Ehrenamtlich von Tür zu Tür: Wie Inge Polonyi im Krankenhaus Patienten aufmuntert

dzSt.-Marien-Hospital

Für einen Moment die Sorgen vergessen. Inge Polonyi bringt Abwechslung in den Klinikalltag. Die 65-Jährige besucht ehrenamtlich Patienten. Für einige ist das besonders wichtig.

Lünen

, 24.12.2018 / Lesedauer: 3 min

Klopft Inge Polonyi an die Tür eines Patientenzimmers, weiß sie nie, was sie erwartet. Wer ist heute da, wie ist die Stimmung? Jeden Montag kommt die 65-Jährige nach dem Frühstück auf die Station B5 im St.-Marien-Hospital. Hier werden Patienten mit Herz-Lungen-Beschwerden behandelt. Überwiegend Ältere. Inge Polonyi gehört zum Team der ehrenamtlichen Patientenbegleiter. Die bringen mit, was Pflegekräfte im hektischen Alltag kaum haben: den Luxus Zeit. Vor allem zum Reden und Zuhören. Aber auch für kleine Botengänge oder als Begleitung in Garten oder Kapelle.

„Viele Patienten sind alleine“

Inge Polonyi kommt seit zehn Jahren. „Es ist nie langweilig.“ Nach ihrer Berufstätigkeit in der Finanzverwaltung wollte sie sich sozial engagieren. Das Krankenhaus ist für sie der perfekte Ort. Inzwischen hat die Ehrenamtliche viel Erfahrung. Ein kurzer Blick auf das Nachtschränkchen der Patienten sagt ihr einiges. Steht dort nichts Persönliches, kein Blümchen, sondern nur ein Glas Wasser und eine Karaffe, dann weiß sie: dieser Patient bekommt keinen Besuch. „Oft wohnen die Kinder weit weg. Viele sind alleine.“

Manche haben ein hartes Schicksal

Ein bisschen die Zeit vertreiben, das ist Inge Polonyis Ziel. Sie findet immer Worte für ein Gespräch. „Meist reicht es, einfach nur zuzuhören.“ Dann erfährt sie mitunter von schweren Schicksalen. „Manches ist ganz schön hart und trotzdem sind Betroffene noch zufrieden.“ Das nimmt Inge Polonyi mit nach Hause: „zu wissen, wie gut es mir eigentlich geht.“

Ehrenamtlich von Tür zu Tür: Wie Inge Polonyi im Krankenhaus Patienten aufmuntert

Seit zehn Jahren gibt es im St.-Marien-Hospital ehrenamtliche Patientenbegleiter. © Quiring-Lategahn

Zwei Themen gibt es, die sie konsequent abblockt: Politik und Religion. „Ich möchte keine Streitgespräche.“

Die Ehrenamtliche mit dem schwäbischen Akzent, die durch ihren Mann nach Lünen kam, ist vielfach Vertraute. „Manche erzählen mir Dinge, mit denen sie ihre Angehörigen gar nicht belasten wollen.“ Verschwiegenheit ist garantiert. Wenn Probleme Patienten schmerzlich belasten, verweist sie weiter an die Krankenhausseelsorge.

14 Ehrenamtliche gehören zum Team

Pflegedirektorin Heike Plaga und der katholische Krankenhausseelsorger Dr. Hermann Opgen-Rhein haben vor zehn Jahren die ehrenamtliche Patientenbegleitung am St.-Marien-Hospital ins Leben gerufen. „Es soll ein ergänzendes Angebot sein“, erläutert Heike Plaga. 14 Ehrenamtliche gehören zum Team. Auch Männer.

Ehrenamtliche Patientenbegleiter

Interessenten sind willkommen


Pflgedirektorin Heike Plaga und Seelsorger Dr. hermann Opgen-Rhein sind Ansprechpartner für die ehrenamtlichen patientenbegleiter im St.-Marien-Hospital Sie freuen sich über weitere Interessentn. Kontakt: Heike Plaga, Tel. (02306) 77 28 01.

Nicht alle besuchen Patienten auf den Stationen, einige engagieren sich in der Zentralen Notaufnahme. Dort sind sie vielfach Lotsen zu den unterschiedlichen Abteilungen. Ein Mitarbeiterausweis ist das Erkennungszeichen der Patientenbegleiter. Manche tragen auch ein grünes Halstuch. Es gibt für sie ein eigenes Jahresprogramm mit Fachvorträgen von Ärzten, aber auch mit Ausflug, Weihnachtsfeier und der Möglichkeit des Erfahrungsaustauschs. Wie viel Zeit jeder einbringen möchte, bleibt jedem selbst überlassen.

„Wir kommen von Höcksken auf Stöcksken“

Reisen, Hobbys, Beruf - das alles sind Themen am Krankenhausbett. Denn auch Patienten, die Besuch bekommen, genießen die Zeit mit Inge Polonyi. So wie Klaus Otto (75): „Ich freue mich immer, wenn die junge Frau da ist.“ Weil er mehrfach im Jahr mehrere Wochen stationär behandelt werden muss, kennt er die Patientenbegleiterin schon lange. „Wir kommen von Höcksken auf Stöcksken“. Wenn der ehemalige Bergmann mit Inge Polonyi plaudert, wird eine gewisse Vertrautheit deutlich. „Wir haben immer ein Thema“, sagt Otto.

Balance zwischen Ehrenamt und Privatleben

Die Balance halten, Privatleben und Ehrenamt trennen, das ist mitunter gar nicht so einfach. Inge Polonyi hat gerne Kontakte. Nur zweimal ist es in den zehn Jahren vorgekommen, dass jemand das Gespräch mir ihr abgelehnt hat. Für sie ist das kein Problem. Doch als sie einmal gefragt wurde, ob sie eine Patientin auch zuhause besuchen könnte, da sagt Inge Polonyi: „Das wird dann doch zuviel.“

Wie lange sie neben ihrem Engagement als Lesepatin an der Viktoriaschule, neben Sport, Reisen sowie Theater- und Konzertbesuchen noch ehreamtlich im Krankenhaus tätig sein will, weiß Inge Polonyi ganz genau: „Ende offen, so lange es mir gut geht.“

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