Fabian Busch: Es ist faszinierend, Filme aus dem Blickwinkel von Jugendlichen zu sehen

dz30. Lüner Kinofest

Fabian Busch (43) gehört seit vielen Jahren zum Kinofest-Team als Mentor der Schülerjury 16+. Warum er sich jeden November den Termin freischaufelt, erzählt der dreifache Vater im Interview.

Lünen

, 09.10.2019, 16:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Als vielseitigen Schauspieler kennt man Fabian Busch ebenso beim Kinofest wie als engagierten Mentor der Schülerjury 16+. Seit Kinofestleiter Mike Wiedemann ihn gebeten hat, die neue Jury zu begleiten, ist der gebürtige Berliner (43) jedes Jahr im November in Lünen mit dabei. Schon mit 13 Jahren trat der Sohn einer Variete-Tänzerin und eines Bühnenbildners als Komparse auf. Zwei Jahre später bewarb sich Busch bei Castings und bekam eine erste kleine Filmrolle in Wolfgang Kohlhaases „Inge, April und Mai“. Mittlerweile war der Vater von drei Kindern in zahlreichen Film- und Fernsehrollen zu sehen.

Hätten Sie gedacht, dass Sie so viele Jahre Schülerjurys begleiten würden, als Mike Wiedemann Sie damals als Mentor anfragte?

Nein, tatsächlich nicht. In meinem Beruf lebt man ja auch von Jahr zu Jahr. Ich hätte anfangs nicht gedacht, dass es die Schüler-Jurys so lange geben wird. Wenn ich Schüler aus den ersten Jahren in Lünen wiedertreffe, merke ich immer, wie die Zeit vergeht. Immerhin sind es jetzt 15 Jahre, seit ich zum ersten Mal Mentor in Lünen war.

Hat sich das Verhalten der Jugendlichen, die Sie in den Schülerjurys erlebt haben, im Laufe der Jahre verändert?

Eigentlich ist es immer wieder gleich - in den ersten Momenten sind sie meistens schüchtern, aber je mehr man miteinander redet wird die Gruppe vertrauter miteinander. Wenn wir dann miteinander warm geworden sind, ist das Kinofest auch schon wieder vorbei. In den ersten Jahren hatten wir uns immer schon einen Tag eher getroffen und bei Anke Höwing (Vorsitzende des Kinofest-Komitees, Anm.d.Red.) bereits einige der Wettberwerbsfilme geschaut. Das geht zeitlich jetzt nicht mehr.

Fabian Busch: Es ist faszinierend, Filme aus dem Blickwinkel von Jugendlichen zu sehen

Fabian Busch (v.l.), die Schülerjury 16+, Gewinner Florian Schewe und Landrat Michael Makiolla beim Kinofest 2017. © Günter Blaszczyk

Was fasziniert Sie an dieser Aufgabe des Mentors?

Ich finde es entspannend, ohne den Druck eine Entscheidung treffen zu müssen, die Filme anzuschauen. Für mich ist das reines Vergnügen. Und ich finde es sehr interessant, die Filme aus dem Blickwinkel von Jugendlichen zu betrachten. Mein Ältester ist 14, also fast im Alter der Schülerjuroren. Die Schülerjury ist für mich eine großartige Möglichkeit, in der Rolle des Mentors jungen Leuten einfach zuzuhören. Zumal wir immer ganz schnell vom Film auf das große Ganze kommen, auf das, was die Jugendlichen beschäftigt.

Ist es eigentlich schwer, sich immer diese Tage im November frei zu schaufeln, weil zu dieser Zeit ja auch gerne mal Dreharbeiten stattfinden?

Überraschenderweise ist es bisher jedes Jahr gelungen. Ich sperre nach Möglichkeit schon frühzeitig die Kinofest-Tage. Bisher hat es geklappt, dass Drehtage nicht auf den Kinofest-Termin fielen. Aber ich fürchte, es wird auch mal der Tag kommen, an dem das nicht klappt und ich ein Jahr aussetzen muss. So wie es meiner Kollegin Julia Schmidt (Mentorin der Schülerjury 10+, Anm.d.Red.) einmal passiert ist.

Fabian Busch: Es ist faszinierend, Filme aus dem Blickwinkel von Jugendlichen zu sehen

Die beiden Mentoren der Schülerjurys Julia Schmidt und Fabian Busch mit dem Sonderdruck zum Abschied von Mike Wiedemann von der Filmstiftung. © Frank Bock

Würden Sie auch selber gern mal Juror beim Kinofest sein?

