Eine Provokation an den komischen Vogel mit der Krone

dzDeutsches Schützenwesen

Uniformen und Rangabzeichen lassen das Schützenwesen auf den ersten Blick etwas autoritär erscheinen. Gerecht wird ihm dieser Ruf nicht: Entstanden ist es aus der Unzufriedenheit mit der Obrigkeit.

01.08.2019, 16:57 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das deutsche Schützenwesen hat eine lange Tradition und einen ernsten Kern. Lange vor der Entstehung eines geeinten deutschen Nationalstaates bildeten sich Bürgermilizen, in denen die Bewohner von Städten den Schutz der Bevölkerung selbst in die Hand nehmen. Wer einmal in regulären Heeren gedient hatte, trug dazu bei, militärische Strukturen auf die Schützengruppen zu übertragen.

In Zeiten, in denen es mit Rechtsstaatlichkeit und Ordnung nicht allzuweit her war, war diese Art des bürgerschaftlichen Engagements einerseits eine Notwendigkeit, andererseits auch Ausdruck der Erkenntnis, dass sich die Menschen von der Obrigkeit nicht zu viel erwarteten. Das Misstrauen gegenüber den Fürsten steigerte sich in der Epoche des Vormärzes zwischen der Julirevolution von 1830 und der Märzrevolution von 1848/1849. Nicht von ungefähr war das Jahr 1948 das Gründungsjahr zahlreicher Schützenvereine.

Der revolutionäre und subversive Geist des Schützenwesens ist auch noch in seinen Symbolen zu erkennen. Besonders deutlich wird dies im Königsschießen: Da setzt man einen komischen Vogel auf die Stange, der mit Reichsapfel, Zepter und Krone die Herrschaftsinsignien eines Königs trägt – um ihn dann Schuss für Schuss zu zerlegen und einen eigenen Regenten zu proklamieren. In früheren Zeiten war das durchaus eine Provokation.

Heute stehen viele Schützenvereine auf den beiden Säulen der Brauchtumspflege und des Sportschießens. Gerade in den Sportabteilungen erleben die Vereine derzeit eine Modernisierungswelle: Das Schießen mit Sportbogen, Blasrohr und bisweilen auch der Armbrust ergänzt hier und dort die klassischen Disziplinen mit Kleinkaliber- und Luftdruckwaffen.

Der Bürgerschützenverein Holzwickede ist heute ein eingetragener Verein, der das Jahr 1865 als sein Gründungsjahr nennt. Er besteht heute aus fünf Kompanien, die zusammenhängende Siedlungsbereiche repräsentieren: Altes Dorf, Chaussee-Kolonie, Hohenleuchte, Hubertus und Wildschütz. Neben den gemeinsamen Aktionen unter dem Dach des Gesamtvereins pflegen die Kompanien auch ihr eigenes Vereinsleben und damit im weitesten Sinne auch die Nachbarschaft im jeweiligen „Viertel“. Insgesamt dürfte der Holzwickeder Schützenverein gut 400 Mitglieder haben.