Mehrere Schilder weisen am Bahnhof Werne darauf hin, dass der Tunnel ein Fußgängerbereich ist. Doch zweimal am Tag ignorieren gleich Hunderte von Fahrradfahrern diese Vorschrift.

Werne

, 05.10.2018, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Das ist absolut chaotisch dort. Sie müssen mal über die Zustände morgens und mittags am Bahnhofs-Tunnel schreiben“, forderte uns eine Wernerin auf. Die Frau, die ungenannt bleiben möchte, sagte weiter: „Und wenn man den Schülern sagt, sie sollen doch bitte absteigen, wird man noch angepöbelt.“

Im Dutzend rasen sie durch den Tunnel

Manchmal stellt es sich so dar, dass die persönliche Betroffenheit größer ist als die reale Situation. Doch die Beschwerdeführerin hat Recht, wie ein Ortstermin ergab. Im Dutzend rasten am Freitagmorgen, 5. Oktober 2018, Jungen und Mädchen durch den Fußgängertunnel.

Am Ende der Unterführung Richtung Gymnasien wartet ein langgezogener Abhang, auf dem die Radler noch an Tempo zulegen. Wer von dort aus als Fußgänger zum Gleis will, muss höllisch aufpassen, nicht in die rasenden Radler-Pulks zu geraten.

Fahrradfahrer gefährden Fußgänger am Bahnhofs-Tunnel

Sigmund Josch (59) geht mit seinem Schäferhund täglich mehrmals durch den Tunnel. Er bemängelt die „chaotischen Zustände“ durch die Radfahrer. © Jörg Heckenkamp

„Wirklich eine chaotische Situation“, sagt Sigmund Josch, den wir mit seinem Schäferhund am Tunnelausgang treffen. Mehrmals am Tag geht er mit seinem Hund hier her. Er kennt die gefährliche Situation. „Hier gehen viele ältere Leute her. Entweder spazieren mit ihren Hunden oder auch zum Zug.“

Er selbst habe es schon erlebt, dass ihn Radfahrer unsanft gestreift hätten oder seinem Hund beinahe über die Pfoten gefahren wären. „Einfach chaotisch.“

Etwas chaotische Zuständigkeiten

Etwas chaotisch ist auch die Zuständigkeit in diesem Bereich. Denn der Tunnel ist im Besitz der Deutschen Bahn. Ordnungsrechtlich zuständig ist auf Bahn-Gelände die Bundespolizei. Für Werne ist die Dortmunder Wache der Bundespolizei zuständig.

„Wir sind für Verfolgung und Verhinderung von Straftaten am Bahnhof Werne zuständig“, sagt Volker Stall, Pressesprecher der Bundespolizei Dortmund, auf Anfrage. Aber für Bagatelldelikte, wie dem verbotenen Fahrradfahren, kommt kein Bundespolizist aus Dortmund angereist.

„Haben verstärkten Blick auf das Problem“

Die Bahn bestätigt auf Anfrage ihrer Zuständigkeit beziehungsweise die der Bundespolizei. Durch unsere Recherche ins Bild gesetzt, sagt ein Bahn-Sprecher: „Wir werden unsere Stationsbetreuer und die DB-Sicherheit anweisen, einen verstärkten Blick auf das Problem zu haben.“ Allerdings sind diese Mitarbeiter nur selten in Werne vor Ort.

Polizeiwache direkt am Fußgängertunnel

Pikant: Direkt an dem Tunnel ist die Werner Polizeiwache beheimatet. Wenn auch offiziell nicht zuständig, ist das Problem doch dort bekannt. „Und der zuständige Bezirksbeamte spricht auch mit den Schülern im Rahmen der Schulwegsicherung über das Problem“, sagt Thomas Röwekamp, Polizei-Pressesprecher, auf Anfrage.

Vor allem zu Beginn eines neuen Schuljahres rede der Bezirksbeamte mit den Schülern über das richtige Verhalten auf dem Schulweg. Röwekamp: „Dabei spricht er auch das Radfahrverbot im Tunnel an.“ Aber offenbar haben die mahnenden Worte des Beamten nur eine äußerst kurze Halbwertzeit.

Kommentar von Redaktionsleiter Jörg Heckenkamp:
Wenn ich Schüler am AFG oder Christophorus wäre und mit dem Fahrrad durch den Fußgängertunnel müsste, würde ich, ehrlich gesagt, auch nicht absteigen wollen. Ich als einzelner Radler wäre auch kein Problem. Aber es sind Massen, die gerade morgens zum Schulbeginn gebündelt auftreten. Und wer spät dran ist, tritt noch ein wenig schneller in die Pedale. Die Polizei spricht von bis mehr als 200 Fahrradfahrern, die innerhalb eines kurzen Zeitraums durch den Tunnel fahren, den genau um diese Zeit auch die Zugpendler nutzen.
Hier geht Sicherheit vor Bequemlichkeit der Schüler. Nicht nur die Polizei sollte weiterhin aufklären, notfalls auch strafend aktiv sein. Auch die beiden Gymnasien sollten entsprechend auf ihre Schüler einwirken. Vielleicht am Tunnel eine Art Schülerlotsen einsetzen, der die Radler zum Absteigen auffordert.
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Bei schlechtem Wetter handeln sich Radfahrer auf manchen Straßen in Werne eine unfreiwillige Dusche ein: durch Spritzwasser von Autos, die durch große Pfützen fahren (müssen). Von Von Jörg Heckenkamp

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