Eine Finnin in Schwerte: „Die Deutschen trinken immer viel Bier.“

dzSchüleraustausch

Den Deutschen eilen im Ausland so einige Vorurteile voraus, darunter ein hoher Bierkonsum, Pünktlichkeit und schnelle Autos. So hat auch die 17-jährige Aino aus Finnland gedacht.

Schwerte

, 13.12.2018 / Lesedauer: 3 min

Seit August lebt die Ausstauschhülerin bei einer Gastfamilie in Ergste und manch ein Vorteil ist der Wirklichkeit gewichen, andere wiederum haben sich besätigt. „Die Züge sind nicht immer pünktlich, aber es wird hier viel Bier getrunken“, sagt Aino mit einem Schmunzeln.

Aino nimmt am internationalen Austauschprogramm des Rotary Clubs teil. „Ziel der Reisen ist die Völkerverständigung“, so der Pressesprecher des Rotary Clubs in Schwerte, Dr. Richard Saure.

Der Rotary Club in Finnland hat Aino auf Sitten, Traditionen und Bräuche in Deutschland vorbereitet. Im Vorfeld der Reise gab es ein Treffen mit ehemaligen finnischen Austauchschülern, die bereits in Deutschland waren.

Vorurteile und Wirklichkeit

Aber auch manch ein deutsches Vorurteil über Finnen wird durch den Besuch aus dem Norden über Board geworfen. Die Gastmutter Karin Bunde sagt über Aino: „Ich dachte immer, dass Finnen wenig sprechen würden. Aber das stimmt bei ihr überhaupt nicht.“

Karin Bundes Sohn Moritz nimmt ebenfalls am Austauschprogramm der Rotarys teil und lebt aktuell bei einer Gastfamilie in Mexiko. Im Gegenzug hat Karin Bunde Aino bei sich aufgenommen, die aktuell in Motitz‘ Zimmer schläft.

Aino besucht die 11. Klasse der Gesamtschule Gänsewinkel. Dem Unterricht folgt Sie dabei durchgehend auf Deutsch. Ihr zweijähriger Deutschunterricht in Finnland macht sich jetzt bezahlt. „Ich kann viel verstehen. Nur wenn jemand schnell spricht, habe ich Probleme“, sagt sie mit einem leichten Akzent.

Klavier spielen im Altenheim

Mit dem Unterrichtsfach Geschichte hat sie aufgrund alter Texte Schwierigkeiten. „Englisch, Mathe und Sport fällt mir sehr leicht“, sagt Aino. Die Gastmutter findet, dass sich Ainos Deutsch in den letzten vier Monaten sehr verbessert hat. Nur manchmal sucht sie im Gespräch nach dem passenden Wort oder weicht ganz selten auf das Englische aus. Mittlerweile liest die Gastschülerin sogar die Wochenzeitung „Die Zeit“.

Während ihres Auslandsjahres wird aber nicht nur gepaukt. Der Rotary Club hat eine Städtereise organisiert, an der Aino teilgenommen hat. Dabei hat sie unter anderem Berlin und München besucht. „Besonders gefallen haben mir die alten Gebäude. In Finnland haben wir nicht so viele.“ Bald folgt auch eine Europareise durch Frankreich, Spanien, Italien und Tscheschien.

Erstes Weihnachten in Deutschland

Gerade die Weihnachtsmärkte gefallen Aino hierzulande sehr gut. „Besonders wenn es dunkel ist und alles schön beleuchtet ist. In Finnland gibt es so etwas nicht“. Zusammen mit einer Gastschülerin aus Frankreich wird Aino über die Weihnachtsfeiertage im Altenheim „Haus am Stadtpark“ Klavier für die Senioren spielen. Den Termin hat die Gastmutter organisiert, um den alten Menschen eine Freude zu machen.

Bis Juli bleibt Aino noch in Schwerte. Eins ihrer Ziele besteht darin, ihre Deutschkenntnisse zu verbessern und die deutsche Kultur besser kennenzulernen. Verblüfft war sie, dass in Deutschland nur drei Mal am Tag gegessen wird. In Finnland sitzt man wiederum fünf Mal am Tisch. Karin Bunde und Aino haben auch schon zusammen gebacken. Und zwar: „Korvapuustit“, was auf Deutsch so viel wie Zimtschnecken bedeutet.

Austauschprogramm findet jährlich statt

Wenn Aino von ihrer Reise zurückkehrt, wird sie den nächsten finnischen Austauschschülern von Deutschland berichten, so sieht es das internationale Programm der Rotarier vor.

Schüler der Schwerter Gesamtschulen und Gymnasien können sich jährlich für das Austauschprogramm des Rotary-Clubs bei ihren Schulen bewerben. Das Interesse und die Bereitschaft, sich auf neue Kulturen einzulassen, werde vorausgesetzt. Diese Eigenschaft bringt Aino zweifelsohne mit.

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