Entwischte Kobra: Debatte über „Gefahrtiergesetz“

Seit Tagen wird in Herne nach einer Gift-Kobra gesucht. Viele Bewohner mussten ihre Wohnungen verlassen. Jetzt soll eine Fachfirma das Tier aufspüren. In der Politik wird über Auflagen diskutiert.

28.08.2019, 06:43 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bei der aufwendigen Suche nach einer Giftschlange in evakuierten Mehrfamilienhäusern setzt die Stadt Herne jetzt auf eine Fachfirma. Wie die Spezialisten genau vorgehen, werde im Laufe des Tages bekannt gegeben, sagte eine Sprecherin der Stadt am Mittwochmorgen auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Die Experten seien in ähnlichen Fällen bereits tätig gewesen. Die Einsatzkräfte gehen laut den Informationen der Stadt weiter davon aus, dass das gefährliche Tier noch in einem Mehrfamilienhaus ist.

Die Schlange, eine hochgiftige Monokelkobra mit einer geschätzten Länge von mindestens 1,40 Metern, war am Sonntag im Treppenhaus von einer Bewohnerin entdeckt worden. Die Stadt vermutet, dass die Kobra aus der Wohnung eines Mieters stammt, in der dieser rund 20 Giftschlangen hielt. Ihm wurde die Haltung der Schlangen mittlerweile untersagt. Der Mann hatte nach Angaben der Stadt Herne bestritten, dass die Kobra aus seinen Beständen stammt. Das Mehrfamilienhaus und drei weitere Häuser wurden aus Sicherheitsgründen am Sonntag evakuiert. Dreißig Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen.

Nach tagelanger Aufregung über die entwischte Gift-Kobra fordert die rot-grüne Landtagsopposition in Nordrhein-Westfalen deutlich strengere Auflagen für private Halter von gefährlichen Tieren. Auch NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) sagte bereits am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur: „Ich persönlich bin gegen die Haltung sehr gefährlicher Tierarten in Wohnungen oder Häusern.“

„Besonders gefährliche und hochgiftige Tiere gehören nicht in Privatwohnungen“, forderte der Grünen-Landtagsabgeordnete Norwich Rüße. Für potenziell tödliche Tiere wie Giftschlangen, Skorpione, Krokodile oder Raubkatzen solle ein Haltungsverbot gelten. „Ich werde mich auf Landesebene dafür einsetzen, dass die Haltung giftiger Tiere in Nordrhein-Westfalen verboten wird“, kündigte auch der Herner SPD-Landtagsabgeordnete Alexander Vogt an.

Bisher gelten für die Haltung wildlebender Tiere in Privathaushalten in Nordrhein-Westfalen kaum Vorgaben, solange Artenschutz-Regeln erfüllt werden. SPD und Grüne hatten bereits 2014 - damals als Regierungsfraktionen - ein Gefahrtiergesetz angestrebt. Der Vorstoß war aber vor allem am Widerstand der Kommunen gescheitert.

Heinen-Esser sagte, ihr Ministerium prüfe gerade „die bestehenden rechtlichen Vorgaben und potenziell weitergehende Regelungen, eventuell auch eine Bundesratsinitiative“. Die Ministerin verwies einerseits auf die Gefährlichkeit der Tiere, zudem habe sie „Zweifel, ob die Haltung solcher Tiere in Wohnungen art- und tiergerecht ist“.

Nach den Vorstellungen von Grünen und SPD soll es neben dem Haltungsverbot für besonders gefährliche Tiere auch Regelungen für gefährliche Tiere geben, die Menschen zwar nicht töten, aber verletzen können - etwa Schnappschildkröten oder Vogelspinnen. Für sie soll eine Anzeigepflicht eingeführt werden. „Es ist wichtig, dass die Behörden wissen, welche gefährlichen Tiere in ihrem Verantwortungsbereich leben. Das ist die Grundlage dafür, Unbeteiligte vor gefährlichen Tiere zu schützen“, sagte der Grünen-Abgeordnete Rüße. Außerdem hatte der rot-grüne Gesetzesvorschlag eine verpflichtende Haftpflichtversicherung für mögliche Schäden durch die Tiere vorgesehen.

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