Endstation Entscheider: Er bestimmt, ob Flüchtlinge in Deutschland Asyl erhalten

dzBamf-Anhörung

Der Entscheider Wilhelm Böse recherchiert wie ein Journalist, verhört wie ein Ermittler und urteilt wie ein Richter. Er entscheidet, ob der Flüchtling Mahdi in Deutschland bleiben darf.

Schwerte

, 26.10.2018, 19:29 Uhr / Lesedauer: 8 min

Hämatome, Beulen, blutende Platzwunden und Nähte durchziehen Mahdis (Name geändert) Gesicht. Es scheint, als würde sein Gesicht ohne die Nähte auseinanderfallen. Mahdi liegt bewusstlos im Krankenhausbett und trägt eine Halskrause zur Stabilisierung der Halswirbelsäule. Sein gesamter Körper ist von Knochenbrüchen gezeichnet. Diverse Bilder auf seinem Smartphone belegen die schweren Verletzungen. „Ich konnte über Monate hinweg nur mit einem Strohhalm trinken“, sagt er.

Mahdi ist Iraner, 33 Jahre, kommt aus der Nähe von Teheran und war in seiner Heimat Buchhalter. Jetzt, ein Jahr später, sitzt er in der Dortmunder Bamf-Außenstelle (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) Wilhelm Böse gegenüber. Mahdi stellt einen Asylantrag. Böse entscheidet darüber, ob er in den Iran zurück muss oder in Deutschland bleiben darf.

Mahdis Psyche ist noch nicht geheilt

„Junge, Junge, Junge. Das sieht ja aus, als hätten Sie in die Treppenstufe gebissen“, sagt der Entscheider, als er Mahdis brutalen Handyfotos sieht. Für einen Moment reißt Böse seine Augen auf und beugt seinen Oberkörper weit nach vorne. Kurz darauf lehnt er sich wieder zurück und schaut sich die grausamen Bilder ganz genau an.

Mahdis Wunden sind mittlerweile verheilt, aber seine Psyche scheint immer noch verletzt zu sein. Sein linker Fuß zittert unermüdlich. Die Beine unter dem Tisch sind krampfhaft überkreuzt. Mal sind die Hände verschränkt, im nächsten Moment vor dem Gesicht gefaltet, so, als ob er flehen oder beten würde. Beides hilft ihm jetzt nicht weiter.

Flüchtling und Entscheider trennen Welten

Auf Böses Schreibtisch liegen Stempel und eine Menge Akten. Ein typisches Behördenzimmer. Zwischen Böse und Mahdi liegen gerade mal zwei Meter, aber in Wirklichkeit trennen sie Welten.

Böse denkt vor der Anhörung laut darüber nach, dass der Schnitt seines Büros besser sein könnte: „Aus vier mal vier Quadratmeter könnte ich mehr aus dem Büro machen, als aus sechs mal drei.“ Die Raumaufteilung dürfte Mahdis kleinste Sorge sein. Diesen Tag sehnt er seit über einem Jahr herbei, hinter ihm liegen tausende Kilometer. Es geht um seine Zukunft in Deutschland.

Unter arabischsprachigen Flüchtlingen wird das Bamf voller Ehrfurcht „Gericht“ genannt. Auch wenn das falsch ist, haben Entscheider eine ähnliche Funktion wie Richter: Sie fällen Urteile- mit weitreichenden Folgen. Böse trägt jedoch keine schwarze Robe, sondern ein hellblaues Hemd. Der erste Knopf ist offen, die Ärmel sind hochgekrempelt. Er verkörpert Gelassenheit und Tatendrang in einer Person.

Böse hat bereits 8000 Mal entschieden

Nach dem Abitur war Böse zehn Jahre Zeitsoldat, Offizier und drei Jahre Mitarbeiter beim Sozialamt. Seit 1992 ist er beim Bamf. „Außer Integration habe ich hier alles gemacht“, sagt der 62-Jährige abgeklärt. Er hat viele Innenminister kommen und gehen sehen. Sein oberster Dienstherr ist derzeit Horst Seehofer, denn das Bamf ist eine nachgeordnete Behörde des Bundesinnenministeriums. Vor allem in einer Funktion war Böse in all den Jahren immer wieder tätig: als Entscheider. Und das etwa 8000 Mal.

