Doppelmord am Bahnhof Iserlohn: Ex-Frau und Freund erstochen, jetzt fürchtet er Blutrache

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Unter Polizeischutz hat in Hagen der Doppelmord-Prozess um das Todesdrama am Bahnhof von Iserlohn begonnen. Im Vorfeld soll es zu Blutrache-Drohungen aus Albanien gekommen sein.

Iserlohn/ Hagen

, 11.02.2020, 13:36 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es müssen unfassbar grausame Szenen gewesen sein: Im vergangenen August hat ein Mann am Bahnhof von Iserlohn zwei Menschen niedergestochen – vor den Augen von Gästen einer Hochzeitsgesellschaft. Seit Dienstag steht der mutmaßliche Täter in Hagen vor Gericht – und schweigt. Der Vorwurf: Doppelmord.

Brauner Pulli, blaue Jeans, bullige Statur: Als der Angeklagte von zwei Wachtmeistern in den Gerichtssaal geführt wurde, blickte er sich seelenruhig im Saal um. Dass er der Täter ist – daran gibt es keinen Zweifel.

Das hat der 44-Jährige schon bei der Polizei gestanden. Außerdem gibt es zahlreiche Videos von Überwachungskameras.

71 Schnitt- und Stichverletzungen

Die Opfer sind seine getrennt von ihm lebende Ehefrau und deren neuer Lebenspartner. Beide hatten keine Chance. Sie wurden vor den Augen mehrerer Passanten niedergestochen. 71 Stich- und Schnittverletzungen haben die Ärzte allein bei dem Mann gezählt. „Er hat das Opfer unnötig gequält“, sagte Staatsanwalt Michael Burggräf am Rande des Prozesses.

Außerdem soll der aus dem Kosovo stammende Mann auch noch ein Foto von dem Sterbenden gemacht und per WhatsApp an Bekannte verschickt haben. „Dadurch können wir nachweisen, dass das Opfer bis zum Schluss gelebt hat und dann erst gestorben ist“, so Burggräf.

Große Angst vor Racheakten

Die Angst vor Racheakten ist groß. Der Prozessauftakt fand unter Polizeischutz statt. Außerdem gab es im Gericht doppelte Sicherheitskontrollen. Nach Angaben von Gerichtssprecher Bernhard Kuchler soll es aus dem Umfeld der albanischen Familie des 23-jährigen Opfers zu einem „Blutracheschwur“ gekommen sein.

„Es war eine entsetzliche Tat“, sagte auch Anwältin Frauke Hartung, die die Eltern des Opfers vertritt. „Kein Urteil kann das wiedergutmachen – egal, wie hoch es ausfällt.“

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Die Ehefrau des Angeklagten war nach Angaben der Staatsanwaltschaft 2018 von Bergisch-Gladbach ins Iserlohner Frauenhaus geflohen. Mit ihrem neuen Lebenspartner hatte sie ein gemeinsames Kind. Das gerade zwei Monate alte Baby saß im Auto, als Vater und Mutter getötet wurden.

Geldabhebungen verrieten das Versteck

Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft hat der Angeklagte seine Frau schon länger gesucht. Anhand von Kontoauszügen soll ihm schließlich aufgefallen sein, dass die 32-Jährige immer mal wieder an einem Automaten am Bahnhof von Iserlohn Geld abgehoben hat. Schon seit Ende 2018 soll der 44-Jährige deshalb immer wieder von Bergisch-Gladbach dorthin gefahren sein, um seiner Frau aufzulauern.

Am 17. August 2019 nahm das Drama dann seinen Lauf. Der Angeklagte soll seine Frau im Parkhaus erstochen und ihren Lebenspartner bis zu den Gleisen verfolgt und dann ebenfalls ermordet haben. „Er wollte absolut sichergehen, dass die Person nicht mehr lebt“, sagte eine Augenzeugin den Richtern. Alles war voller Blut.

Einem anderen Zeugen, der mit Freunden eigentlich wegen einer Hochzeit nach Iserlohn gefahren ist, stockte während der Vernehmung sogar die Stimme.

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Ehefrau als Eigentum betrachtet

Laut Staatsanwaltschaft hat der Angeklagte seine Ehefrau als sein Eigentum betrachtet. Deshalb hätten beide sterben müssen. Sie, weil sie ihn verlassen habe. Der neue Partner, weil er ihm die Frau weggenommen habe.

Für Verteidiger Andreas Trode ist das jedoch vielleicht ein bisschen zu klischeehaft. Es sei wichtig, vor Gericht herauszufinden, was im Vorfeld der Bluttat passiert ist.

Das im Auto sitzende Baby war damals von einem Augenzeugen herausgeholt und auf den Arm genommen worden. Es hatte geweint.

Mit einem Urteil ist voraussichtlich Ende März zu rechnen.

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