Der Bergbau geht bald zu Ende. Doch Manfred Brüggemann (60) aus Selm hält die Erinnerung an diese für ihn ganz persönliche Ära am Leben. Mit Miniaturen, die auch im Ausland beliebt sind.

Selm

, 29.11.2018, 13:57 Uhr / Lesedauer: 2 min

Viel Platz benötigt Manfred Brüggemann (60) für sein Hobby nicht. Zumindest am Anfang. Der gebürtige Selmer „schrumpft“ seit rund zehn Jahren im Original riesige Bergbau-Maschinen in Miniaturgröße. Die Fahrzeuge aus nahezu unzerstörbarem Stahl entstehen auf Brüggemanns Arbeitsplatz neu aus fast schon zerbrechlichem Holz.

Ehemaliger Bergmann aus Selm hält die Erinnerung an den Bergbau mit Miniaturen am Leben

Die Modelle baut Manfred Brüggemann ohne Bauplan, sondern allein aus seiner Erinnerung und mit Fotos als Grundlage. © Karim Laouari

Manfred Brüggemann kennt sie in- und auswendig: die Dieselkatze, das Zugfahrzeug einer Einschienenhängebahn, den Ortslader K313 oder den Senklader, um nur einen Teil zu nennen. 35 Jahre lang hat der Selmer in verschiedenen Zechen von Hamm bis Gelsenkirchen als Schlosser gearbeitet. „Gelernt habe ich auf Minister Achenbach in Lünen“, sagt Brüggemann. Danach, als Achenbach geschlossen wurde, ging es in verschiedenen Stationen durch das Ruhrgebiet. Immer dorthin, wo die Arbeit war, so der ehemalige Bergarbeiter. Dabei war er in den Zechen hauptsächlich dafür verantwortlich, dass unter anderem Senklader und Fördermittel funktionierten.

Ehemaliger Bergmann aus Selm hält die Erinnerung an den Bergbau mit Miniaturen am Leben

Manfred Brüggemann benutzt als Haupt-Wekstoff Holz. © Karim Laouari

Und dann kam der Ruhestand. „Ich habe ein Hobby gesucht“, erinnert sich der 60-Jährige. Nichtstun in der Rente kam für ihn nicht in Frage. „Als Bergmann ist man ein Arbeitstier“, erklärt der 60-Jährige. Und Langeweile habe er auf keinen Fall aufkommen lassen wollen. Was lag also näher, als das Arbeitsleben im Kleinen fortzuführen und sich den Maschinen und Fahrzeugen zu widmen, die den Selmer schon sein gesamtes Berufsleben über fasziniert hatten.

Das erste Modell landete direkt im Müll

„Das erste Modell habe ich für mich selbst gebaut“, sagt Brüggemann. Auf Anhieb geklappt habe am Anfang nicht alles, gibt er zu. Baupläne oder detaillierte Zeichnungen brauchte er zwar nicht („Die habe ich alle noch im Kopf.“). Aber an den Werkstoff Holz musste sich der Selmer, der Zeit seines Arbeitslebens mit Metallen gearbeitet hat, erst gewöhnen. „Mit Holz hatte ich eigentlich nie etwas zu tun“, sagt Brüggemann und lacht. Und so kam es beim ersten Modell, wie es kommen musste: „Das habe ich in die Tonne gekloppt!“

Ehemaliger Bergmann aus Selm hält die Erinnerung an den Bergbau mit Miniaturen am Leben

Seit zehn Jahren baut der ehemalige Bergmann Manfred Brüggemann (60) aus Selm Miniaturen von Bergbau-Maschinen. © Karim Laouari

Nach etwas Eingewöhnungszeit klappte es dann gut mit dem neuen Werkstoff. So gut, dass er sie mittlerweile auf Bestellung anfertigt. Bei eBay Kleinanzeigen hat sich Brüggemann mittlerweile einen Online-Shop eingerichtet. Etwa 20 verschiedene Modelle bietet er dort an.

Ein Dauerbrenner seien die beleuchtetet Fördertürme der Zechen Zollverein, Auguste Victoria oder Prosper Haniel, sagt der Selmer. Mit den 65 Euro Verkaufspreis hole er dabei gerade die Materialkosten wieder rein. Für Manfred Brüggemann ist der Modellbau trotz der gestiegenen Nachfrage weiter ein Hobby.

Bestellungen nicht nur aus Deutschland

Diese Nachfrage komme in den meisten Fällen von ehemaligen Bergleuten oder Unternehmen, die mit dem Bergbau zu tun haben. Sie beschränken sich aber nicht allein auf Deutschland, sondern kommen auch häufig aus Nachbarländern wie den Niederlanden und Polen, sagt Brüggemann. Etwa zwei Wochen braucht er für einen fertigen Förderturm. Das Wichtigste daran sei, dass das Modell sich auf den ersten Blick wiedererkennen lasse. Eine Frage der Details, wie der ehemalige Bergmann erklärt. Mit einer Breite 20 und einer Höhe von 40 Zentimetern für die Förderturm-Modelle arbeitet der Selmer dabei teils mit Zahnstochern und feinen Drähten, um die passenden Details hinzubekommen. Hauptsächlich benutzt er Tannen- und Fichtenholz für die Modelle.

Ehemaliger Bergmann aus Selm hält die Erinnerung an den Bergbau mit Miniaturen am Leben

Zu seinen beliebtesten Modellen gehören Fördertürme, wie Prosper Haniel, Zeche Zollverein oder Auguste Victoria. © Karim Laouari

Dass die Epoche des Bergbaus bald zu Ende sein soll, ist für Brüggemann immer noch unglaublich. „Da blutet mir das Herz“, sagt der Selmer. Er sei ein leidenschaftlicher Bergmann gewesen, genauso wie sein Vater und sein Großvater vor ihm. Für seinen Sohn hat er sich dennoch eine andere berufliche Laufbahn gewünscht. Er arbeite in der Krankenpflege und das sei für Brüggemann auch gut so. Gemeinsam mit seinem Sohn macht Manfred Brüggemann bald eine letzte Zechenfahrt in das Bergwerk Prosper Haniel in Bottrop. Die Vorfreude darauf ist bei dem 60-Jährigen spürbar. Er freue sich darauf, gemeinsam mit seinem Sohn diese Welt unter Tage noch einmal hautnah zu erleben, bevor wirklich Schicht im Schacht ist.

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