Feuerwehr Werne könnte 30 Sekunden durch eigene Horne-Brücke gewinnen

Debatte

30 Sekunden könnte die Feuerwehr durch eine eigene Brücke über die Horne gewinnen. Ist dieser Zeitgewinn ausreichend, um ein teures und ökologisch bedenkliches Bauwerk zu errichten?

Werne

, 11.10.2018, 19:01 Uhr / Lesedauer: 2 min
Feuerwehr Werne könnte 30 Sekunden durch eigene Horne-Brücke gewinnen

Die Feuerwehr wünscht sie für ihre Ensatzkräfte eine eigene Brücke über die Horne, die direkt hinter der Wache auf dem Parkplatz enden würde. © Jörg Heckenkamp

Dieser Frage ging der Bau- und Planungsausschuss auf seiner jüngsten Sitzung am Dienstagabend nach. Fazit der Lokalpolitiker: zunächst einmal andere Möglichkeiten ausnutzen, um die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr zu erhalten beziehungsweise zu verbessern. Erst dann könne man über eine eigene Brücke nachdenken.

Diese Brücke, darauf wies Planungsdezernent Ralf Bülte eingangs der Debatte hin, sei nicht für die Einsatzfahrzeuge gedacht. „Wenn die mit Tütata ausrücken, machen ja sowieso alle anderen Platz.“

Anfahrt zum Gerätehaus erleichtern

Nein, vielmehr hätten die Feuerwehrleute, die mit ihren privaten Pkw zum Gerätehaus am Konrad-Adenauer-Platz eilen, oft Schwierigkeiten. Durch den gestiegenen Verkehr im Bereich zwischen Stadthaus und Hornecenter würden sie bisweilen aufgehalten.

Feuerwehr Werne könnte 30 Sekunden durch eigene Horne-Brücke gewinnen

Etwa an der Stelle, wo das Zauntor sich befindet, könnte der Weg über eine neue Horne-Brücke direkt an der Feuerwache Werne enden. © Jörg Heckenkamp

Vor allem zu den Schul-Start- und -Schluss-Zeiten, wenn auch noch Busse das Verkehrsgetümmel verstärkten. Um die Anfahrt zum Gerätehaus zu erleichtern, soll für sie eine neue Brücke über die Horne entstehen, die direkt auf den Alarm-Parkplatz mündet.

Knackpunkt: Das Projekt „Werne neu verknüpft“ will die Horne erlebbarer machen und ökologisch aufwerten. Eine neue Brücke sei da kontraproduktiv, so Bülte.

Wissenschaftliche Arbeit als Basis

Aus Feuerwehrsicht sei eine neue Horne-Querung für die Sicherung der Einsatzzeiten ein absoluter Gewinn. Darauf wiesen Wehrführer Thomas Temmann und der Leiter des Löschzuges Stadtmitte, Dr. Bodo Bernsdorf, den Ausschuss in einem kleinen Vortrag hin.

In einer Bachelor-Arbeit habe der Werner Student Simon Benecke genau dieses Thema wissenschaftlich beleuchtet. Tenor der Arbeit laut Bernsdorf: Eine neue Brücke würde einen Zeitgewinn von 30 Sekunden bedeuten.

Hört sich nicht nach einem Quantensprung an. Würde de facto aber bedeuten, dass statt 17 insgesamt 27 Feuerwehrleute statistisch gesehen innerhalb der vorberechneten drei Minuten den Weg von ihrem Zuhause zur Wache schaffen würden. „Für die Einsatzbereitschaft wäre das ein enormer Gewinn“, sagte Bernsdorf.

Einigung auf Kompromiss

Die Planungspolitiker wollten allerdings nicht den sofortigen Bau einer Brücke in diesem ökologisch sensiblen Bereich genehmigen. Stattdessen stimmten sie einem Kompromiss zu: Im weiteren Planungsprozess zur Horne wolle man zunächst die Wirksamkeit von verkehrlichen Verbesserungsmaßnahmen testen.

Dazu gehören die Verlegung von Schulbushaltestellen vom Busbahnhof an die Schulen sowie der Ersatz der Ampelkreuzung Münster-/Bahnhofstraße durch einen Kreisverkehr. Planungsdezernent Bülte glaubt, dass sich dadurch eine Entzerrung vor dem Stadthaus erreichen lässt.

Sollten diese Maßnahmen nicht fruchten, dann könne man über eine neue Hornebrücke für die Feuerwehrleute nachdenken. Diesem Kompromiss stimmte nicht nur der Ausschuss, sondern auch die Feuerwehr-Führung zu.

Kommentar von Redaktionsleiter Jörg Heckenkamp
  • Die Forderung nach einer eigenen Hornebrücke für anfahrende Feuerwehrleute berührt direkt die Existenz der Freiwilligen Feuerwehr.
  • Denn dass ehrenamtliche Retter den Brandschutz in Werne übernehmen, ist eine Ausnahme, die die Bezirksregierung alle fünf Jahre neu genehmigen muss.
  • Gemeinden mit mehr als 25.000 Einwohner müssten eigentlich eine - teure - Berufsfeuerwehr vorhalten. Der Ersatz durch eine Wehr aus freiwilligen Helfern ist nur dann genehmigungsfähig, wenn bestimmte Einsatz-Vorgaben gegeben sind.
  • Und diese Vorgaben kann die Wehr im Moment nur mit Ach und Krach erfüllen. 30 Sekunden Zeitgewinn wären daher ein gutes Polster.
  • Nun sollen erst einmal andere verkehrliche Verbesserungen auch den Feuerwehrleuten zugute kommen. Sollte das nichts bringen, dürfte der Bau einer solchen Brücke unverzichtbar sein.
  • Schließlich will die Stadt Werne an ihrer Freiwilligen Wehr festhalten. Die ist nämlich im Vergleich zu einer Berufswehr „pro Jahr ein bis zwei Millionen Euro“ günstiger, wie Bürgermeister Lothar Christ erst jüngst vor dem Haupt- und Finanzausschuss betonte.
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