„Eine Laune der Natur“: So kommt es, dass Erdbeeren im November noch wachsen

dzErdbeeren im November

In Südhessen werden gerade Erdbeeren geerntet. Und das knappe sechs Wochen vor Weihnachten. Verwunderung und Freude sind groß. Landwirte stehen dem allerdings kritischer gegenüber.

von Mona Wellershoff

Selm

, 11.11.2018, 11:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie strahlen in fruchtig, frischem Rot. Der Geschmack wunderbar aromatisch und süß bis leicht säuerlich: frische Erdbeeren. So schmeckt der Sommer. Eigentlich. Aber im Moment gibt es sogar Höfe, die die Früchte im November ernten. In Deutschland, wo die Sonne sich spätestens mit Ende September verabschiedet, kommt das eigentlich nicht vor. Aber dieses Jahr ist etwas entscheidend anders.

Novembererdbeeren in Südhessen

Landwirte in Südhessen ernten aktuell Erdbeeren, zum Beispiel auf Höfen in Lempertheim, oder Riedstadt- Wolfskehlen.

Das Darmstädter Echo berichtet von einem Acker im Kreis Groß-Gerau, wo die Kunden nicht mehr aus dem Staunen heraus kommen. Aber wie genau ist so etwas möglich?

„Eine Laune der Natur“: So kommt es, dass Erdbeeren im November noch wachsen

Auf dem Hof von Stefan Manke in Hessen wachsen Erdbeeren im November. © picture alliance/dpa

Antworten darauf gibt unter anderem der Deutsche Wetterdienst. Laut dessen Aufzeichnungen liegt der zweitwärmste Sommer in Deutschland seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor über 130 Jahren vor. Außerdem war 2018 mit durchschnittlich 11,6 Grad das heißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen.

Diese extremen Wetterbedingungen gepaart mit der Tatsache, dass der Herbst sich durch sein ungewöhnlich feuchtes und mildes Klima als Frühling auszugeben scheint, lässt die Früchte im Glauben, es sei an der Zeit zu blühen und so führt das eine zum anderen und die Erdbeeren sprießen in den Feldern in Hessen.

Nicht rentabel

Landwirte stehen dem Thema „Novembererdbeeren“ aber kritisch gegenüber. So auch Hubertus Bleckmann vom Borker Obst- und Gemüsehof Hubertus Bleckmann an der Alstedder Straße.

„Natürlich, das sieht man nicht oft“, räumt der Landwirt ein, „selbstverständlich staunt man da erst mal, wenn im November Erdbeeren wachsen und viele finden das gut, aber von den Menschen kaufen dann vielleicht zwei Prozent“, gibt er zu bedenken.

Die Nachfrage sei einfach zu gering. Kurzum: zu viel Aufwand, zu wenig Ertrag. Bleckmann könne da auf eigene Erfahrungen zurückblicken. Er selber baut Erdbeeren an - circa drei Jahre lang habe er die Ernte sogar bis teilweise Oktober fortgeführt. Allerdings habe er vor sieben Jahren damit aufgehört, da es sich einfach nicht mehr gelohnt habe.

Theoretisch das ganze Jahr

Der Landwirt rät also ab von einer Erdbeerernte im November. Die Früchte zu ernten, sei aber theoretisch das ganze Jahr über möglich, man müsse nur die äußeren Umstände - sprich Temperatur und Feuchtigkeit - anpassen, zum Beispiel durch Maschinen. Dann brauche man nur noch einen nährstoffreichen Boden und es könne losgehen mit den Erdbeeren zu jeder Jahreszeit.

Der hessische Landwirt Stefan Manke, auf dessem Hof die November-Erdbeeren wachsen, gibt die Kurzlebigkeit der Früchte zu bedenken: „Ein Frost und es ist vorbei“, sagt er. Tunnel gegen den Frost aufzustellen, lohne sich finanziell nicht, denn die Nachfrage nach Erdbeeren im November sei nicht hoch genug und der Aufwand relativ groß.

Der Deutschen Bauernverband sagt über die Novembererdbeeren: „Im Freiland ist das eine Laune der Natur.“ Es seien Ausnahmen und Einzelfälle.

Zusätzlich zum Gesichtspunkt der Rentabilität spricht Hubertus Bleckmann noch einen anderen Aspekt an: „Für die Menschen ist es heutzutage zu einer Selbstverständlichkeit geworden, jedes Obst und Gemüse zu jeder Zeit des Jahres zu bekommen. Der Aspekt der Wertschätzung geht dabei total verloren.“

mit Material von dpa

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