Die Situation für Radfahrer in Selm ist nicht die einfachste - parkende Lastwagen, Transporter und Autos versperren häufig Radwege. Dies könnte allerdings bald härter bestraft werden.

Selm

, 25.09.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es soll nicht nur teuer werden: Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer plant eine Änderung des Bußgeldkatalogs, die einen Punkt in Flensburg fürs Falschparken vorsieht.

Bis zu 100 Euro Bußgeld und einen Punkt soll es demnach für unzulässiges Halten in „zweiter Reihe“, Parken auf Geh- und Radwegen und Halten auf Schutzstreifen für den Radverkehr geben.

Veränderung durch härtere Strafen

„Ich finde es richtig, dass es Strafen und auch vielleicht bald einen Punkt fürs Falschparken gibt“, spricht Christian Jänsch, Mitglied des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), sich klar aus.

„Sobald das erste Bußgeld und das Schreiben aus Flensburg mit der Nachricht ‚Du hast einen Punkt.‘ ankommen, fangen die Leute vielleicht mal an, nachzudenken“, hofft der Selmer. „Ich befürchte aber, dass das Ganze nur ein Versuch Scheuers ist, um von dem Maut-Debakel abzulenken.“

Tägliches Ärgernis für Radfahrer

Wäre eine Verschärfung der Falschparker-Gesetze auch in Selm von Vorteil? Montagmittag, 23. September: Reges Treiben herrscht auf der Selmer Kreisstraße. Schon auf Höhe der Stadtbibliothek parkt ein Lkw, stellt den Radfahrweg komplett zu.

Und am südlichen Teil der Kreisstraße? Kurz vor der Aral-Tankstelle halten gleich zwei Autos direkt hintereinander zum „kurz mal Herausspringen“ mitten auf dem Fahrradweg.

Ärger über zugestellte Radwege - Falschparkern drohen bald schärfere Strafen

"Mal kurz rausspringen" - Falschparker versperren weiterhin den Radweg der Selmer Kreisstraße. © Mona Wellershoff

„Und sowas passiert täglich“, sagt Christian Jänsch, „Es ist schade, dass der Parkplatz erst so spät fertig wird“. Die Rede ist vom großen Parkplatz, der seit Ende August an der Ecke Landsberg-/Kreisstraße entsteht und laut Stadtsprecher Malte Woesmann Ende dieses Jahres fertiggestellt werden soll.

Ist die Fertigstellung des Parkplatzes die Lösung für das Falschparker-Problem? „Die Situation mit den Autos wird sich hoffentlich beruhigen. Dennoch denke ich, dass die ‚schnellen Parker‘ weiterhin den Radweg nutzen werden, vor allem an den Restaurants, um eben schnell das Essen abzuholen“, gibt Jänsch zu bedenken.

Ärger über zugestellte Radwege - Falschparkern drohen bald schärfere Strafen

Der LKW-Fahrer macht auf dem Radweg seine gesetzlich vorgeschriebene Pause. © Christian Jänsch

„Auch das Problem mit den Pkw, die Ware anliefern müssen, wird die Fertigstellung des Parkplatzes nicht lösen. Wäre der Mittelstreifen beispielsweise breiter und länger ohne Unterbrechungen gebaut worden, könnte der Anlieferverkehr dort halten“, findet Jänsch.

Infozettel sollten Situation entschärfen

Als Hinweis für Falschparker hat der Selmer nun auch kleine Karten entworfen, die mit dem Satz „Parke nicht auf unseren Wegen“ den Verstoß verdeutlichen.

Ärger über zugestellte Radwege - Falschparkern drohen bald schärfere Strafen

ADFC Mitglied Christian Jänsch setzt sich für bessere Bedingungen für Radfahrer in Selm ein. © Mona Wellershoff

Einen ähnlichen Versuch startete die Stadt - seit Anfang August wurden laut Malte Woesmann circa 250 Informationszettel an Falschparker verteilt. Der Stadtsprecher sagt, dass die Situation sich seitdem in einigen Bereichen gebessert habe, allerdings würden weiterhin Verkehrsteilnehmer auf den Rad- und Gehwegen parken.

Christian Jänsch habe von den Hinweiszetteln nichts mitbekommen. Auch eine Verbesserung der Situation seit Anfang August habe er als Radfahrer nicht feststellen können.

Fehlende Beschilderung

Roland Huhn, Rechtsreferent des ADFC, habe auf Nachfrage erklärt, dass das Parken auf Radwegen – oder auf Geh - und Radwegen – nach der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrs-Ordnung nicht zugelassen werden dürfe, berichtet Jänsch. Auch das Gehwegparken sei generell verboten, könne aber von der Straßenverkehrsbehörde mit dem Verkehrszeichen 315 erlaubt werden.

Verantwortlicher in dem Fall der Kreisstraße ist die Stadt Selm. Stadtsprecher Malte Woesmann hatte Anfang August erklärt, dass das Parken entlang der Kreisstraße bis zur Fertigstellung des Parkplatzes erlaubt sei, solange keine anderen Verkehrsteilnehmer gefährdet oder behindert werden würden.

„Die Beschilderung fehlt gänzlich“, schließt Christian Jänsch und verweist darauf, dass die Gehwege an der Kreisstraße weiterhin nur als „Geh - und Radweg“ ausgeschildert seien.

Hier würden laut Jänsch übergangsmäßig Schilder fehlen, die das Parken auf den Gehwegen - und nur auf den Gehwegen - erlauben würden, solange es niemanden beeinträchtige und der Parkplatz noch nicht fertig gestellt sei.

Fahrradstellplätze überzeugen durch Quantität

Es gibt allerdings auch gute Nachrichten für Fahrradfahrer an der Kreisstraße: neue Fahrradstellplätze. „Die sind für meinen Geschmack allerdings nur befriedigend“, findet Christian Jänsch. Er habe Angst, der Lack seines Fahrrads würde zerkratzen, da die Gebilde sehr massiv und etwas eng seien.

Ärger über zugestellte Radwege - Falschparkern drohen bald schärfere Strafen

Fahrradstellplätze sind für ADFC-Mitglied Christian Jänsch nur befriedigend, allerdings in einer guten Anzahl vorhanden, findet er. © Mona Wellershoff

„Man merkt aber: Hier ist etwas passiert“, lobt Länsch, „und auch von der Anzahl sind es mehr als genug“.

Situation abseits der Kreisstraße deutlich entspannter

So viel zu der Ausnahmesituation an der Kreisstraße. Wie sieht es denn mit der Fahrradfreundlichkeit in den anderen Selmer Stadtgebieten aus?

„Auf anderen Straßen ist die Situation deutlich entspannter“, findet Jänsch, „die Hauptverkehrsstraßen verfügen fast alle über eine Fahrradspur.“

Verbesserungsbedarf bestehe allerdings noch in Bork an der Lünener Straße. Dort würde es ebenfalls Probleme mit dem Anlieferungsverkehr geben, wodurch der halbe Fußgänger - und Radweg verstellt werde, bei dem es sich zusätzlich um einen Schulweg handle.

Ärger über zugestellte Radwege - Falschparkern drohen bald schärfere Strafen

Die Querungsfurt auf der Buddenbergstraße ist rot eingefärbt, die Radfurt in den neuen Kreiverkehren aber nicht. © Christian Jänsch

Jänsch plädiert außerdem für mehr Fahrradstellplätze an Bushaltestellen und eine deutlichere Markierung der Fahrradwege, zum Beispiel durch rote Fabe.

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