Feuer am Hirtenweg: Richter verhängen sechs Jahre Haft wegen Mordversuchs

dzLandgericht Dortmund

Bei einem Feuer in einem Mehrfamilienhaus am Hirtenweg erlitten vier Bewohner im August 2018 eine Rauchvergiftung. Jetzt hat das Dortmunder Landgericht den Brandstifter verurteilt.

Lünen

, 30.10.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Richter sind davon überzeugt, dass der 26-Jährige in der Wohnung seiner Ex-Freundin Feuer gelegt hat, weil er wütend darüber war, dass die Frau ihm den Laufpass gegeben hatte. Dass sich zum Zeitpunkt der Brandstiftung zehn weitere Menschen in dem Haus aufhielten, sei ihm bewusst, aber egal gewesen, hieß es in den Urteilsbegründung. Der Angeklagte habe also den Tod der anderen Bewohner in Kauf genommen. Deshalb sei er wegen Mordversuchs zu bestrafen.

Zehn Bewohner waren im Haus

Der 26-Jährige hatte dagegen bis zuletzt beteuert, dass er bei der Tat im Drogenrausch gehandelt habe und niemals damit gerechnet hätte, einen Menschen verletzen oder gar töten zu können. Das Urteil wollte er deshalb auch am Dienstag noch nicht akzeptieren. „Wir werden Revision einlegen“, kündigte Verteidiger Marco Ostmeyer an.

Das Feuer am frühen Morgen des 29. August 2018 markierte den dramatischen Höhepunkt einer von ständigen Streitigkeiten und Gewalttätigkeiten geprägten Beziehung. Der Angeklagte hatte seine Partnerin in einem Online-Chat kennengelernt und war schnell zu ihr an den Hirtenweg gezogen. Dass die Frau eine Tochter aus einer früheren Beziehung hatte, störte den Mann zunächst nicht.

Stimmung verschlechterte sich

Im Laufe der Beziehung soll sich die Stimmung zwischen Mann und Frau dann aber immer weiter verschlechtert haben. Und offenbar musste auch das kleine Mädchen unter den Gewaltattacken des Angeklagten leiden. Der Staatsanwalt sagte am Dienstag in seinem Plädoyer, er sei überzeugt davon, dass der 26-Jährige dem Kind einmal absichtlich heiße Milch ins Gesicht geschüttet habe. „Diese Tat ist zu Ihrem Glück hier allerdings nicht angeklagt“, sagte der Anklagevertreter.

Steinwurf an Mutter-Kind-Haus

Die Lebensgefährtin war schließlich zusammen mit ihrer Tochter in eine Mutter-Kind-Einrichtung geflüchtet. Doch selbst dort hatte sie vor dem 26-Jährigen nicht ihre Ruhe. Der Mann soll sie dort aufgesucht und einen Stein gegen die Fensterscheibe ihres Zimmers geworfen haben. „Wenn ich daran denke, dass er meine Tochter damit hätte töten können, läuft es mir immer noch eiskalt den Rücken herunter“, hatte die Lünerin in ihrer Zeugenaussage erklärt.

Freundin befindet sich in Behandlung

Die Zeugin befindet sich eigenen Angaben zufolge bis heute in psychologischer Behandlung. Sie hat Angst und empfindet für den Angeklagten „nur noch Hass“. Der Staatsanwalt erklärte, schon im Sinne der jungen Frau sei es erforderlich, gegen den Angeklagten eine empfindliche Haftstrafe zu verhängen. Seiner Forderung nach acht Jahren Haft wollten die Richter dann aber doch nicht in Gänze nachkommen.

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