In neun Monaten muss das Haus weg. Das steht im aktuellen Schreiben, das Familie Ahlers von der Stadt Schwerte bekommen hat. Die Mieterin im Obergeschoss hat noch weniger Zeit.

Schwerte

, 26.07.2018, 17:41 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Abrissverfügung ist schon da. Nur wenige Tage, nachdem die Stadt Schwerte sie angekündigt hatte. Damit steht der Zeitplan, wie es weitergeht in diesem kuriosen Fall um eine Baugenehmigung, eine Nachbar-Klage und ein Gerichtsurteil gegen die Stadt Schwerte: Die setzte der Familie Ahlers nun eine Frist von neun Monaten, ihr Haus an der Unteren Meischede abzureißen.

Das Gericht argumentierte: Die Baugenehmigung hätte niemals erteilt werden dürfen. Die Stadt schob nach: In Ordnung, dann muss das ganze Haus abgerissen werden.

Bei Weigerung droht hohe Strafe

Die Strafe, die Andrea und Markus Ahlers erwartet, falls sie sich weigern sollten, ist auch vermerkt: 17.000 Euro. Zahlen muss das Ehepaar als Hauseigentümer auch, falls die Wohnung im Obergeschoss nicht rechtzeitig geräumt ist.

Dort wohnt derzeit eine Frau zur Miete, die ebenfalls Post von der Stadt erhielt. Sie habe vier Monate Zeit, die Wohnung zu räumen. Ahlers seien damit beauftragt, ihr für diesen Zeitrahmen zu kündigen.

Obergeschoss darf nicht mehr genutzt werden

Nach diesen vier Monaten tritt eine Nutzungsuntersagung für das Obergeschoss in Kraft. Mit anderen Worten: Nicht nur die Mieterin muss raus – auch Familie Ahlers darf die leeren Räume nicht nutzen. Immerhin solle ja das ganze Haus wenige Monate später abgerissen werden.

Wie genau sie auf diese Frist reagieren wollen? Andrea und Markus Ahlers wägen noch ab, sprechen in diesen Tagen viel mit Architekten und dem juristischen Beistand. Das Ziel: „Wir wollen ein Austauschmittel anbieten.“ Sprich: einen Bauantrag für ein neues Gebäude bei der Stadt beantragen. Entweder tatsächlich für einen Bungalow, der so aussieht wie die anderen in der Reihe.

Oder für eine Variante mit leichtem Dach, wie es schon seit vielen Jahren auf dem ersten der vier Häuser der Reihe liegt: nutzbar wie ein Keller, aber nicht als Wohnraum.

Umbaukosten mindestens 100.000 Euro

„Im günstigsten Fall, wenn wir dann tatsächlich eine Baugenehmigung bekommen und es keine erfolgreiche Klage dagegen gibt, haben wir hinterher ein Haus, das wir vermieten können“, unterstreicht Markus Ahlers: „Und dann müssen wir uns für unsere Familie eine neue Wohnung oder ein anderes Haus suchen.“

Wobei selbst dieser „günstigste Fall“ sicher Umbaukosten von mehr als 100.000 Euro nach sich ziehen würde, schätzt Ahlers.

Verwaltungsschreiben kostete 200 Euro

Dagegen verhältnismäßig klein war der Betrag, den Ahlers der Stadt schon für die Abrissverfügung zahlen mussten: Rund 200 Euro seien das gewesen für das Verwaltungsschreiben, das die Familie aufforderte, ihr neues Haus in wenigen Monaten bitte wieder komplett abzureißen.

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