Die Flüchtlinge kommen aus unterschiedlichen Krisen- und Kriegsregionen. Im Bamf laufen die Fäden zusammen. Alle eint eine Hoffnung: Flüchtlingsschutz in Deutschland. Die Fenster der Bamf-Außenstelle sind im Erdgeschoss und dem ersten Stockwerk mit Gittern abgeriegelt- aus Sicherheitsgründen. Einbruchsschutz und Alarmanlage sichern das Gelände. Das Bundesamt polarisiert. Vor den Toren haben bereits Gruppen für und gegen Flüchtlinge demonstriert.

Endstation Entscheider: Er bestimmt, ob Flüchtlinge in Deutschland Asyl erhalten

Nach tausenden Kilometern auf der Flucht trennen Mahdi nur noch wenige Meter vom Entscheider. © Said Rezek

Das Dienstgebäude in der Huckarder Straße 91 wurde 1993 bezogen. Vorher war es ein Verwaltungsgebäude eines Stahlunternehmens. Hier stellen auch Flüchtlinge aus Schwerte ihren Asylantrag. Ursula Wentzek, Beraterin beim Arbeitskreis Asyl, begleitet Flüchtlinge in dieser schweren Stunde zur Anhörung, als mentale Unterstützung. „Auch wenn ich nicht aktiv eingreifen kann, erleichtert es die Flüchtlinge, wenn ich ihnen zur Seite stehe.“ Mahdi ist alleine. Umso größer ist der Druck.

Zwischen Böse und Mahdi sitzt Omid Entezari. Der 43-jährige Dolmetscher ist auch iranischer Herkunft, aber längst eingebürgerter Deutscher. Als 13-Jähriger floh er mit seinem älteren Bruder aus dem Iran. Nur so konnten sie der Gefahr entgehen, im Irakkrieg kämpfen zu müssen. Damals wurde ihm in Deutschland Flüchtlingsschutz gewährt. Heute sitzt er zwischen den Stühlen, zwischen Antragsteller und Entscheider, zwischen Mahdi und Böse.

Der Entscheider wirkt wie ein Richter

Bei der Anhörung geht Böse nach einem festen Muster vor. Der Flüchtling wird belehrt, alle relevanten Angaben nennen zu müssen. Bei unwahren Aussagen kann der Asylantrag abgelehnt werden. An dieser Stelle wirkt Böse wie ein Richter. Es folgen persönliche Fragen, Fragen zum Fluchtweg und schließlich das Wichtigste: die Fluchtgründe.

Endstation Entscheider: Er bestimmt, ob Flüchtlinge in Deutschland Asyl erhalten

Hinter dieser Tür findet die Anhörung statt. © Said Rezek

„Warum haben Sie Ihre Heimat verlassen?“, fragt Böse direkt.
„Soll ich anfangen, als ich geheiratet habe?“, entgegnet Mahdi.
„Wenn die Probleme damit angefangen haben, dann ja“, erwidert der Entscheider. Böse ist seit 32 Jahren verheiratet und trägt einen goldenen Ehering.

„Meine Frau hat mich betrogen“, sagt Mahdi peinlich berührt und senkt dabei den Kopf. „Ich habe ihre Familie mit dem Fremdgehen konfrontiert, aber sie wollte es nicht wahrhaben.“ Mahdi trennte sich, vernachlässigte seine Arbeit und sich selbst. So oder so ähnlich könnte eine Scheidung auch in Deutschland ablaufen. Aber für Mahdi hatte es im Iran ein Nachspiel.

Die lebensgefährliche Rache des Schwagers

Mahdis Ehebruch-Vorwürfe verletzten die Ehre der Schwiegerfamilie. Sie ließen die Anschuldigungen nicht auf sich sitzen. Sein Schwager, der ein ranghohes Mitglied bei den iranischen Revolutionsgarden ist, stellte Mahdi zur Rede. Die Revolutionsgarden sind eine paramilitärische Spezialeinheit und dem iranischen Staatsoberhaupt direkt unterstellt.

