Ein Jahr nach Uniklinik-Streiks: Pflegekräftemangel bleibt

Von einem „Meilenstein für die Entlastung von Beschäftigten in Krankenhäusern“ sprach Verdi vor einem Jahr. Da hatte sich die Gewerkschaft nach langen Streiks gerade mit den Unikliniken Essen und Düsseldorf geeinigt. Doch die Umsetzung der Vereinbarung stockt.

01.09.2019, 10:09 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ein Jahr nach Uniklinik-Streiks: Pflegekräftemangel bleibt

Ein Krankenpfleger schiebt in einer Klinik ein Krankenbett über einen Flur. Foto: Daniel Bockwoldt/Archiv

Ein Jahr nach der Vereinbarung über die Entlastung von Mitarbeitern an den Unikliniken Essen und Düsseldorf sind etliche der neu geschaffenen Stellen noch nicht besetzt. So konnte etwa die Uniklinik Düsseldorf zwei Monate vor Ablauf des Zeitplans von den vereinbarten 180 neuen Stellen bislang nur 71 besetzen, wie die Klinik erklärte.

Ein Grund sei der Mangel an Pflegekräften. „Trotz zahlreicher Werbemaßnahmen der Arbeitgeber stellt sich der vereinbarte Personalaufbau als schwierig dar, weil unter anderem nicht genug Personal zur Einstellung verfügbar ist“, erklärte der NRW-Tarifkoordinator der Gewerkschaft Verdi, Heinz Rech, auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Wochenlange Streiks an den Unikliniken Essen und Düsseldorf waren vor einem Jahr nach hartem Ringen mit einer Vereinbarung über die Entlastung von Mitarbeitern zu Ende gegangen. Verdi und die Kliniken kamen überein, bis Ende Oktober 2019 insgesamt 360 neue Vollzeitstellen zu schaffen. Sogar von einem „Pilotabschluss“ war die Rede. Wegen der Streiks mussten im vergangenen Jahr Tausende Operationen verschoben werden.

Bei der Umsetzung sieht Verdi deutliche Unterschiede an den beiden Unikliniken. Die Umsetzung in Essen verlaufe mittlerweile auf einer guten Arbeitsebene, erklärte Rech. Im Schlichtungsrat werde konstruktiv diskutiert und gearbeitet. An der Uniklinik Düsseldorf stelle sich die Umsetzung der Vereinbarung jedoch deutlich schwieriger dar. So komme etwa die Ermittlung der Personalregelbesetzung nicht voran.

Die vor einem Jahr erarbeitete Vereinbarung sieht unter anderem je Uniklinik 140 neue Stellen für die Pflege am Bett und im Funktionsdienst wie etwa in Operationssälen sowie 40 neue Stellen in anderen Bereichen, etwa im Krankentransport, vor. Die Uniklinik Düsseldorf (UKD) ist von den 180 neuen Stellen allerdings noch weit entfernt: „Es arbeiten aktuell 71 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehr im Haus als zum Zeitpunkt der Vereinbarung, rund 48 davon im Pflege- und Funktionsdienst“, hieß es. Ein Sprecher räumte ein: „In der Besetzung der Stellen hinken wir dem in der Vereinbarung vorgegebenen Zeitplan leider hinterher.“

Dies habe vielfältige Ursachen: „Das UKD würde sofort 100 zusätzliche Pflegekräfte einstellen. Nur: Der Markt für Pflegekräfte ist hierzulande leergefegt.“ Das UKD habe viel unternommen, um Pflegekräfte zu gewinnen, etwa bei Jobmessen oder durch Werbung und Social-Media-Kampagnen.

Das UKD macht auch den Personalrat als Arbeitnehmervertretung mitverantwortlich für die Situation: „Alternativlösungen, zum Beispiel der Ausbau der Anzahl von Zeitarbeitskräften, lassen sich derzeit nicht oder nur mit Komplikationen realisieren.“ Der Personalrat mache von seinem Recht Gebrauch, viele Themen über mehrere Erörterungstermine hinweg zu diskutieren. So wären im Rahmen von Arbeitnehmerüberlassungen 200 Einstellungen möglich gewesen. 100 Interessenten seien jedoch aufgrund der Verfahrenslänge zwischenzeitlich abgesprungen.

Das Universitätsklinikum Essen machte auf Anfrage keine Angaben darüber, wie viele der vereinbarten Stellen schon besetzt werden konnten. Die Uniklinik betonte jedoch, dass man die Maßnahmen zur Gewinnung von Pflegepersonal deutlich intensiviert habe. So werbe man um neue Beschäftigte etwa auf Jobmessen, Kongressen oder in sozialen Medien. Bei einem Prämiensystem unter dem Titel „Pflege wirbt Pflege“ erhielten Mitarbeiter bis zu 1000 Euro, wenn sie neue Beschäftigte für die Uniklinik Essen werben. Auch die Ausbildung werde ausgebaut. Es gebe ein spezielles Ausbildungsprogramm für Flüchtlinge in der Pflege.

Nach Angaben der Krankenhäuser war vor der Einigung Ende August 2018 allein in der Uniklinik Düsseldorf an 52 Tagen gestreikt worden. Etwa 3000 Operationen mussten deshalb abgesagt oder verschoben werden. In Essen wurde an fast 40 Tagen gestreikt. Auch hier fielen Tausende Operationen aus. Teilweise waren mehr als die Hälfte der Operationssäle geschlossen.

Weitere Meldungen
Meistgelesen