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Ergster Kita-Leiterin Ellen Köster sagt nach 33 Jahren Tschüss

Kita Regenbogen

Von antiautoritärer Erziehung bis zum Pauken: Viel erlebt hat Erzieherin Ellen Köster, die nach 33 Berufsjahren im „Regenbogen“ in die Rente geht.

Ergste

, 12.07.2018
Ergster Kita-Leiterin Ellen Köster sagt nach 33 Jahren Tschüss

Der „Herzensbaum“ ist eine der Überraschungen, mit denen Ergster Kindergarten-Eltern der scheidenden Leiterin Ellen Köster seit Monaten immer wieder Dankeschön sagen. © Reinhard Schmitz

Egal, wenn Putzstücke von den Hallenwänden fielen, als die 30 Kinder ihrer Gruppe mit den ausgedienten Autoreifen herumtollten. „Das störte keinen“, sagt Ellen Köster, die als junge Erzieherin noch das Ende der damals fortschrittlichen antiautoritäten Erziehung mitmachte. Ein Sinnbild für den vielfältigen Wandel, den die 64-Jährige in ihrer langen Berufskarriere bei der Stadt miterlebte. Am Donnerstag vor den Ferien wird sie als Leiterin der städtischen Kindertagesstätte Regenbogen in den Ruhestand verabschiedet.

Die Einrichtung Im Winkel hat sie – nach Stationen in den Villigster Kindergärten Lilliput und Windrad – am 1. Januar 1985 selbst mitgegründet. „Ich wollte noch mal was Neues machen“, erzählt sie. Ein Team entwickeln und Einfluss nehmen auf die Räumlichkeiten, die auf dem Gelände der Wietloh-Kampfbahn entstanden. Das Sportlerheim wurde zu einem Gruppenraum, der Ascheplatz der Fußballer zum Spielgelände. Die schattenspendende Pappelreihe am Rand blieb noch eine Weile erhalten, bis sie morsch war.

Fast alles hat sich verändert in diesen Jahrzehnten

Aus dem zweigruppigen Kindergarten wurde schon nach vier Jahren eine dreigruppige. Der Betreuungsbedarf war groß durch die Neubaugebiete ringsherum. Nach den Sommerferien wird jetzt zum 1. August sogar schon die vierte Gruppe eröffnet. Die allerdings, um auch ganz Kleine unter zwei Jahren aufnehmen zu können. Dann werden insgesamt 80 (derzeit 70) Mädchen und Jungen den Regenbogen besuchen. Betreut von zwölf Erzieherinnen, die von je einer Hauswirtschafts- und Reinigungskraft unterstützt werden. „Leider“ – so Leiterin Ellen Köster – sind Männer in ihrem Team weiterhin Fehlanzeige. Auch wenn die mal während ihrer Ausbildung in den Kindergarten hineinschnuppern, bleiben sie nicht. Eher zieht es sie im Anschluss in Heime oder zum Sozialpädagogik-Studium.

Das gehört zu dem Wenigen, das sich nicht verändert hat in den Kindertagesstätten. Mittags für zwei Stunden geschlossen wurden sie noch in den Anfangsjahren von Ellen Köster: „In der Pause durften wir nach Hause.“ Die meisten Kinder wurden eh schon vor 12 Uhr abgeholt. Dieses Modell, das heute einer 25-Stunden-Betreuung pro Woche entspricht, wählt kaum noch einer. Gefragt sind im Regenbogen, der durchgehend von 7 bis 16 Uhr geöffnet hat, die 35- und 45-Stunden-Angebote. Damit beide Elternteile berufstätig sein können. „Die Familien haben nicht höhere Ansprüche, aber sie brauchen mehr Geld, um den Standard von vor zehn bis 20 Jahren halten zu können“, weiß die Leiterin von Fortbildungen. Alles ist viel teurer geworden.

„Die Kinder brauchten eine Heimat“

In der Pädagogik löste das Pauken die antiautoritären Jahre ab. Ellen Köster erinnert sich, wie Kolleginnen auf einer Art Pult saßen und in den Arbeitsblättern der Kinder alle Fehler rot anstrichen. Später orientierte man sich an deren Interessen: „Beschäftigten sie sich beispielsweise mit Würmern, wurde der Wurm zum Thema.“ Danach wiederum sollten sich die Kinder selbst organisieren, Angebote aussuchen.

Darauf verzichtete der „Regenbogen“ weitgehend, weil es die Kinder überfordert hätte. „Sie brauchen eine Heimat, eine Bindung zu den Erzieherinnen“, erläutert Ellen Köster. Gerade, wenn sie in der Einrichtung die erstmalige Trennung vom Elternhaus durchmachen. Eine Atmosphäre, die von Emotionalität geprägt ist, hilft bei diesem Entwicklungsschritt. „Alles mit dem Herzen tun“, nennt die Leiterin ihr Motto. So kommt es auch zurück. Schon seit Anfang des Jahres wird sie von den Eltern immer wieder mit Geschenken überrascht. Mit Luftballons, einem Blumenmeer oder einem mit den Bildern der 70 Kinder geschmückten Herzensbaum vor der Tür. Die werden am letzten Tag abgeschnitten – als schöne Erinnerung für zu Hause.