„Falsche Polizisten“ aus Schwerte: Sind sie Weihnachten schon wieder frei?

dzLandgericht Hagen

Sie gaben sich als Polizisten aus, betrogen Senioren in ganz Deutschland. Trotzdem können die vier Angeklagten aus Schwerte Weihnachten vielleicht schon wieder zu Hause feiern.

Schwerte/Hagen

, 03.12.2019, 17:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Prozess gegen vier falsche Polizisten aus Schwerte hat Staatsanwalt Axel Nölle den Angeklagten am Dienstag noch einmal ins Gewissen geredet. „Ältere Menschen wurden in ganz massiver Weise geschädigt“, so der Ankläger. „Ihr ganzes Lebenswerk wurde auf einen Schlag vernichtet.“

Trotz der klaren Worte können die 19 bis 40 Jahre alten Angeklagten aufatmen. Zurzeit sieht alles danach aus, dass sie Weihnachten wieder zu Hause sind.

Bis zu drei Jahre Haft beantragt

Staatsanwalt Nölle hat für zwei der Angeklagten zwar Strafen von zweieinhalb beziehungsweise drei Jahren Gefängnis beantragt, gleichzeitig aber die zumindest vorübergehende Entlassung aus der Haft gefordert. Es bestehe keine Fluchtgefahr.

Für die beiden anderen Angeklagten wurden Bewährungsstrafen von anderthalb beziehungsweise zwei Jahren Jugendhaft gefordert.

Die vier Männer aus Schwerte hatten sich zwischen April und Dezember 2018 bundesweit immer wieder als Polizisten ausgegeben und Senioren um insgesamt rund 260.000 Euro gebracht. Die Opfer waren zuvor aus der Türkei angerufen und vor angeblich korrupten Bankmitarbeitern gewarnt worden. Deshalb sollten sie ihr Vermögen der Polizei übergeben.

Nur ein paar tausend Euro von der Beute

Die Angeklagten selbst haben für ihre Abholdienste nur ein paar tausend Euro erhalten. Doch das war aus ihrer Sicht offenbar auch in Ordnung. „Sie haben sich keine Gedanken gemacht und waren froh, das Leben für den Augenblick genießen zu können“, so Nölle.

Der Kontakt in die Türkei war über den Ältesten der Gruppe hergestellt worden. Er war von einem Kollegen aus früheren Schwerter Fußballzeiten angerufen und in die Türkei eingeladen worden. Alles scheinbar ganz unverfänglich. Dort sei nach Angaben des Verteidigers dann aber ein Netz ausgelegt und immer weiter zugezogen werden.

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Geblendet durch Reichtum und lockeren Lebensstil

Die Angeklagten wollen manipuliert und von Reichtum und lockerem Lebensstil geblendet worden sein. Die Anweisungen kamen angeblich immer direkt auf Handy und gingen unter anderem auch an den Fahrer der Gruppe. „Er hatte keinen Einfluss darauf, wie und wo die Tat abläuft“, sagte sein Verteidiger Boris Strube.

Insgesamt hoffen alle Angeklagten auf eine Bewährungsstrafe. „Ich schäme mich", sagte einer von ihnen in seinem sogenannten letzten Wort. Ihn müsse der Teufel geritten haben, dass er sich auf die Betrügermasche eingelassen habe. Auch die anderen waren voller Reue und haben teilweise schon ein paar tausend Euro an ihre Opfer zurücküberwiesen. Das Urteil soll am Montag, 10. Dezember, gesprochen werden.

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