Falsche Wohnung und falsche Aussage: Amtsgericht verurteilt Dealer (28) aus Lünen-Süd

dzDrogenhandel

Eine Verwechslung enttarnte einen Lüner als Dealer. Vor dem Amtsgericht versuchte der 28-Jährige vergeblich, den Richter mit einer Ausrede zu beeindrucken. Seine Festnahme verlief skurril.

von Sylvia Mönnig

Lünen-Süd

, 14.12.2019, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im April wollte die Polizei eigentlich zwei Lüner Brüder, die im Verdacht standen, Drogenhandel zu betreiben, genauer unter die Lupe nehmen. Das Haus, in dem sie wohnen sollten, genauer gesagt, die Wohnung, wurde observiert.

In der Wohnung in der Sedanstraße in Lünen-Süd herrschte ein reges Kommen und Gehen. Ein Besucher wurde schließlich kontrolliert, und der hatte eine kleinere Menge Marihuana dabei, die er „soeben“ gekauft haben wollte.

140 Gramm Marihuana in „durchaus schlechter Qualität“

Die Beamten erwirkten einen Durchsuchungsbeschluss und staunten dann sicherlich nicht schlecht: Anstelle der Brüder öffnete ihnen der nun vor Gericht stehende Lüner die Tür.

Ein neuer Beschluss erging, die Wohnung wurde schließlich doch durchsucht. Dabei kam ans Licht, dass sich der Bewohner im Besitz von rund 140 Gramm Marihuana befand - wenn auch in durchaus schlechter Qualität.

Im Nachgang stellte sich dann auch noch heraus, dass sich die eigentlich gesuchten Brüder beim Auszug nicht ab- und der 28-Jährige beim Einzug nicht angemeldet hatten. So konnte es zu dem Irrtum mit Zufallstreffer kommen.

Allerdings: Lukrative Drogengeschäfte bestritt der Lüner in der Verhandlung nun rigoros. „Ich habe nichts verkauft“, betonte er immer wieder. Woher er selbst das bei ihm entdeckte Marihuana gehabt habe, wolle er aus Furcht vor Repressalien, also vor unter Umständen folgenden „Hausbesuchen“, nicht sagen.

Drogen waren „Abfall“

Bei den 140 Gramm habe es sich „mehr oder weniger um Abfall“ gehandelt. Der Besucher, den die Polizei kontrolliert hatte und durch den die gesamte Sache ins Rollen gekommen war, sei ein Kumpel gewesen. Der habe sich seine neue Wohnung ansehen wollen. Genau das bestätigten der besagte Kumpel und dessen Freundin auch im Zeugenstand.

Die Aussage eines Beamten, der an den Ermittlungen beteiligt war, strafte den Angeklagten und „seine“ Zeugen aber Lügen. So sprachen der 28-Jährige und seine Freunde von einem deutlich längeren Besuch, als es der Polizist tat. Er schätzte die Verweildauer auf etwa vier Minuten.

Verfahren wegen Falschaussage

Und bei der Kontrolle, so bestätigte der Ermittler, habe der Besucher angegeben, das Marihuana „soeben“ gekauft zu haben. Ganz davon abgesehen, dass sich die Verpackungen der Drogen bei dem Zeugen und in der Wohnung verdächtig ähnelten.

Zweifel, dass der Lüner die Drogen nicht nur besaß, sondern auch damit handelte, hatte das Gericht letztlich nicht. Er wurde zu 1000 Euro Geldstrafe verurteilt, seine Freunde erwartet nun ein Verfahren wegen Falschaussage.

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