Filmemacher aus Schwerte gewinnt Preis - für den noch nie gezeigten Kurzfilm „Mia“

dzTom Sielemann

Kurios: Ein Filmemacher aus Schwerte hat einen Preis für seinen Kurzfilm gewonnen. Öffentlich gezeigt wurde „Mia“ allerdings noch nie. Tom Sielemann sagt: Das muss kein Nachteil sind.

Schwerte

, 17.11.2018, 16:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Film ist mein Jahr 2018, komprimiert auf 20 Minuten“, sagt Tom Sielemann, 25 Jahre, Wahl-Schwerter und Student an der Ruhrakademie. Im Laufe des Jahres schrieb er am Drehbuch, entwickelte Hauptpersonen, Geschichte und entscheidende Szenen, suchte Sponsoren, drehte an sieben Tagen 10 bis 12 Stunden lang, feilte dann zusammen mit anderen im Studio an Schnitt, Ton und anderen Details der Postproduktion.

Herausgekommen ist „Mia“, die Geschichte eines Geschwisterpaares, das nach einem Unfall und dem plötzlichen Tod der Mutter in eine psychiatrische Klinik gebracht wird. Ben und Mia gehen mit diesem Verlust ganz unterschiedlich um.

Wie bewältige ich Trauer? Was hält eine Familie zusammen? Wie gehe ich mit dem Erlebten um? All das spielt hinein in diese Situation.

Filmemacher aus Schwerte gewinnt Preis - für den noch nie gezeigten Kurzfilm „Mia“

Der Schwerter Tom Sielemann (25) gewann den Sonderpreis "Hagener Filmfenster" beim "Eat My Shorts"-Festival 2018. © Foto: Filmfestival

Sonderpreis beim „Eat My Shorts“-Festival

Geschichte, Tiefe und Film überzeugten die Jury bei „Eat My Shorts“, einem Festival für Kurzfilme in Hagen. Sielemann nahm da vor wenigen Tagen einen Sonderpreis entgegen: das „Hagener Filmfenster“ für den besten Film mit lokalem Bezug, dotiert mit 600 Euro.

Gezeigt wurde „Mia“ in Hagen allerdings nicht. Der Film gehörte nicht zum eigentlichen Festival-Programm. Ist das nicht schade? Sielemann räumt ein: Ein bisschen schon, ja. Ein Filmemacher wolle seine Werke ja schon zeigen. „Man macht Filme ja schon fürs Publikum.“

Doch Sielemann sieht auch den Vorteil: Noch gilt „Mia“ als unaufgeführt. Und das sei bei manchen Festivals und Preisen eine Bedingung für die Bewerbung. Vielleicht klappe es ja anderswo. Der Schwerter hofft auf das Camgaroo-Festival in München. Dort ist er nominiert. Und selbst bei der großen „Berlinale“ gebe es immer ein paar Plätze für unaufgeführte Kurzfilme - auch wenn wohl nur ein Traum bleibe.

Drehorte waren Schwerte, Hagen und Witten

Gedreht hat Sielemann im „Zentrum für seelische Gesundheit“ in Hagen-Elsey, in einem Privathaus in Witten und in Schwerte.

Sielemanns Glück: In der Psychiatrie in Elsey standen gerade einige Räume leer, weil dort umgebaut wurde. Der Filmemacher und seine Crew räumten die Flure und Zimmer wieder ein. „Besonders die Nachtszenen waren beeindruckend.“

In Schwerte drehte Sielemann eine Autofahr-Szene. Wobei natürlich niemand tatsächlich fuhr. Die Schauspieler saßen im Auto. „Alles wurde mit Licht inszeniert - und der Rest ist Sounddesign“, erklärt Sielemann.

Dankbar ist der 25-Jährige nicht nur dem städtischen Kulturbetrieb KuWeBe für einen Zuschuss, sondern auch der Freiwilligen Feuerwehr aus Schwerte: „Die hat uns für den Dreh einen Krankenwagen zur Verfügung gestellt.“

Filmemacher aus Schwerte gewinnt Preis - für den noch nie gezeigten Kurzfilm „Mia“

Wie geht man mit dem Verlust um? Das ist das Thema des Kurzfilms "Mia". © Foto: Tom Sielemann

Der Kurzfilm bescherte Sielemann ein Vordiplom mit 1,0

„Mia“ entstand übrigens als Arbeit an der Ruhrakademie in Schwerte-Westhofen. Dort studiert der 25-Jährige im Fachbereich „Film/Regie“. „Mia“ ist die Arbeit, für die er ein Vordiplom mit 1,0 erhielt.

Wer Sielemann zuhört, merkt, wie groß der Einfluss der Theorie auf die praktische Umsetzung beim Kurzfilm war: „Man schreibt immer in Szenen. Und jede Szene muss einen Grund haben zu existieren.“

Sielemann sagt: „Interessante Storys leben von vielschichtigen und spannenden Charakteren und nicht andersherum.“

Seine Herangehensweise bei „Mia“: Erst definierte er die Figuren und ihre Beziehungen zueinander. Dann erst sei daraus die Geschichte entstanden. Die Figuren hätten gewissermaßen ein Eigenleben entwickelt.

Beim Schnitt - lange nach dem Dreh - merkte Sielemann dann: Er konnte einiges weglassen, zum Beispiel die Wörter. Erst da sei so richtig aufgefallen: Geschwister reden doch gar nicht viel miteinander, sondern kommunizieren viel über Blicke, weil sie sich so gut kennen.

2020 soll das Diplom an der Ruhrakademie folgen

Wie es weitergeht? Tom Sielemann studiert weiter an der Ruhrakademie. 2020 soll das Diplom folgen. „Ich schreibe an zwei Stoffen“, erklärt er: „Mal gucken, welcher Stoff stark genug ist für den Abschlussfilm.“

Ob es wieder einen Kurzfilm gibt oder einen Langfilm, also einen Streifen mit mindestens 68 Minuten? Die praktische Umsetzung sei noch in weiter Ferne - und er habe ja auch noch Zeit, sagt Sielemann.

Auch, was „Mia“ angeht, bleibt er entspannt: „Ich bin zuversichtlich, dass der Kurzfilm bald schon gezeigt wird.“

Namhafte Schauspieler

Das sind die Hauptdarsteller bei Mia

Für die Hauptrollen konnte Tom Sielemann gewinnen: Saskia Caroline Keilbach (u.a. GZSZ) und Tom Hoßbach (u.a. Dschungelkind, Herzensbrecher). In den Nebenrollen spielen Christoph Nitz (Sankt Maik), Stefanie Renk (Frühling & Sonnnenschein) & Benjamin Grüter (Heldt). Außerdem steuert der Musiker Daniel Wirtz mit „Hier“ die Titelmelodie bei: in einer normalen und in einer Unplugged-Version.
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Vorschriften für Tierhalter

Bärbel Vockelmann lebt 70 Jahre mit Hunden: Braucht das Rathaus da einen Sachkundeausweis?

Hellweger Anzeiger Schuljahr 2020/21

Schulcheck: Theodor-Fleitmann-Gesamtschule setzt auf richtigen Weg ins Berufsleben

Hellweger Anzeiger Landgericht Hagen

Wie vier Männer aus Schwerte als falsche Polizisten Rentner um ihr Hab und Gut brachten

Meistgelesen