An Baustellen sind die Selmerinnen und Selmer gewöhnt. Kleine Kinder kennen ihre Stadt nicht anders als mit Baukränen: eine gute Vorbereitung. Denn zwei Schulen müssen wohl bald anbauen.

Selm

, 24.09.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Immer weniger und immer älter: Das war die Selmer Ausgangslage. Inzwischen zeichnet sich aber eine Trendwende ab - und die zwingt zum Handeln. Genauer gesagt: zum Bauen.

Zwischen 2010 und 2016 ist die Zahl der Selmerinnen und Selmer geschrumpft - um 5,2 Prozent. Zum Vergleich: Landesweit liegt der Rückgang im selben Zeitraum lediglich bei 0,7 Prozent. 44,3 Jahre - das ist das aktuelle Durchschnittsalter der Selmer Bevölkerung, fast ein Jahr älter als der Landesdurchschnitt.

Wolf Krämer-Mandeau und Georg Heller, die beiden Verfasser der Fortschreibung des Selmer Schulentwicklungsplans bis 2024/25 bemühen zu Beginn ihrer Studie, die als Entwurf vorliegt, die Bevölkerungsstatistiken von Stadt und Land.

Die Zeit der Schulschließungen ist vorbei

Seit Ende der 1990er-Jahre seien - vor dem Hintergrund des demografischen Wandels bundesweit und des zusätzlichen Bevölkerungsrückgangs in Selms wenig überraschend - die Schülerzahlen in Selm stark gesunken. Damit ist laut der Mitarbeiter der Projektgruppe Bildung und Region aber jetzt Schluss.

Selm müsse nicht mehr über Schulschließungen nachdenken, schreiben die Schulentwicklungsplaner im Juli, sondern - ganz im Gegenteil - über Anbauten.

In der Stadt Selm lagen die Schülerzahlen der Grundschulen bis

zum Schuljahr 2013/14 bei 936 Kinder in 41 Klassen: ein Wert, an dem sich zuletzt kaum etwas geändert hat. Inzwischen gebe es aber Signale, dass es aufwärts gehe - deutlich.

Schon jetzt weise die Geburtenentwicklung eine leichte Tendenz nach oben auf. Dabei seien der durch die zunehmende Neubautätigkeit erhoffte Zuzug noch gar nicht berücksichtigt.

Die Zahl der Grundschüler wird laut Schulentwicklungsplanung in den nächsten Jahren kontinuierlich wachsen. Danach sei mit einer Stabilisierung bei etwa 1000 Kindern zu rechnen - also mehr als 60 mehr als zurzeit. Dieses Prognostizierte Wachstum verteilt sich unterschiedlich.

Cappenberg und Bork bleiben stabil

Die Grundschule Auf den Äckern in Bork und Cappenberg könne weiterhin

stabil zweizügig in Bork und einzügig in Cappenberg geführt werden. Um keinen der beiden Standorte müsse der Stadt also bange sein. Anbauten seien dort aber auch nicht nötig.

Die Ludgerigrundschule werde in eine stärkere Dreizügigkeit anwachsen. Die Klassengröße werde wachsen. Das älteste Schulgebäude der Stadt wird dadurch aber nicht aus allen Nähten platzen.

Anders als die Overberggrundschule. „Die Schule wird in eine volle Vierzügigkeit anwachsen, und bereits Mitte der 2020er in einigen Fällen fünf parallele Jahrgangsklassen einschulen“, schreiben die Schulplaner. Dafür sei das

Schulgebäude nicht ausgelegt. „Ein Anbau für rund einen parallelen Zug wird

empfohlen.“

Bauarbeiter werden wohl auch in der Selma-Lagerlöf-Sekundarschule zu tun bekommen. Die Sekundarschule wird laut Schulentwicklungsplan „voll vierzügig“. Das bestehende Gebäude sei dafür „nicht vollkommen ausreichend“. Der Schule fehlten vor allem die notwendigen Differenzierungsräume. Die Projektgruppe Bildung und Region hat Ideen, wie das zu lösen ist.

Eingangsbereich der Sekundarschule soll „weiterentwickelt werden“

Sie schlägt zwei kleinere Anbaumaßnahmen sowie verschiedene Umnutzungen im Bestand vor. Der Eingangsbereich neben der Mensa solle weiterentwickelt werden. Was das bedeutet, ist dem Schulentwicklungsplan nicht zu entnehmen,. Außerdem ist „der stärkere Einbezug des Schulhofes in der Raumanalyse empfohlen“.

Für das Städtische Gymnasium Selm sind laut Projektgruppe keine Erweiterungen nötig. „Das Gymnasium hat ausreichend Raum für die Umstellung auf G9“, befinden die Planer. Die Schule sei mittelfristig dreizügig zu sehen, „hat langfristig das Potenzial, wieder vier parallele Züge einzuschulen“.

Die Planer erwarten für die beiden weiterführenden Schulen der Stadt wieder etwas höhere Anmeldezahlen - und das hat weniger mit den Geburtenzahlen zu tun als mit der Übergangsquote.

Planer erkennen „sehr hohe Eigenbindungsquote“

Gymnasium und Sekundarschule würden mit 70 bis 80 Prozent eine „sehr hohe Eigenbindungsquote“ erreichen. Zwischen 2014 und 2018 lag die durchschnittliche Übergangsquote bei 75,8 Prozent. Das heißt aber auch umgekehrt: Knapp ein Viertel aller Grundschüler (24,2 Prozent) wechselten auf eine weiterführende Schule außerhalb Selms - in der Regel auf eine Gesamtschule oder ein anderes Gymnasium.

Wie wird sich die Schullandschaft entwickeln? Braucht die Overbergschule am Campus einen kompletten Neubau oder ist ein Anbau ausreichend? Lässt sich dieses neue Bauprojekt mit dem Vorhaben verbinden, für die Offene Ganztagsschule am Campus einen Neubau zu errichten? Diese Fragen sind noch völlig offen.

Nach Angaben von Stadtsprecher Malte Woesmann werden sich die Fachausschüsse erst im Dezember mit dem Entwurf des Schulentwicklungsplans beschäftigen, anders als der Schulausschuss der Gemeinde Nordkirchen. Bei dem stand das knapp 40-seitige Papier bereits zu Abstimmung. Nachbarn werden über Schulentwicklungsplanung informiert - in diesem Fall schon drei Monate eher als der Selmer Schulausschuss.

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