Es sind zwei Sekunden, die in die Geschichte eingehen. Am 14. Oktober 1888 drehte Louis Le Prince den ersten Film der Welt. Wir zeigen den ältesten Film aus Werne – aus dem Jahr 1928.

12.10.2018, 20:12 Uhr / Lesedauer: 4 min

Es ist nur eine kurze Sequenz. Sie dauert nur zwei Sekunden. Doch es ist ein Moment für die Ewigkeit. Vor 130 Jahren drehte der französische Chemiker und Erfinder Louis Le Prince die erste Filmaufnahme der Welt. Auf der sind vier Personen zu sehen, die durch einen Garten huschen – ganz kurz. Der Film mit dem Titel „Roundhay Garden Scene“ wurde – anders als die ersten Versuche mit 16 Linsen – mit nur einem Objektiv aufgenommen.

Während dieser Film wohl nur wenigen Menschen zugänglich war, wurde eine Filmaufnahme von Louis und Auguste Lumière aus dem Jahr 1895 zum ersten Mal vor einem Publikum gezeigt, das dafür sogar bezahlte. Der schwarz-weiße Film „L’arrivée d’un train en gare de La Ciotat“ gilt als Beginn der Filmgeschichte. Wie auch in diesem Film wird auch in der ersten Aufnahme, die in Werne gedreht wurde, eine Einfahrt eines Zuges in einen Bahnhof gezeigt.

Feierliche Bahnhofseröffnung in Bewegtbildern festgehalten

Der erste Film, auf dem Bilder von Werne zu sehen sind, ist allerdings deutlich später entstanden. Er wurde gedreht zur Eröffnung des Bahnhofes – vor fast genau 90 Jahren am 17. Oktober 1928. Er ist gut 13 Minuten lang und zeigt dabei nicht nur den neuen Bahnhof von Werne. Er beginnt mit Bildern, auf denen schriftliche Hinweise wie „16mm Film über Alt-Werne“, „Eröffnung der Eisenbahnstrecke Dortmund - Werne - Münster“ und „17. Oktober 1928“ zu lesen sind. Die Schriften und auch die musikalische Untermalung – es ist eine gewöhnungsbedürftige Panflöten-Melodie zu hören – sind wohl nachträglich in den Streifen eingebaut worden.

Der Film läuft bereits knapp eine Minute, da flimmern die ersten Bewegtbilder des Streifens. Ein Zug fährt ein. Er ist mit schwarz-rot-goldenen Fahnen und grünen Kränzen geschmückt. Aus den Waggons winken begeisterte Personen. Sie starteten um 11.45 Uhr am Bahnhof in Münster. Um 14.42 Uhr traf der erste Zug in Werne ein, wo die Eröffnungsfahrt endete.

Film über die Bahnhofseröffnung 1928 ist der älteste Streifen aus Werne

Der erste Zug, der im Oktober 1928 in den Bahnhof in Werne eingefahren ist, war schön geschmückt. © Förderverein Stadtmuseum Werne (A)

Bedeutungsvoller Tag für die Stadt Werne

Der 17. Oktober 1928, es ist ein bedeutungsvoller Tag für die Stadt Werne. Auch vor dem Bahnhofsgebäude stehen viele erwartungsvolle Bürger. Sie alle wollen die prominenten Gäste, die aus dem ersten Zug, der in der Lippestadt anhält, steigen, begrüßen. Ein Fanfarenzug spielt. Die Menschen winken, sie wedeln mit Fahnen und strahlen. Darunter sind auch viele Kinder, darunter gut zu erkennen die Jungen, die eine Matrosenuniform tragen.

Und die Zuggäste, darunter der Präsident der Reichsbahndirektion Schuhmacher, der Regierungsrat Dr. Bachmann und die Direktion der Zeche, der hochwürdige Prälat Josef Degener, sind ganz erfreut. Sie heben den Zylinder zur Begrüßung, drücken sich dann an der Kamera vorbei, lächeln und möchten alle unbedingt mit aufs Bild. Eine Aufnahme ist in dieser Zeit etwas ganz Besonderes. Die Bahnhofseröffnung ist ein Feiertag für die Stadt, die jetzt 12.000 Einwohner zählt.