Das ist natürlich etwas ganz anderes als meine derzeitige Aufgabe. Da ist man in einem Dreier-Team und redet mehr fachlich. Aber da ich weiter gerne Mentor der Schülerjury bin und so auch gar keine Zeit bleibt, um noch in einer Jury zu sein, stellt sich die Frage nicht.

Sie haben ja schon in zahlreichen Tatort-Folgen mitgespielt? Könnten Sie sich vorstellen, selbst mal Ermittler zu sein?

Im Moment läuft es bei mir ganz gut mit vielen verschiedenen Rollen in verschiedenen Produktionen. Einerseits wird man als Tatort-Ermittler schnell auf diese Rolle festgelegt und man hat auch kaum noch Zeit für andere Produktionen. Andererseits bietet das natürlich auch eine gewisse Sicherheit, wenn man zwei oder drei Folgen im Jahr dreht. Natürlich müsste dann auch das Gesamtkonzept stimmen. Die Frage ist auch, wieviel Freizeit noch bleibt. Ich achte sehr darauf, die rare Zeit mit meinen Kindern intensiv zu verbringen, die kostbare Zeit des Aufwachsens auch wirklich mitzuerleben.

Was macht für Sie das Besondere am Lüner Kinofest aus?

Ich finde, dass solche kleineren Festivals wie Lünen oder Biberach eine Vertrautheit mit dem Publikum bieten. Mir gefallen die Diskussionen mit den Zuschauern nach den Filmen. Dieser Kontakt mit den Lünern ist für Filmemacher hochinteressant. Und ein Zuschauerpreis wie die „Lüdia“ ist immer eine große Auszeichnung.

Fabian Busch: Es ist faszinierend, Filme aus dem Blickwinkel von Jugendlichen zu sehen

Martin Schneider (Film- und Medienstiftung, l.) und Schauspieler Fabian Busch beim Bürgermeister-Empfang. © Günter Blaszczyk

Sie spielen den Bürgermeister Herbst in der neuen Krimi-Reihe „Dead End“. Gibt es da eine Fortsetzung?

Ich weiß, dass der Regisseur schon ein interessantes Konzept für die zweite Staffel hat. Aber wir müssen abwarten, wie die Reihe ankommt und was die Verantwortlichen beim Sender entscheiden.

Was wünschen Sie dem Lüner Kinofest zum 30. Geburtstag?

Auch die nächsten 30 Jahre viele volle Kinosäle und dass die Leute sich weiter für den deutschen Film interessieren. Ich wünsche mir auch, dass die besondere Stimmung erhalten bleibt und dass - bei allem Drang nach Veränderung überall - das Lüner Kinofest so bleibt, wie es ist.

Biographie


Schon mit 15 Jahren die erste Filmrolle

  • Fabian Busch wurde im Bezirk Treptow geboren und wuchs in Ost-Berlin auf. Seine Eltern waren Varieté-Tänzer, sein Vater später Bühnenbildner. Praktisch hinter der Bühne aufgewachsen, trat er ab 13 Jahre als Komparse auf.
  • Mit 15 Jahren und ohne Schauspielausbildung bewarb er sich bei Castings und erhielt eine erste kleine Filmrolle in Wolfgang Kohlhaases „Inge, April und Mai“. Daraufhin wurde er von einer Agentur aufgenommen und spielte 1993 mit 17 Jahren seine erste Hauptrolle in Matthias X. Obergs „Unter der Milchstraße“, der auf dem Filmfestival Max Ophüls Preis 1995 den Preis des saarländischen Ministerpräsidenten gewann.
  • Es folgten wichtige Rollen in Andreas Dresens „Raus aus der Haut“ (1997), Hans-Christian Schmids „23“ (1998), Rainer Kaufmanns „Kalt ist der Abendhauch“ (2000) und Hendrik Handloegtens „Liegen lernen“ (2003).
  • Im Jahr 2000 erhielt Busch für den Fernsehfilm „Zehn wahnsinnige Tage“ von Christian Wagner eine Nominierung für den Deutschen Fernsehpreis als bester Schauspieler.
  • Fabian Busch arbeitet auch fürs Hörspiel. 2010 drehte er als Regisseur den Kurzfilm „Edgar“ über einen verwitweten Rentner und Kaufhausdieb auf der Suche nach Arbeit und Anerkennung.
  • 2015 spielte er in „Er ist wieder da“, einer Satire über Adolf Hitler, eine tragende Rolle. Fabian Busch ist Mitglied der Deutschen Filmakademie.
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