Nach der Entlassung in Polen wollte sich der 57-Jährige in Schwerte ein neues Leben aufbauen. Nun sitzt er in Untersuchungshaft. Er soll eine Frau getötet haben, um sich zu bereichern.

Schwerte

, 11.10.2018, 08:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Unschuldig 21 Jahre hinter Gittern. In unzähligen Varianten prägte diese Schlagzeile die Titelseiten polnischer Zeitungen, die Marek Glinski auf dem Besprechungstisch in der Lokalredaktion hinblätterte. Damals im Mai 2016, als er nach seiner Freilassung mithilfe von Freunden in Schwerte ein neues Leben beginnen wollte. Er sei in seiner Heimat für einen Mord an einem Deutschen verurteilt worden, den er gar nicht begangen habe, erzählte er mit ruhiger Stimme. Und wurde danach nicht müde, mit seiner Geschichte eines Justizskandals von einem Medium zum anderen zu tingeln. Auch ein Buch wollte der Pole schreiben und vermarkten. Doch zunächst wollte er nach einem Job suchen. Als Kurierfahrer vielleicht oder in der Altenbetreuung.

Doch wenn die Staatsanwaltschaft in Oldenburg Recht hat, soll sich Marek Glinski Geld auch auf mörderische Weise verschafft haben. Die Behörde ist überzeugt, dass er seine 55-jährige Landsmännin Danuta Lysien getötet habe, um sich in den Besitz ihres Vermögens zu bringen. Die Rede ist von 19.534,02 Euro, wie eine Presseerklärung der Behörde angibt. Sie hat beim dortigen Landgericht Anklage wegen Mord gegen den 57-Jährigen erhoben.

Er erzählt von 21 Jahren unschuldig im Gefängnis – wurde Marek Glinski jetzt zum Mörder?

Im Rahmen ihrer Suche nach dem Mordopfer veröffentlichte die Polizei Oldenburg das Foto von dem dunklen Ford Focus Turnier.

Die Leiche ist immer noch nicht entdeckt..

Das in Oldenburg lebende Opfer wurde zuletzt am 24. Juni 2017 lebend gesehen. Die Leiche der Frau ist bislang immer noch nicht gefunden. Doch bei der Polizei verdichteten sich die Hinweise, dass sie Opfer eines Tötungsdelikts geworden ist. Spuren führte die Sonderkommission DaLy nach Schwerte, wo Marek Glinski am 13. Juni in seiner Wohnung festgenommen wurde. Nach Angaben der Polizei sitzt er in Untersuchungshaft.

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Nachdem die Fahnder auf der Suche nach der Frauenleiche ohne Erfolg weitere Waldstücke im Raum Oldenburg durchsucht hatten, hat sie bei einem Fahndungsaufruf im September ein Foto des als mutmaßlicher Haupttäter angesehenen Glinski und eines 28-jährigen Mitbeschuldigten veröffentlicht. Die Ermittler erhoffen sich Hinweise, ob die beiden Männer am 25. oder 26. Juni 2017 auf der Straße zwischen Oldenburg und Bremen gesehen wurden.

Mercedes des Opfers wurde in Bremen aufgefunden.

„Nach den bisherigen Ermittlungen gehen Staatsanwaltschaft und Sonderkommission davon aus, dass die beiden Tatverdächtigen mit einem dunklen Ford Focus Turnier mit UN-Kennzeichen und dem champagnerfarbenen Mercedes Typ E220, dem Fahrzeug von Frau Lysien, unterwegs waren“, heißt es in der Pressemitteilung: „Es besteht der Verdacht, dass die Tatverdächtigen zur fraglichen Zeit auch den Leichnam der Polin an einem bislang unbekannten Ort ablegten.“ Der Mercedes wurde im Februar ohne Nummernschilder in Bremen entdeckt.

Auch wenn die Polizei die Ergebnisse ihrer Ermittlungen an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet hat, sei die Fahndung weiter aktuell, sagt Sprecher Stephan Klatte: „Es geht immer noch um Indizien.“ Man nehme Hinweise entgegen und leite sie an die Staatsanwaltschaft weiter. Auch die Soko DaLy bestehe noch für „letzte Restarbeiten“. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Marek Glinski sein Opfer „entsprechend dem von ihm alleine oder mit einem noch nicht abschließend identifizierten Mittäter entwickelten Tatplan auf unbekannte Art und Weise getötet und ihren Leichnam an einem unbekannten Ort beseitigt hat“, heißt es in einer Presseinformation der Anklagebehörde: „Im Anschluss dürfte er ihren PKW Mercedes in Bremen auf einem Parkplatz abgestellt haben, um auf diese Weise den Eindruck zu vermitteln, dass das Tatopfer sich ins Ausland abgesetzt habe.“

Er erzählt von 21 Jahren unschuldig im Gefängnis – wurde Marek Glinski jetzt zum Mörder?

Mit dem champagnerfarbenen Mercedes Typ E220 der verschwundenen Danuta Lysien sollen die beiden Tatverdächtigen unterwegs gewesen sein. Das Fahrzeug wurde im Februar an der Richard-Dunkel-Straße in Bremen aufgefunden. © Stephan Klatte, Polizei Oldenbur

Im Falle einer Verurteilung droht Lebenslänglich.

Anschließend, so der Vorwurf, habe Marek Glinski den Goldschmuck, Bargeld und die EC-Karte von Danuta Lysien entwendet. Die Karte habe der Angeschuldigte für sechs Bargeldabhebungen an Geldautomaten in Deutschland und Polen eingesetzt. Der Angeschuldigte räume bislang nur die Abhebungen an den Automaten ein, so die Staatsanwaltschaft. Dort gab es Überwachungskameras. Videos zeigten, wie schon einen Tag nach dem Verschwinden von Danuta Lysien nachts an ihrem Wohnort zweimal mit ihrer EC-Karte ein höherer Geldbetrag aus dem Automaten gezogen worden war.

„Im Rahmen der umfangreichen Ermittlungen haben sich jedoch eine Reihe von Indizien ergeben, welche aus Sicht der Staatsanwaltschaft Oldenburg die Täterschaft des Angeschuldigten wegen Mordes begründen“, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Dabei fällt auch der Blick auf die Vorgeschichte: „Der Angeschuldigte wurde bereits in Polen wegen Mordes verurteilt und hat dort eine langjährige Haftstrafe verbüßt.“ Noch ist das aktuelle Verfahren aber nicht abgeschlossen. Das Landgericht Oldenburg hat über die Eröffnung des Hauptverfahrens noch nicht entschieden. Im Falle einer Verurteilung droht Marek Glinski lebenslange Haft.Er erzählte von einem Justizskandal in Polen, von 21 Jahren unschuldig im Gefängnis.

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