Mahdi und sein Schwager gerieten in einen Streit. Ein Wort ergab das andere. Es wurde lauter, Mahdi wandte sich ab. Unerwartet hinterhältig warf der Schwager Mahdi aus dem Balkon des vierten Stocks. Aus diesem Sturz resultierten die lebensgefährlichen Verletzungen. Es folgte ein mehrmonatiger Krankenhausaufenthalt. Danach fasste Mahdi den Entschluss, den Iran zu verlassen. Aus Angst vor einem weiteren Angriff seines Schwagers. Mittlerweile ist er geschieden und sein Vermögen in den Händen seiner Ex-Frau.

Böse lässt Mahdi nicht aus den Augen

Der Entscheider hört dem Flüchtling zu, ohne ihn zu unterbrechen. Die Antworten spricht er deutlich und emotionslos in ein Aufnahmegerät. Böse hat Mahdi mit seinen Blicken fixiert.


„Gibt es weitere Fluchtgründe?“, fragt er.
„Nein“, antwortet Mahdi.
„Haben Sie den Mann nicht angezeigt? Also wenn mich jemand aus dem vierten Stock stößt, dann würde ich ihn anzeigen!“, sagt der Entscheider völlig selbstverständlich.
„Das würde nichts bringen, weil mein Schwager bei den Revolutionsgarden ist“, erwidert Mahdi und holt tief Luft.

Böse recherchiert wie ein Journalist

Nach der Anhörung gilt es für Böse zu recherchieren – wie ein Journalist – ob der iranische Staat tatsächlich nicht wegen versuchten Mordes ermittelt, weil es sich beim Täter um ein Mitglied der Revolutionsgarden handelt. Böse bezweifelt diese Version, aber er muss sich informieren. Wenn der Flüchtling recht behält, käme er einer positiven Asylentscheidung einen Schritt näher. Nicht etwa wegen politischer Verfolgung, sondern Misshandlung im Sinne von Paragraf 4, Absatz 1, Ziffer 2 des Asylgesetzes. Den dazugehörigen Gesetzestext kann Böse auswendig aufsagen.

Sorgsam zieht er das Asylverfahrensgesetz aus der Schublade, das er vor seiner Bewerbung beim Bamf gekauft hat. 26 Jahre sind seitdem vergangen. Vor allem sein Interesse an Menschen führte ihn zum neuen Beruf. „Bei einer Anhörung kann ich meiner Neugier freien Lauf lassen“, sagt Böse.

Mittlerweile bildet er zukünftige Entscheider aus und ist Teamleiter. „Entscheider sollten einen gesunden Menschenverstand und Lebenserfahrung mitbringen, um sich in die Lage anderer hineinzuversetzen“, sagt Böse. In Dortmund sind etwa 70 Entscheider im Einsatz, darunter ehemalige Verwaltungsrechtler und Rechtsanwälte. Ihre Qualifizierung dauert zwölf Wochen. Sie studieren das Asylrecht und lernen echte von vorgetäuschten Fluchtgründen zu unterscheiden, so wie Böse im Gespräch mit Mahdi.

Böse agiert wie ein Ermittler im Verhör

Der Entscheider verlangt nach ärztlichen Attesten, die Mahdis Verletzungen belegen. Der Flüchtling kann diese in einer Woche einreichen. Der Entscheider gewährt ihm über zwei. Mahdi klammert sich fast während der gesamten Anhörung an das Handy, auf dem die verstörenden Bilder gespeichert sind.

Offizielle Dokumente sind eine Quelle als Beweismittel, aber Böse hört bei der Anhörung auch zwischen die Zeilen, so wie ein Ermittler im Verhör. Berichtet ein Flüchtling detailreich und stellt sich selbst schlecht dar, spricht vieles dafür, dass er die Wahrheit sagt. „Der Ehebruch, der wirtschaftliche Ruin durch die Scheidung und seinem Schwager unterlegen zu sein, erhöhen die Glaubwürdigkeit des Antragstellers“, so der Entscheider.

Sagt Mahdi die Wahrheit?