„Verordnete Begeisterung“

Die Bürger haben die Straßen geschmückt. Fahnen hängen an jedem Haus auf dem Marktplatz, aus Tannen gebundene Bögen sind über die Straße gespannt. Ein geflügeltes Rad-Transparent mit Einfahr-Signalen hat Carl Brauckhoff vom Central-Theater Werne auf den Marktplatz gestellt. „Werne hat sein schönstes Festkleid angelegt“, schreibt unsere Zeitung. Ein Ehrenbogen, auf dem eine Liliput-Lokomotive fährt, hat Fritz Steinweg am Eingang der Stadt installiert. All das steht auf den eingeblendeten Hinweistafeln im Film.

Viele Menschen tummeln sich an diesem Herbsttag, der erst mit etwas Sprühregen begann, im Ortskern. Ein Junge springt von dem einen auf den anderen Fuß, möchte unbedingt auch gefilmt werden. „Ich glaube, es gab eine Begeisterung. Aber die war auch verordnet“, sagt Dr. Constanze Döhrer, Leiterin des Stadtmuseums. Zuvor gibt es einen Aufruf, die Stadt für den hohen Besuch herauszuputzen.

Mit flotter Marschmusik durch die Stadt

Die Festgesellschaft begibt sich mit einem Festumzug samt flotter Marschmusik von dem neuen Bahnhof, der auf einem Feld liegt, ins Kolpinghaus. Nur weil sich die Stadt bereit erklärt hat, die Kosten für die Bewirtung der 200 geladenen Gäste zu übernehmen, endet die erste Fahrt überhaupt in der Lippestadt. So wie diese Zeitung seinerzeit berichtet, ergreift Bürgermeister Ohm mit einer Festrede im Kolpingsaal das Wort.

„Die Orte Amelsbüren, Davensberg, Ascheberg, Capelle und Werne jubeln heute auf, denn das langersehnte Ziel ist erreicht. Sie haben endlich eine Bahn“, sagt er.Neben der Möglichkeit, Güter nach und aus der Lippestadt auf den Gleisen zu transportieren, „schafft die Bahn eine direkte Verbindung zwischen den beiden bedeutendsten Städten unserer Heimatprovinz und vermittel so deren hochstehende Kultur und Wirtschaft dem neu erschlossenen Gebiet“, so der Bürgermeister weiter.

Bilder von Wasserturm und Wärmehäuschen

Auch wenn nicht alle Wünsche in Erfüllung gegangen seien, bedanke man sich für das endlich Erreichte. Einen Tag darauf, am 18. Oktober 1928, beginnt der regelmäßige Personenverkehr. „Möge er so rege werden, dass bald auch der Fahrplan etwas reichlicher und zweckentsprechender gestaltet wird“, hat Bürgermeister Ohm in seiner Festrede gewünscht.

Neben der feierlichen Bahnhofseröffnung, zu deren Anlass auch ein Kameramann vor Ort war, sind auch Bilder andernorts entstanden. Auch Aufnahmen vom Wasserturm, den Wärmehäuschen, dem einstigen Verwaltungsgebäude und dem Geburtshaus des Eisenbahnministers von Maibach an der Stockumer Straße wurden aufgenommen.

Weitere Filme stammen aus den 50er-Jahren

Der historische Film von der Bahnhofseröffnung vom 17. Oktober 1928 ist nach Erkenntnissen von Museumsleiterin Dr. Constanze Döhrer die älteste Aufnahme der Stadt. Weitere Bewegtbilder sind erst wieder aus den 50er-Jahren zu finden. Darauf seien Schützen- oder Feuerwehrfeste zu sehen oder das erste Plätzerfest.

Mithilfe des Projektes „Dosenöffner“ des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) wurden die alten Filme in den 90er-Jahren digitalisiert. So können sie problemlos gezeigt werden. Zum 60-jährigen Bestehen der Bahnstrecke gab es eine Sonderausstellung im Stadtmuseum Werne. Dazu wurde ein 2,50x1,50 Meter großes Modell, finanziert vom Förderverein, eingeweiht. Es zeigt den Jubel über die Bahnhofseröffnung 1928.

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