Doch keine 40 neuen Wohnungen in der Schwerter Innenstadt – Politiker lehnen Pläne ab

dzNordwall-Karree

40 neue Wohnungen für die Schwerter Innenstadt? Nein. Die Politiker haben die Pläne für das Nordwall-Karree knapp abgelehnt. Und hatten ganz unterschiedliche Gründe dafür.

Schwerte

, 21.11.2019, 13:13 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es geht um die Fläche zwischen Ruhrtal-Gymnasium, Nordwall und Ostenstraße. Dort wollten Wolfgang Behr und Michael Schroer mit der Projektteam GmbH 40 neue Wohnungen bauen.

Auf einem 5400 Quadratmeter großen Grundstück, auf dem sich derzeit noch andere Häuser sowie Gärten befinden, hätte es 3600 Quadratmeter Wohnfläche geben sollen: 40 Wohnungen in der Größe von 54 bis 130 Quadratmetern, darunter 14 öffentlich geförderte.

Es war schon der zweite Versuch des Projektteams gewesen. Den ersten Entwurf hatten Schwertes Politiker schon im April 2019 abgelehnt: zu viele versiegelte Grünflächen und deutlich weniger Frischluft für die Innenstadt.

Grüne fürchten um „Grüne Lunge der Innenstadt“

Version zwei hatte einen Grünstreifen, doch auch jetzt hatten die Politiker von CDU und Grünen Gegenargument, wenn auch ganz unterschiedliche: Die Grünen fürchteten um die „Grüne Lunge der Innenstadt“. Dieses ökologische Gut sei an dieser Stelle auf jeden Fall zu bewahren. „Wir werden dieser intensiven Bebauung nicht zustimmen“, stellte Bruno Heinz-Fischer direkt klar. Und Parteikollegin Vera Born fügte hinzu: „Uns Bedenkzeit auszubitten gegenüber den Investoren ist doch ein nobles Recht.“

CDU will erst einmal grundlegend über die Fläche reden

Damit griff sie das Argument auf, das Matthias Buckesfeld von der CDU schon ausgiebig ausgeführt hatte: „Wir möchten dem Investor keine Steine in den Weg legen, aber wir wollen doch durchatmen.“ Viel besser wäre doch, wenn Stadtverwaltung und Politiker erst einmal überlegen würden, was man wolle. Was solle hier entstehen. „Nicht dass wir jetzt vorschnell Tatsachen schaffen, die wir dann bedauern würden.“

Es gebe nun einmal „verschiedene Nutzungswünsche“ und somit auch Konflikte. Deshalb sollte man „intensiv nachdenken und dann zu einem Abwägungsprozess kommen, damit wir als Schwerter sagen können: Damit können wir für viele Jahre leben“, so Buckesfeld.

RTG ist die einzige weiterführende Schule mit Platz zur Erweiterung

Welche verschiedenen Möglichkeiten es für die Fläche geben könnte? CDU-Politiker Hans-Georg Rehage verwies auf die Nähe zum Ruhrtal-Gymnasium und auf die allgemeine Raumnot der weiterführenden Schulen: „Bei der Gesamtschule Gänsewinkel suchen wir nach geeigneten Grund, überhaupt bauen zu können. Bei der Gesamtschule am Bohlgarten müssen wir dringend in den nächsten Jahren eine Oberstufe bauen – und keiner aus der Verwaltung kann mir sagen, wie wir das hinbekommen. Am Friedrich-Bährens-Gymnasium ist es nicht mehr möglich zu erweitern. Wir haben hier am RTG also die einzige Fläche. Und die wollen wir uns zubauen?“

Doch keine 40 neuen Wohnungen in der Schwerter Innenstadt – Politiker lehnen Pläne ab

Noch besteht das Gelände am Nordwall in Schwerte aus vielen Gärten. © Heiko Mühlbauer

Und das nur, weil jetzt ein Investor komme und Pläne vorlege?

Ja, unter anderem deshalb, lautete sinngemäß die Erwiderung von der SPD und von der WfS. „In unserer Eitelkeit stellen wir uns hin und sagen: Da oben ist aber noch ein Häärchen krumm?“, fragte WfS-Politiker Thomas Keuthen, um direkt die Antwort nachzuschieben: „Nein, wir müssen auch mal sagen: Da wird gebaut.“

SPD: 70 bis 80 Wohnungen pro Jahr – nicht nur auf der grünen Wiese

Heinz Haggeney unterstrich für die SPD: „Wir haben uns intensiv damit befasst. Die Pläne stimmen mit den Zielen der Stadtentwicklung überein.“ Schwerte müsse pro Jahr 70 bis 80 Wohnungen und in den nächsten Jahren insgesamt 900 Wohnungen schaffen. Das könne man nicht nur auf der grünen Wiese bauen, sondern eben auch einmal hier, in der Innenstadt. „Auf einem Grundstück, wo die ökologische Wertigkeit sehr gering ist“, befand Haggeney.

Der zweite in Richtung der Grünen gerichtete Satz: „Sie müssen sich entscheiden, ob Ihnen das grün wichtig ist oder das Wohnen.“

Die Linken entschieden sich für das Wohnen und für den Antrag. Das aber reichte nicht. Die Abstimmung endete acht zu acht: WfS, Linke und SPD gegen CDU und Grüne. Und das wiederum bedeutete: keine Mehrheit, Antrag gescheitert. Das Nordwall-Karree wird zumindest in dieser Form nicht gebaut.

Zweiter Antrag

Acht zu acht auch für den CDU-Vorschlag

Was soll mit dem Gelände zwischen RTG, Nordwall und Ostenstraße passieren? Die CDU hatte ebenfalls einen Antrag gestellt: Sie wollte es generell klären und deshalb einen neuen Bebauungsplan für diese Fläche erarbeiten lassen. Bis dahin sollte sich nichts ändern dürfen. Doch auch hier gab es am Ende der Diskussion ein acht zu acht, also eine Ablehnung – und eben keinen Auftrag für eine generelle Diskussion über die Fläche.
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