Ein Detail bringt Böse ins Zweifeln. Mahdi hat bei seiner Flucht die iranisch-türkische Grenze im Dezember 2017 zu Fuß passiert. So steht es in der Akte des Flüchtlings, die sich Böse bereits vor der Anhörung angesehen hat. Im November wurde er jedoch bereits in Griechenland erkennungsdienstlich behandelt, das heißt, seine Fingerabdrücke wurden registriert.

Der Widerspruch löst sich in der Anhörung auf, weil Mahdi zuvor das persische Datum angegeben hatte, welches von der europäischen Zeitrechnung abweicht. Nach der Anhörung wird Böse sagen: „Das Missverständnis liegt noch im Toleranzbereich.“

Endstation Entscheider: Er bestimmt, ob Flüchtlinge in Deutschland Asyl erhalten

Die Anhörung dauert schon fast drei Stunden. © Said Rezek


Eine andere Frage des Entscheiders aber könnte Mahdi noch zum Verhängnis werden.
„Haben Sie in Griechenland einen Asylantrag gestellt?“
„Nein“, so der Flüchtling.
„Ihre Fingerabdrücke wurden aber in Griechenland genommen“, sagt Böse und vermutet wieder einen Widerspruch. „Das war eine Polizeikontrolle“, sagt Mahdi mit leiser Stimme, fast eingeschüchtert.

Mahdi hat seinen Ausweis auf dem Schwarzmarkt gekauft

Mahdis Asylantrag könnte aufgrund der Fingerabdrücke in Griechenland unzulässig sein. Falls er dort oder in einem anderen EU-Land einen Asylantrag gestellt hat, wäre Deutschland nicht zuständig. Böse wird nach der Anhörung ein sogenanntes Dublin-Verfahren einleiten, um den zuständigen Mitgliedsstaat zu ermitteln.

Von Athen ist Mahdi mit einem gefälschten Pass nach Deutschland geflogen, den er für 2500 Euro auf dem Schwarzmarkt gekauft hat. Die illegale Ausreise war aus Sicht des Antragstellers alternativlos. Aus Angst vor dem Schwager und dessen Kontakten ist er ohne Ausweispapiere geflüchtet.

Für Böse ist diese Schilderung nachvollziehbar. Dementsprechend wird sich Mahdis illegale Ausreise, nicht negativ auf das Asylverfahren auswirken.

Nach der Anhörung folgt die Ungewissheit

Etwa drei Stunden später ist die Anhörung fast vorbei. Mahdis Füße zittern immer noch. Entezari übersetzt das Gesprächsprotokoll routiniert ins Persische, um es so auf Vollständigkeit und Richtigkeit zu überprüfen. Er hat gleich Feierabend und kann sich entspannen. Für Mahdi hingegen beginnt jetzt das unerträgliche Warten auf den Asylbescheid.

Ursula Wentzek vom Schwerter Arbeitskreis Asyl weiß um diese Belastung: „Ich kenne einen Flüchtling, der über ein halbes Jahr, jeden Tag in den Briefkasten geguckt hat. Er war mit den Nerven am Ende, weil er nicht wusste, wie es ausgeht. Und das Schlimmste ist, nach der Anhörung kann man nichts mehr ändern.“

Selbstmord nach negativem Asylbescheid

Im Juli 2018 hat ein Flüchtling in Afghanistan Selbstmord begangen, nachdem er aus Deutschland abgeschoben wurde. Solche Gedanken gehen Böse durch den Kopf, wenn er kein Asyl erteilen kann. „Ich überlege mir, was passieren könnte, wenn jemand in seine Heimat zurück muss. Aber wenn es keine Asylgründe gibt, dann kann ich für die Leute nichts machen, auch wenn sie mir richtig leidtun.“

Böse hat jedoch keine Gewissensbisse. Er sieht negative Asylbescheide pragmatisch: „Meine Entscheidungen richten sich nach dem Asylgesetz. Wirtschaftliche Fluchtgründe gehören nicht dazu. Wenn ich in einen Fahrradladen gehe und ein Auto bestelle, dann kann ich dort auch nur ein Fahrrad kaufen und kein Auto. So ist es hier.“

Manche Entscheider brauchen psychologische Betreuung

Nicht alle Entscheider können so professionell wie Böse mit ihrer Arbeit umgehen. Für diese bietet das Bamf psychologische Betreuungen an. Dennoch kündigen einige Entscheider nach wenigen Monaten, weil sie die persönlichen Schicksalsschläge der Flüchtlinge nicht verkraften können.

