Schlangen-Drama: NRW-Politik will strengere Auflagen

Seit Tagen wird in Herne nach einer Gift-Kobra gesucht. Viele Bewohner mussten aus Sicherheitsgründen ihre Wohnungen verlassen. Doch das Tier bleibt verschwunden. In der Politik wird über strengere Auflagen diskutiert.

26.08.2019, 16:24 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Drama um eine hochgiftige Kobra in einem Herner Mietshaus geht auch nach drei Tagen weiter: Rund 30 Anwohner in insgesamt vier miteinander verbundenen Häuser in der Ruhrgebietsstadt können seit Sonntag weiter nicht in ihre Wohnungen - trotz des Einsatzes von Spezialisten und Schützenhilfe der Feuerwehr Düsseldorf. Die Schlange bleibt verschwunden. Das teilte die Stadt Herne mit.

In der NRW-Politik wird angesichts des Vorfalls die Forderung nach Auflagen für die Haltung von giftigen Gefahrtieren wie Schlangen oder Skorpionen immer lauter. „Ich persönlich bin gegen die Haltung sehr gefährlicher Tierarten in Wohnungen oder Häusern“, sagte NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) bereits am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Forderungen nach einem entsprechenden Gesetz kommen auch von SPD und Grünen.

Bisher gelten für die Haltung wildlebender Tiere in Privathaushalten in Nordrhein-Westfalen kaum Vorgaben, solange Artenschutz-Regeln erfüllt werden. SPD und Grüne hatten bereits 2014 - damals als Regierungsfraktionen - ein Gefahrtiergesetz angestrebt. Der Vorstoß war aber vor allem am Widerstand der Kommunen gescheitert. Sie hielten unter anderem die behördlichen Überwachungsaufgaben für nicht leistbar. Unterschiedliche rechtliche Einschränkungen für Gefahrtiere gibt es dagegen bereits in mehreren anderen Bundesländern - etwa in Bayern, Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Thüringen.

Die Schlange von Herne, eine hochgiftige Monokelkobra mit einer geschätzten Länge von mindestens 1,40 Meter, war am Sonntag im Treppenhaus eines der vier miteinander verbundenen Häuser von einer Bewohnerin entdeckt worden. Die Stadt vermutet, dass die Kobra aus der Wohnung eines Mieters stammt, in der dieser rund 20 Giftschlangen hielt. Die Stadt hält es für wahrscheinlich, dass sich das gefährliche Tier noch in einem der Häuser befindet. Die 30 Bewohner der Häuser mussten nach der Entdeckung sofort ihre Wohnungen verlassen.

Bei der Schlangensuche in Herne machten sich am Mittwoch zwei Reptilien-Experten der Feuerwehr Düsseldorf vor Ort ein Bild von der Lage. Die Stadt will außerdem eine Spezialfirma hinzuziehen, die Erfahrung mit vermissten Reptilien hat. Aus Sicherheitsgründen waren auch ein Rettungswagen und ein Notarzt zugegen.

Mitarbeiter des Ordnungsamtes verteilten am Mittwoch in der Nachbarschaft Zettel, auf denen das Statement des Herner Ordnungsdezernenten Johannes Chudziak vom Dienstag abgedruckt war. Darin wurde die Bevölkerung zu besonderer Aufmerksamkeit und Vorsicht aufgerufen. Man solle möglichst auf befestigten Wegen bleiben und es vermeiden, durch hohes Gras zu gehen. Weitere Einzelheiten zum Stand der Suche nach der Schlange wollte die Stadt am Mittwochnachmittag bekannt geben.

Die 17-jährige Lisa-Marie Schapeit hatte die Schlange am Sonntag auf dem Weg zum Briefkasten entdeckt und die Polizei gerufen. „Ich bin die erste Treppe runter und habe schon so komische Geräusche gehört“, berichtete sie der dpa am Mittwoch. Dann habe sie die Schlange zwischen zwei Wohnungstüren kriechen sehen. Sie habe die ganze Zeit gezischt. „Ich stand da in Panik und habe angefangen zu zittern.“ Schnell sei sie zurück in ihre Wohnung und habe die Tür verriegelt. Ihr Freund habe dann noch das Foto gemacht. Später war die Schlange nicht mehr zu sehen.

Die 17-Jährige und ihr Freund sind vorübergehend in einer Notunterkunft in Herne untergekommen. Die meisten Bewohner der betroffenen Häuser fanden laut Stadt bei Bekannten und Verwandten Unterschlupf.

Es ist nicht der erste spektakuläre Fall einer entwichenen Giftschlange in NRW. Im März 2010 war beispielsweise in Mülheim/Ruhr eine gefährliche Monokelkobra aus einem Terrarium entwichen. Das Tier war mit rund 30 Zentimetern Länge deutlich kleiner war als die Schlange in Herne. Dennoch begann eine fieberhafte Suche. Erst nach drei Wochen wurde das Tier tot aufgefunden. Bis dahin hatten Spezialisten auf der Suche nach dem Tier die Wohnung des Schlangenhalters schon komplett entkernt.

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