Eine Kanzelrede ist kein Gottesdienst und auch keine Predigt

dzVortrag einer Muslima

Die Kanzelrede einer Muslima in St. Viktor hat in Schwerte für Diskussionen gesorgt. Aber welche Bedeutung hat eine Kanzelrede im religiösen Rahmen? Fragen und Antworten zum Thema.

Schwerte

, 06.11.2019, 15:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Kanzelrede in St. Viktor am Reformationstag hat Tradition – in jedem Jahr steht eine Person des öffentlichen Lebens auf der Kanzel und spricht zu den Interessierten in der Kirche.

Zum Reformationstag am vergangenen Donnerstag stand Politikwissenschaftlerin Dunya Elemenler auf der Kanzel. Das Mitglied des Islamrats sprach dort über Fremdsein, Migration und Kirche. Ein AfD-Mitglied zeigte seinen Protest, indem er laut das Vaterunser betete und wurde anschließend der Kirche verwiesen.

Nachdem in diesem Zusammenhang mehrfach von einem Gottesdienst die Rede war, möchte Stadtkirchenpfarrer Tom Damm klarstellen: „Die jährliche Kanzelrede am Reformationstag ist kein Gottesdienst, sondern eine Vortrags- und Diskussionsveranstaltung.“ Referentin Dunya Elemenler habe demnach nicht gepredigt, sondern einen halbstündigen Vortrag gehalten.

Alle Fragen und Antworten zum Thema:

? Warum wurde die Kanzel als Ort für die Rede am Reformationstag ausgesucht?

Die Kanzel hat vor allem einen symbolischen Charakter, weil sie erhöht und in großer Nähe zum Publikum steht. Pfarrer Tom Damm sagt dazu: „Das Zuhören und Zusehen erfordert einen Perspektivwechsel der versammelten Menschen. Sich ‚von oben‘ etwas sagen zu lassen, ist ungewohnt und kann auch Widerstände hervorrufen. Gut so, denn damit kann man kreativ umgehen.“ Der Reformationstag ist also der einzige Tag, an dem die Kanzel genutzt wird, die sonntäglichen Predigten und andere Reden werden vom Redepult gehalten.

? Warum werden nicht nur Menschen mit christlichem Hintergrund eingeladen?

Tom Damm hält gerade den Reformationstag besonders geeignet für diese Art von Vortrags- und Gesprächsveranstaltungen. Die Veranstaltungen der Kanzelrede sind „angelegt auf gesellschaftliche Integration und Inklusion, weil den Initiatoren die Vision von einer offenen, bunten und friedlichen Gesellschaft am Herzen liegt“, so Damm. Daher sei es wichtig, dass die Vortragenden aus verschiedenen gesellschaftlichen und religiösen Gruppen kommen.

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? Wie kam es zur Einladung der Politikwissenschaftlerin?

Dunya Elemenler ist Mitglied im Islamrat und des Abrahamischen Forums. Ihr Vortrag in St. Viktor war ein Beitrag zum Diskussionsprozess über Kirche und Migration der Evangelischen Kirche von Westfalen. „Das Amt für Mission, Ökumene und Weltverantwortung der EKvW, das in diesem Jahr als Mitveranstalter aufgetreten ist, hatte den Kontakt zu Frau Elemenler vermittelt“, erklärt Tom Damm.

? Wie hat Pfarrer Tom Damm den Reformationstag in St. Viktor erlebt?

Rund 120 Besucher waren am Reformationstag in die St.-Viktor-Kirche gekommen. Tom Damm spricht von einem „einem selbstbewussten und umsichtigen Vortrag und einer sehr kommunikativen, religiös toleranten und demokratisch denkenden Referentin“. Die Veranstaltung habe alle Erwartungen erfüllt. Pfarrer Damm empfand die Störung durch den AfD-Mann auch nicht als Eklat. „Das war eine kurze Störung, mit der wir effektiv umgegangen sind.“

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