Falscher Pfleger gründet Intensiv-Pflegedienst und kassiert 1,8 Millionen

Landgericht Bonn

Ohne Ausbildung hat ein falscher Pfleger in Hennef einen Intensiv-Pflegedienst gegründet. Der Mann betrog die Krankenkassen um 1,8 Mio. Euro. Als er aufflog, machte er woanders weiter.

Bonn

15.12.2019, 17:30 Uhr / Lesedauer: 1 min
Falscher Pfleger gründet Intensiv-Pflegedienst und kassiert 1,8 Millionen

Ein falscher Pfleger gründete einen Intensivpflegedienst. © picture alliance/dpa

Er hatte keine Krankenpfleger-Ausbildung und führte trotzdem einen Pflegedienst mit 78 Mitarbeitern: Das Bonner Landgericht hat den ehemaligen Inhaber eines ambulanten Pflegedienstes mit Sitz in Hennef wegen gewerbsmäßigen Betruges in 89 Fällen und Urkundenfälschung zu drei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt.

Der falsche Pfleger hatte laut Gericht über 1,8 Millionen Euro zu Unrecht kassiert.

Wie ein Gerichtssprecher am Freitag mitteilte, hatte der Angeklagte trotz fehlender Qualifikation 2015 seinen Intensiv-Pflegedienst gegründet und bis 2017 geführt.

Mit Hilfe gefälschter Urkunden habe er eine Krankenpfleger-Ausbildung vorgetäuscht. Mit dem Dokument habe er sich außerdem die Zulassung zur häuslichen Intensivpflege erschlichen und die erbrachten Pflegeleistungen bei den Krankenversicherungen abgerechnet.

Mit Hilfe von Strohleuten weitere Pflegedienste gegründet

Im Sommer 2017 war der Fall aufgeflogen, der Inhaber und Geschäftsführer der Gesellschaft kam in Untersuchungshaft. Kaum war er wieder auf freiem Fuß, war der Angeklagte nach Norddeutschland gezogen und soll dort mit falscher Identität und mit Strohleuten weitere Pflegedienste aufgemacht haben. Seit Juli 2019 sitzt er erneut in Haft.

Der Angeklagte hatte im Prozess ein umfassendes Geständnis abgelegt, damit wurde dem Gericht eine aufwändige Beweisaufnahme erspart. Der Haftbefehl jedoch wurde nicht aufgehoben: Zum einen bestehe Fluchtgefahr für den in Russland geborenen Angeklagten, auch habe er skrupellos eine Haftverschonung ausgenutzt, um weitere Straftaten zu begehen. In den weiteren Betrugsfällen ermittelt die Staatsanwaltschaft in Lübeck.

dpa

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