für uns, das Studio hatte uns bis dahin eigentlich gut gefallen“, erklärt der angehende Elektrotechniker mit serbischen Wurzeln.

Trainieren mit Kopftuch sei unhygienisch

In Lünen-Alstedde betreibt derselbe Inhaber auch ein Studio. Auf der Facebook-Seite des „Health & Fitness Centers“ gibt es ebenfalls einige Bewertungen mit dem Vorwurf, das Personal sei ausländerfeindlich.

Eine Frau schreibt dort, dass sie nicht aufgenommen worden sei, da sie ein Kopftuch trage. Der Betreiber antwortete ihr, dass sie natürlich Einlass im Studio erhalten würde, aber trainiert werden dürfe nur in Sportkleidung. Kopftücher seien nicht erlaubt, aus hygienischen und Sicherheitsgründen. Alternativen wie Sportmützen, Cappis oder Kapuzen würden jedoch gehen.

Lüner Kunde bestätigt das Bild

Ein Lüner Kunde, der bereits seit elf Jahren in dem Alstedder Fitnessstudio trainiert, bestätigt dieses Bild. Er kennt die Vorwürfe und erläutert: „Es wird auf jeden Fall gefiltert. Ich weiß aber nicht, wo da die Unterschiede gemacht werden, ob das jetzt an der Hautfarbe oder der Nationalität oder einfach an dem Auftreten der Menschen festgemacht wird.“

Kolja Delkus hat einen ähnlichen Eindruck aus Horstmar: „Im Nachhinein fällt auf, dass ich hier in der ,Fitness Hall` noch nie eine Frau mit Kopftuch trainieren gesehen habe.“

Anwalt einschalten

Die Familie überlegt nun, ob sie sich an einen Anwalt wenden möchte. „Schließlich ist Rassismus ja verboten.“ Er ist nun gespannt auf die Kündigungskonditionen und hofft weiterhin auf eine Stellungnahme des Besitzers. Er wäre laut eigener Aussage zu einem Gespräch mit dem Inhaber der „Fitness Hall“ bereit.

Mehrmals hat unsere Redaktion versucht, mit dem Betreiber der beiden Studios ins Gespräch zu kommen - zunächst, nach Bekanntwerden des Falls von Familie Delkus, telefonisch. Als keine Reaktion erfolgte, dafür aber weitere Fälle bekannt wurden, haben wir es auch per E-Mail probiert. Das blieb ebenfalls ohne Erfolg: Bis heute liegt keine Stellungnahme seitens des Betreibers vor.

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