Elektromobilität versetzte dem Autohaus Hengstenberg mit den Todesstoß: Ende besiegelt

dzWirtschaft in Schwerte

Alle Hoffnungen sind gestorben. Die Investorensuche blieb erfolglos. Das Autohaus Hengstenberg wird geschlossen, wie der Insolvenzverwalter mitteilt. Ein Grund ist die Elektromobilität.

Schwerte

, 30.01.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit dem Siegeszug des VW-Käfer begann die Erfolgsgeschichte des Autohauses. Es half mit, die Schwerter auf den Straßen mobil zu machen. Jetzt verschwindet der Name des Traditionsunternehmens aus der Wirtschaftswelt in der Ruhrstadt. Für die in Insolvenz geratene Autohaus Hengstenberg GmbH ist zum 31. Januar endgültig Schluss. Das bestätigte der Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Andreas Schoß (Wuppertal): „Die Firma wird aufgelöst.“ Sie hatte sich in den vergangenen Jahren nur noch mit Reparaturen beschäftigt und keine Neuwagen mehr verkauft.

Mitarbeiter erfuhren bei einer Belegschaftsversammlung vom Ende

Es sei nicht gelungen, einen Investor zu finden, der den Betrieb erwerben wollte, sagte Schoß. Außerdem hätten VW und Audi nur zugestanden, die Werkstattverträge bis Ende Januar 2020 zu verlängern. „Wir können nicht Verluste produzieren“, erklärte der Insolvenzverwalter, der die Interessen der Gläubiger im Blick haben muss. Um die Kosten zu reduzieren, seien vorab schon einige Mitarbeiter freigestellt worden. Den zuletzt etwa 25 Beschäftigten sei dann bei einer Belegschaftsversammlung am vergangenen Donnerstag mitgeteilt worden, dass das Unternehmen keine Zukunft habe.

Elektromobilität versetzte dem Autohaus Hengstenberg mit den Todesstoß: Ende besiegelt

Die Firma Hengstenberg begann mit einer Tankstelle an der Beckestraße/Ecke Gasstraße. Auf der Postkarte aus dem Archiv von Marco Gosewinkel ist sie vor dem Stadtpark gut zu erkennen. Heute steht an der Stelle das Seniorenheim Haus am Stadtpark. © Repro Marco Gosewinkel

Der Umsatz - so hatte Schoß schon nach einem ersten Überblick über die Bücher gesagt - war in den vergangenen Jahren ständig zurückgegangen. Dass es schließlich zum Insolvenzantrag kam, dazu hätten verschiedene Faktoren beigetragen. Zu einem Liquiditätsproblem habe beispielsweise die Zusammenarbeit mit Versicherungen geführt, die erst mit zehn bis zwölf Wochen Verzögerung gezahlt hätten. Außerdem hätten große Investitionen für die Elektro-Mobilität angestanden - die Rede ist von rund 100.000 Euro: „Daran waren die Werkstattverträge geknüpft.“

Grundstück läuft nur auf Erbpachtbasis

Nach dem Insolvenzantrag vom 7. November hatte Schoß mithilfe einer Fachfirma nach Übernahme-Interessenten gesucht. Man habe gehoffe, jemanden zu finden mit der Anschlussoption, an dem Standort an der Wandhofener Straße wieder einen Fahrzeugverkauf zu eröffnen: „Aber im Ergebnis passte es zu niemandem“, sagte er. Einige beispielsweise hätten den Betrieb nur mit Grundstück übernehmen wollen. Doch das laufe lediglich auf Erbpachtbasis: „Der Erbpachtberechtigte ist niemand, der Hengstenberg heißt.“

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„Ein Erwerber muss die Immobilie mieten“, erläuterte der zuständige Autohaus-Betriebsbetreuer der Industriegewerkschaft (IG) Metall in Dortmund, Olaf Kammhöfer. Die Firma habe „nur Masse“, beispielsweise Hebebühnen und Spezialwerkzeuge. Schon Mitte Januar hatte er „nicht viel Hoffnung“ auf eine Weiterführung von Hengstenberg gezeigt: „Ich glaube nicht, dass einer bereit ist, so viel zu investieren.“ Dabei verwies er auf den Strukturwandel in der Branche mit dem Trend zu immer größeren Händlerketten. Ein Problem sei auch, dass ein Erwerber von den Fahrzeugherstellern immer größere Auflagen erhalte, wenn er einen neuen Servicevertrag bekommen wolle. Das gehe im Detail bisweilen so weit, dass sogar die Fliesen vorgeschrieben würden.

Das Inventar soll versteigert werden

Weil sich kein Nachfolger gefunden hatte, war zuletzt auch ein anderer Schwerter Traditionsbetrieb, mit dem Hengstenberg jahrzehntelang um VW-Kunden konkurriert hatte, von der Bildfläche verschwunden. Das Autohaus Gering an der Schützenstraße, zuletzt auf die VW-Tochter Skoda spezialisiert, wurde zum 31. Mai 2017 geschlossen. Die intensive Suche war nach dem Tode des Firmeninhabers erfolglos geblieben.

Elektromobilität versetzte dem Autohaus Hengstenberg mit den Todesstoß: Ende besiegelt

Mit dieser Anzeige warb die Firma Hengstenberg im Jahre 1958. © Marco Gosewinkel

Als letztes Kapitel des Autohauses Hengstenberg in Wandhofen steht jetzt nur noch die Verwertung des Inventars aus. Diese Aufgabe wollte Schoß an ein Verwertungsbüro übergeben.

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