Endlose Klimadebatte: Was ändert es, wenn ich mein Obst nicht mehr in Plastik verpacke?

dzMeinung am Mittwoch

Alle reden übers Klima, kaum einer tut etwas. Lieber zeige man mit dem Finger auf andere. Gastautorin Kira Engel erläutert, warum sogar Glockenläuten doch etwas bewirken kann.

von Kira Engel

Lünen

, 09.10.2019, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schon wieder etwas über das Klima? Das liest, hört und sieht man in diesen Tagen von Klimakonferenz und Klimaschutzgesetz doch auf allen Kanälen. Auch genervt von diesem Thema, das scheinbar alles dominiert und nicht enden will?

Dann ist dieser Text genau für Sie.

Denn obwohl beinahe täglich Berichte in den Zeitungen stehen und neue Studien darüber veröffentlicht werden, wie bedroht das Klima ist, hat es für viele von uns keine Auswirkungen auf das alltägliche Leben.

Endlose Klimadebatte: Was ändert es, wenn ich mein Obst nicht mehr in Plastik verpacke?

Gastautorin Kira Engel. © Quiring-Lategahn

Kira Engel ist Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Horstmar-Preußen.

Und das – ganz ehrlich – nervt mich. Dass alle darüber reden, aber kaum einer etwas tut. Lieber zeigt man mit dem Finger auf andere. Zum Beispiel auf die Industrie, die für den Großteil der CO2-Emissionen in Deutschland verantwortlich ist. Oder auf China, den weltweit größten Emissionsverursacher. Warum sollte Deutschland aus der Braunkohle aussteigen, wenn in China noch neue Braunkohlewerke gebaut werden. Was ändert sich schon, wenn ich mein Obst statt in einer Plastiktüte ab jetzt unverpackt kaufe.

Nur ein kleines Rädchen im Getriebe?

Ich bin doch nur ein kleines Rädchen im Getriebe, auf mich kommt es nicht an, höre ich immer wieder Leute sagen und möchte entschieden widersprechen. Denn Klimaschutz ist keine Frage der Wirkung, sondern eine Sache der Einstellung. Nicht, weil mein Verhalten sofort die Welt rettet, setze ich mich für einen nachhaltigen Umgang mit der Umwelt ein, sondern weil ich es (lebens-)wichtig finde, dass wir respektvoll und schonend mit unserem Planeten umgehen.

Und dafür verzichte ich auch gerne auf etwas, nehme längere Fahrtzeiten mit dem Fahrrad in Kauf oder denke vor dem Einkaufen daran, einen Beutel für das Brot mitzunehmen.

Sich für das Klima einzusetzen kostet Mühe, das möchte ich nicht schönreden. Aber ich habe auch noch nie von einer Rettungsaktion gehört, bei der die beteiligten Helfer die Beine hochlegen und einfach abwarten konnten, weil sich die Notlage von alleine auflöst.

Glockenläuten zum Aufwachen

Es stimmt mich hoffnungsvoll, dass sich immer mehr Retter finden und lautstark für ihre Sache einsetzen, so wie die Millionen Menschen beim globalen Klimastreik am 20. September. An diesem Tag demonstrierte auch die bunte Kinderschar eines Kindergartens in Horstmar und bat mich, zu ihrem Protest mit Plakaten, Trommeln und Triangeln noch die Kirchenglocken läuten zu lassen.

Als diese nach einigen Minuten wieder verstummten, sagte ein Mädchen in die Stille hinein: „Jetzt sind alle aufgewacht!“ Schön wäre es. Aber bis das so ist, müssen weiter Schüler demonstrieren, zornige Reden gehalten werden oder Texte wie dieser geschrieben werden – bis irgendwann alle aufwachen.

An dieser Stelle schreiben jeden Mittwoch im Wechsel:
  • Kira Engel, Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Horstmar-Preußen
  • Maren Feldmann, Geschäftsführerin Küchen Schmidt
  • Marie Hirschberg, Studentin, ausgezeichnet mit dem Förderpreis Kultur der Stadt Lünen
  • Heinz Werner Kleine, Chemielaborant und Kunstsammler
  • Björn Schreiter, Architekt
  • Kevin Tigges, Studienreferendar und Akteur bei der „Abgedreht !Filmcrew“
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