Endstation Entscheider: Er bestimmt, ob Flüchtlinge in Deutschland Asyl erhalten

Die Fassade der Dortmunder Bamf-Außenstelle. Hier arbeitet Böse seit 1992. Er hat bereits etwa 8000 Entscheidungen getroffen. © Said Rezek

2022 geht Wilhelm Böse in Pension. Bis dahin wird er bis zu 10.000 Entscheidungen getroffen haben. Jeden Tag kommen zwei bis vier dazu. Einen Fall wird er wohl bis zum Ende seines Lebens nicht vergessen.

Böse kämpft gegen die Tränen

Böse erinnert sich an ein syrisches Ehepaar zurück. „Die Frau hat innerhalb eines Jahres zwölf Operationen hinter sich gehabt. Eine ganze Gesichtshälfte war nicht wieder zu erkennen, aber sie muss sehr schön gewesen sein. Das sah man an der unverletzten Gesichtshälfte. Sie hat den Schmerz aber besser verkraftet als ihr Mann, der nah am Wasser gebaut war. Sie hat mich sehr beeindruckt“, sagt Böse sichtlich berührt.

Die Stimme des abgeklärten Entscheiders beginnt plötzlich zu zittern und seine Augen erröten. Es fließt jedoch keine Träne. Er ist bemüht, sich die Regung nicht anmerken zu lassen und fängt sich kurz darauf wieder.

Das Ehepaar bewegt Böse nicht nur aufgrund der Tragik. „Je mehr sie über die Lebensverhältnisse und die Mentalität der Leute wissen, desto nachvollziehbarer sind die Fluchtgründe und emotional schwieriger ist die Entscheidung, bei der ich aber an das Gesetz gebunden bin. Ich war vier Mal in Syrien, bevor der Bürgerkrieg 2011 ausgebrochen ist. Die Zerstörung des Landes ist schrecklich.“

Böse weiß noch nicht, wie die Entscheidung ausfällt

Im Iran war Böse noch nicht. Aber einfach wird er es sich bei Mahdi auch nicht machen. Böse wird das Protokoll noch einmal durchgehen, die offenen Fragen klären, Mahdis Dokumente einsehen und letztlich entscheiden, ob der Vortrag glaubhaft war oder nicht. Immer wieder stellte Böse während der Anhörung die Frage, ob Mahdi noch etwas ergänzen möchte. Jetzt ist es dafür zu spät.

Wenn sich Böse gegen den Flüchtlingsschutz entscheidet, muss Mahdi sehr wahrscheinlich in den Iran zurück. Seine letzte Chance wäre eine Klage gegen den Asylbescheid. Aber diese werden in den meisten Fällen von den Verwaltungsgerichten abgelehnt. Während 22 Prozent der Bamf-Entscheidungen im Jahr 2017 in höchster Instanz aufgehoben wurden, ging die Zahl im ersten Halbjahr 2018 auf 17,4 Prozent zurück. Damit sinkt auch Mahdis Chance auf Asyl.

Einen Plan B hat Mahdi nicht. „Ich weiß nicht, was ich machen soll, wenn ich in den Iran zurückmuss.“ Mahdis Schicksal liegt jetzt in den Händen des Entscheiders, Wilhelm Böse.

Flüchtlinge in Schwerte

90 Asylbewerber aus Schwerte befinden sich im laufenden Asylverfahren. Sie haben die Anhörung also noch vor sich oder warten auf den Asylbescheid. In Schwerte leben 303 anerkannte Flüchtlinge, die einen positiven Asylbescheid erhalten haben. Subsidiären Schutz genießen 264 Flüchtlinge (Stand: 30.9.18). Nach dem Grundgesetz genießen politisch Verfolgte Asyl. Anerkannt wird dies aber nur bei wenigen Schutzsuchenden. Häufiger ist ein Schutz nach der Genfer Flüchtlingskonvention. Subsidiären, also nachrangigen Schutz, bekommen Menschen, die etwa wegen eines Bürgerkriegs in ihrer Heimat geflohen sind.
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