Erinnerungen an die Disko KM und Gaddafi in Menden

dzStadtgeschichte

Claus-Peter Levermann ist ehemaliger Journalist und Autor. Unter dem Titel „So war es früher“ bringt er seinen inzwischen 5. Band mit Anekdoten aus Menden heraus.

Menden

, 15.08.2018 / Lesedauer: 3 min

Bevor Levermann die Geschichten der Mendener erzählt, gibt er etwas aus seiner eigenen Familiengeschichte preis. „So war ich früher“, steht unter einem Foto des Autors, das ihn als kleinen Jungen im Jahr 1944 vor einem Kaninchenstall zeigt. Dazu schreibt Claus-Peter Levermann, dass er auf diesem Bild gerade zwei Jahre alt gewesen ist, seinen Vater zu dieser Zeit an eine Krankheit verloren hatte, „weil gegen diese verfluchte Lungentuberkulose noch kein Penicillin zur Verfügung stand.“

Dieses Foto, ein Fragment aus seiner Vergangenheit, sei der Anlass gewesen, mit den Mendener Geschichten zu beginnen. Denn der Autor stellte sich die Frage, wie all die Mütter, die damals im Krieg ihre Männer verloren, ihre Kinder alleine durchgebracht haben.

Fragmente au der Lebensgeschichte von Mendenern

Die Fragmente aus dem Leben anderer Mendener werden von ihm in loser Folge und ungeordnet in den Bänden zusammengestellt. Alle zusammengenommen können helfen zu verstehen, warum die Dinge so und nicht anders geworden sind, schreibt der Autor und ehemalige Journalist. So suchte er seine Geschichten etwa, indem er stapelweise alte Zeitungen aus dem Stadtarchiv durchforstete, andere Geschichten wiederum brauchte er nicht suchen: Sie wurden an ihn herangetragen. Auf diese Weise ist inzwischen der 5. Band „So war es früher – Mendener Geschichten“ zustande gekommen. Viele der Erzählungen rufen nicht nur bei Mendenern, sondern wohl auch bei Bürgern aus den Nachbarstädten Erinnerungen wach.

Im 5. Band etwa die Geschichte über das KM, eine Großdiskothek, die von 1989 bis 1996 sieben Jahre lang die Jugend bewegte und die Nachbarn in gleichem Maße nervte. Endlich mussten die Jugendlichen – auch aus Fröndenberg – nicht mehr in die Dortmunder Diskotheken fahren. Der Musiktempel am Kiebitzweg erlebte in dieser kurzen Zeit alle Höhen und Tiefen. Angefangen mit Wirbel um den Namen, der Klapsmühle bedeuten sollte, über Ärger mit Lärm und mit britischen Soldaten sowie Drogengerüchten bis hin zu nächtlichen Schüssen im Disco-Vorraum auf den Türsteher, sorgte der Club regelmäßig für Schlagzeilen.

Werner Egenolf war der Schulleiter aus Tripolis

Ebenso von Interesse – auch für mögliche Ehemalige aus Nachbarstädten – dürfte die Geschichte sein, wie Werner Egenolf, seit 1986 war er Leiter des Walramgymnasiums, aus Tripolis an die Hönne kam. Der Neue, der zuvor an einer Schule in Libyen unterrichtete, hatte Spannendes und Abschreckendes zu erzählen, aus der Zeit in der Gaddafi das Land regierte. Während Menden und der Schulausschuss 1986 auf Egenolf warteten, um unter fünf verbliebenen Kandidaten den neuen Leiter fürs Wallramgymnasium zu bestimmen, saß der allein in seinem Haus in Tripolis. In den Ohren raunte das Donnergrollen amerikanischer Bombardements auf Terror-Ausbildungscamps des libyschen Revolutionsführers.

Diese beiden und viele weitere interessante Geschichten schildert Levermann, der sich weder als Heimatforscher, noch als Historiker sieht, sondern als Erzähler. Und genauso liest sein Band sich auch.