Durch Blutspenden werden Leben gerettet. Jeder weiss das, doch immer weniger helfen

Blutspende

Rückläufige Zahlen und der Demokrafische Wandel breiten den Blutspendediensten zunehmend Bauchschmerzen. Selmer setzten ein Zeichen und zeigen, wie einfach es sein kann, Leben zu retten.

Selm

von Mona Wellershoff

, 27.12.2018, 12:36 Uhr / Lesedauer: 3 min
Durch Blutspenden werden Leben gerettet. Jeder weiss das, doch immer weniger helfen

Edeltraut Glaszeris war beim Blutspende - Termin in Selm schon zum zweiten Mal mit dabei „um etwas Gutes zu tun“. © Mona Wellershoff

Michael Maschmeier kennt sich aus mit Blutspenden. Seit 19 Jahren ist er hauptberuflich für den DRK Blutspendedienst West unterwegs. In der vergangenen Woche war er auch im Selm im Einsatz als das Deutsche Rote Kreuz (DRK) zu einer Blutspende ins Gymnasium gerufen hatte.

Die Blutspendetermine seien unglaublich wichtig, erklärt Maschmeier, da die Rettungsdienste und Krankenhäuser das Blut schlecht auf Vorrat halten können und daher der Bedarf immer groß sei. Das Ziel des Blutspendedienstes sei deshalb auch, alle zu mobilisieren.

Durch Blutspenden werden Leben gerettet. Jeder weiss das, doch immer weniger helfen

Anmelden und Spendeausweis abholen. © Mona Wellershoff

Die Wichtigkeit der Blutspende thematisiert auch Stephan David Küpper, Pressereferent des DRK-Blutspendedienst West. „Wir haben in ganz NRW rückläufige Spenden. Immer weniger Menschen gehen regelmäßig zur Blutspende“, bemerkt er.

Demografischer Wandel

Daran sei auch der demografische Wandel schuld. Die treuen Spender werden älter und können ab einem Alter von 68 Jahren nicht mehr spenden (nach individueller Absprache mit dem Arzt geht es bis zum 73. Geburtstag). Aber es rücken kaum junge Menschen nach. Maschmeier erklärt sich dieses Phänomen dadurch, dass diese gerade in der Berufseinstiegs – oder der Familiengründungsphase seien und deshalb die Zeit nicht finden, um zur Blutspende zu gehen.

Viel Blutbedarf - wenig Spender Nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) werden in Deutschland etwa 15.000 Blutspenden benötigt - und das pro Tag. Doch die Zahl der Spender ist seit einigen Jahren rückläufig. Daten des Paul-Ehrlich-Instituts belegen: 2011 wurden pro 1.000 Einwohner noch 95 Spenden registriert, 2017 waren es lediglich 83 - ein Rückgang um 12,7 Prozent.

Wie stark der Rückgang in Selm ist, verdeutlicht zum Beispiel Marlies Rotert. Sie ist Leiterin des DRK Altenclub, hilft ehrenamtlich bei den Blutspendeaktionen und ist mittlerweile schon seit 61 Jahren bei Blutspendeterminen dabei.

„Als ich die ersten Male mit dabei war, hatten wir über 300 Spender. Jetzt ist es nur noch die Hälfte“, erinnert sie sich. „Es gibt viele Spender, die dürfen nicht mehr wegen ihres Alters“, erklärt sie sich das, „natürlich haben wir auch immer welche, die zum ersten Mal spenden, aber die können die Älteren zahlenmäßig einfach nicht ersetzten“.

Regelmäßig spenden ist wichtig

Am Spendermangel ändert auch Weihnachten nichts. „Vielleicht wollen manche Menschen gerade vor Weihnachten noch etwas Gutes tun, allerdings haben wir diesen Effekt noch nicht bemerkt“, so Maschmeier. Außerdem sei es auch am besten, rät der Teamleiter, regelmäßig wieder zu kommen, also zwei bis dreimal im Jahr.

Warum diese Regelmäßigkeit wichtig ist, erläutert Stephan David Küpper durch das Beispiel des Zugunglücks von Eschede vor 20 Jahren: „Die Leute haben uns damals die Bude eingerannt und wollten spenden. Das ist natürlich toll und zeigt eine große Menschlichkeit, allerdings ist es dann für die Opfer schon zu spät. Es ist wichtig, das ganze Jahr über regelmäßig zu spenden, so kann am besten geholfen werden“.

Edles Motiv

Und das kann jeder und jede von 18 bis 68 Jahren (oder bis zum 73. Geburtstag bei Absprache mit dem Arzt). Männer können sechs Mal spenden, Frauen aufgrund körperlicher Gegebenheiten, wie dem Blutverlust durch die Menstruation oder einer Schwangerschaft vier mal im Jahr. Gespendet werden darf außerdem nur, wenn keine Krankheiten, die durch Blut übertragen werden festgestellt werden oder man kurz zuvor ein Land bereist hat, in dem die Ansteckungsgefahr erhöht ist.

Eine der Spender in Selm ist Edeltraut Glaszeris „Ich spende Blut, um etwas Gutes zu tun“, sagt sie. Außerdem weiß sie, dass jeder einmal in Not geraten kann und dann solch eine Spende von lebenswichtiger Bedeutung sein kann. Bereits zum zweiten Mal ist sie in Selm mit dabei, davor habe sie woanders gelebt und sei dort bereits zur Blutspende gegangen. „Ich habe es nicht weit von hier“, erzählt sie und appelliert, „Und eine Stunde Zeit nehmen kann man sich immer“.

Dietmar Grimm ist ebenfalls seit zehn Jahren dabei, soweit es die Gesundheit zulässt. Zuvor habe er es aus Zeitgründen nicht geschafft, aber nun stelle er sich die Frage: „Wenn man keine Angst vor Spritzen hat, warum sollte man es dann nicht einfach machen?“

Stephan David Küpper findet zwar, dass es nicht den einen speziellen Grund für eine Blutspende gäbe, er nennt aber gleich zwei, die die Menschen dazu bewegen sollen, Blut zu spenden: „Erstens erfährt man selber etwas, da das Blut gründlich untersucht wird. Und der Hauptgrund liegt für mich darin, dass man Menschen in der medizinischen Versorgung ganz konkret helfen, und dadurch Leben retten kann. Ein edleres Motiv gibt es nicht“.

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