Erich Jäger feiert Ende Dezember nicht nur Weihnachten, sondern auch seinen 90. Geburtstag

90.Geburtstag

Für Erich Jäger aus Selm gibt es zum Ende des Jahres gleich zwei Feste zu feiern. Doch trotz dem zweifachen Anlass wünscht er sich nur zwei Dinge, und die kann kein Geld der Welt kaufen.

Selm

von Mona Wellershoff

, 23.12.2018 / Lesedauer: 4 min
Erich Jäger feiert Ende Dezember nicht nur Weihnachten, sondern auch seinen 90. Geburtstag

90 Jahre Leben, festgehalten für die Ewigkeit. © Mona Wellershoff

Erich Jäger kommt eigentlich gar nicht aus Selm, sondern ist gebürtiger Bremer. Die Wege, die ihn schließlich nach Nordrhein- Westfalen geführt haben, hängen von mehreren einschneidenden Erlebnissen in seinem Leben ab.

1928 wird Erich Jäger in Bremen geboren. In dem kleinen Städtchen Fischerhude verbringt er seine Kind- und Jugendzeit. Seinen Geburtstag und Weihnachten habe er zu dieser Zeit immer als sehr positiv empfunden, trotz des so nahen Beieinanderliegens der beiden Termine. „Natürlich, am 23. Geburtstag zu haben, mag spannend klingen, aber wenn man damit groß geworden ist, ist das gar nichts so Besonderes mehr“, erklärt Jäger. „Außerdem haben meine Eltern darauf geachtet, die beiden Feste so gut wie möglich zu trennen. Ich hatte da nicht drunter zu leiden.“

Erich Jäger feiert Ende Dezember nicht nur Weihnachten, sondern auch seinen 90. Geburtstag

Erich Jägers große Liebe zu Büchern verrät sein voll beladener Schrank. Alle 500 Bücher, die hier stehen, hat er natürlich gelesen. © Mona Wellershoff

„Meine Familie bestand nur aus Leseratten“, gibt Erich Jäger lächelt zu, „also gab es auch immer nur ein Geschenk. Zum Geburtstag gab es ein Buch. Zu Weihnachten ebenfalls.“

Diese Liebe zur Literatur lässt sich auch heute noch erkennen. Hinter dem Selmer erhebt sich ein riesiges Bücherregal. „Ich lese eigentlich alles außer Krimis.“

Doch während Erich Jäger schon in jungen Jahren seinen Bücherfundus von Fest zu Fest ausweitet, nimmt das gewohnte Leben jäh mit Kriegsbeginn 1939 eine Wendung. Der Vater ist als Soldat in Russland, die Mutter bleibt alleine mit Erich und seinen beiden jüngere Brüdern zurück.

Die kleinen Geschwister können gerade einmal krabbeln, als der nächste Schicksalsschlag die Familie ereilt - die Mutter erkrankt an Krebs. „Ich war zu dem Zeitpunkt 13 oder 14 Jahre alt und habe das alles nur am Rand mitbekommen“, erinnert Erich Jäger sich, „damals war die Krankheit auch noch nicht so bekannt. Man wusste kaum etwas darüber.“

Erich Jäger wird schnell erwachsen

Der Jugendliche sei also mit seinen kleinen Geschwistern allein gewesen. Zwar hätten sie ein junges Mädchen von einer Organisation vergleichbar mit Caritas an die Seite gestellt bekommen, allerdings habe dieses nur für Essen gesorgt und sich sonst kaum mit den Kindern beschäftigt. „Wir Kinder sind da etwas zu kurz gekommen“, findet Erich Jäger, der selber viel Verantwortung in diesen Jahren übernommen habe und trotz des zarten Alters schnell erwachsen geworden sei.

1944 sei der Selmer dann noch auf den letzter Drücker eingezogen worden. So kam es dann letztendlich, dass Erich Jäger mit gerade einmal 16 Jahren in die Gefangenschaft der Engländer geriet.

„Nach Kriegsende gab es dann kaum bis gar keine Arbeit“, erzählt Erich Jäger. Dem Rat des Arbeitsamtes folgend zieht er nach Nordrhein-Westfalen. „Dort sollte es wenigstens noch Arbeit geben“, habe ihm das Amt geraten.

Erich Jäger feiert Ende Dezember nicht nur Weihnachten, sondern auch seinen 90. Geburtstag

Erich Jäger mit seiner Frau Maria am Hochtzeitstag 1964. © Mona Wellershoff

In einem landwirtschaftlichen Betrieb in Nordkirchen habe er eine Arbeitsstelle gefunden. Für wie viele verschiedene Firmen Erich Jäger insgesamt gearbeitet hat, könne er gar nicht mehr aufzählen. „Damals war man einfach da, wo es den besten Lohn gab. Es gab Jahre, da hatte ich zwei oder drei verschiedene Arbeitgeber.“

Letztendlich habe es ihn dann nach Selm gezogen, da dies die nächstgrößere Stadt war. 1952 fand er hier nicht nur Arbeit, sondern auch die Selmerin Maria und damit seine große Liebe. Die 1958 geborene Tochter Anke habe das Glück komplett gemacht.

Der Wunsch zum 90. Geburtstag

Das ist nun über ein halbes Jahrhundert her und Erich Jägers 90. Geburtstag steht vor der Tür. Er sieht das allerdings ganz entspannt: „90 ist für mich nur eine Zahl. Ich bin einfach dankbar, dass ich noch gesund bin.“

Auf die Frage, was er sich denn zu diesem besonderen Fest wünsche, lächelt er nur: „Einen Wunsch habe ich: selbst gebackenen Apfelkuchen von meinem Schwiegersohn. Und den Wunsch Nummer eins: Gesundheit. Alles andere zählt nicht.“

Die Feier solle nur im engsten Kreis der Familie stattfinden. „Ich will es so ruhig wie möglich halten. Es gibt nicht viele 90-Jährige, die noch leben“.

Wenn Erich Jäger auf fast ein Jahrhundert Leben zurückblickt, sagt er: „Ich bin mit dem, was war, zufrieden und ich würde nichts ändern wollen.“

Und wenn er einen Rat geben sollte, dann lächelt der 90-Jährige nur und meint: „Immer schön mit beiden Beinen auf der Erde bleiben.“

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