Ehrenbürgermeister Heinrich Böckelühr? An dieser Diskussion ist nichts ehrenhaft

dzKlare Kante

Hauptsache: gegen die anderen. Darin sind sich CDU und SPD einig. Eigentlich geht es gar nicht um die Frage, ob man Heinrich Böckelühr Ehrenbürgermeister nennen soll. Sondern um 2020.

Schwerte

, 24.09.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kennen Sie einen Gerhard-Schröder-Platz? Oder eine Horst-Köhler-Straße? Wussten Sie, dass die SPD bisher nur einmal den Titel „Ehrenvorsitzender“ vergab - und das an Willy Brandt? Und dass nur eine der großen Parteien in Deutschland derzeit Ehrenvorsitzende hat? (Es ist die CSU.)

In Vereinen ist es üblich: Schafft es ein Vorsitzender nach 20 Jahren endlich, einen Nachfolger zu finden, damit er sich zurückziehen kann - dann ernennen ihn die anderen sofort zum „Ehrenvorsitzenden“.

Aber in der Politik?

Ehrenbürgermeister - diesen Titel möchte die Schwerter CDU gerne ganz schnell an Heinrich Böckelühr vergeben. Sicher: 18 Jahre lang war Böckelühr Bürgermeister - er hat seine Verdienste, das möchte niemand bestreiten.

Aber warum jetzt? Warum so schnell, liebe CDU? Warum jetzt, gerade einmal zwei Jahre nach Böckelührs Rücktritt, nach seinem Wechsel in die Gemeindeprüfungsanstalt nach Herne? Drohen Böckelührs Verdienste ansonsten in Schwerte in Vergessenheit zu geraten?

Oder hängt es doch damit zusammen, dass die SPD den Bürgermeister stellt? Dass in einem Jahr wieder Wahlen in Schwerte sind und man sich öffentlichkeitswirksam in Position bringen möchte?

Dass man also sagen möchte: „Schaut her, wir von der CDU, unser Bürgermeister hat ganz viel Gutes bewegt.“

Und die SPD? Hätte das ja einfach zähneknirschend hinnehmen können, öffentlich dann sagen: „Naja, der Heinrich Böckelühr war zwar keiner von uns, aber in Ordnung, seine Verdienste, wir tragen das mit und stimmen einstimmig für den Elder Statesman.“

Und denken können hätte man dazu: Stimmen wir so. Tut uns ja nicht weh. Jetzt stellen wir von der SPD ja den Bürgermeister. Und der ist beliebt.

Aber auch die SPD weiß: Nach 2019 kommt 2020, kommt die Kommunalwahl - und man muss sich da frühzeitig in Stellung bringen. Und was macht man dann reflexartig? Richtig: den Antrag des politischen Gegners nehmen und erst einmal widersprechen.

Das Problem bei alledem: Das ist doch bloß inhaltsleeres Spektakel. Diese Diskussion um die Ehrenbürgermeisterschaft ist alles andere als ehrenhaft.

Wenn man Pech hat, wird es bei den Menschen hängen bleiben - vor allem bei denen, die eh schon denken: „CDU, SPD - die anderen Parteien, die interessieren sich nur für sich selbst, nicht für uns Menschen.“

Diese bockige Böckelühr-Diskussion bestärkt diese Menschen. Und dann gehen sie hin und wählen 2020...na was wohl? CDU und SPD eher nicht, sondern den blinden Protest. Also diejenigen, die mit dem unsäglichen Wort „Altparteien“ hetzen und die genau das immer behaupten: „Die da oben interessieren sich nicht für euch, nur für sich selbst.“

„Das ist Quatsch“, protestieren Sie, liebe Verantwortlichen bei SPD und CDU? Davon gehe ich auch aus. Nur: Bitte lassen Sie dann solche Alibi-Diskussionen auch sein und streiten sich dort, wo es auch wirklich mal um eine Sache geht und um das Wohl der Stadt.

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