Discounter statt Döner-Bude heißt die neue Düzgün-Strategie

dzProduktion in Lünen

Die Firma Düzgün war schon einmal eine große Nummer in der Döner-Branche. Dann brach sie zusammen. Das Nachfolge-Unternehmen verfolgt unter neuer Führung eine neue Strategie.

Lünen

, 10.11.2018, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Chef der Firma Düzgün hatte einst hochfliegende Pläne. Seine Döner-Produktion im Gewerbegebiet Wethmarheide lief offenbar so gut, dass sich der Geschäftsmann auch als Fernsehunternehmer versuchte. Doch das Studio von Düzgün-TV, angesiedelt im Ufo in Brambauer, existierte nicht lange. Und die Döner-Produktion wurde 2008 offenbar mit in den finanziellen Abgrund gerissen. Am Ende und nach heftigen Auseinandersetzungen mit der Gewerkschaft NGG stand der ehemalige Chef sogar vor Gericht und wurde u.a. wegen Insolvenzverschleppung verurteilt. Das war im Mai 2010.

Einer von drei Standorten

2018 prangt der Name Düzgün immer noch an der Produktionshalle im Lüner Gewerbegebiet. Das Gebäude jedoch präsentiert sich viel moderner als damals. Und der Mann an der Spitze ist ein anderer. Fevzi Düzgün (38), Neffe des früheren Chefs, gründete die Düzgün Food GmbH mit Sitz in Versmold und stieg auch in Lünen ein. „Ich habe damals gesehen, dass das nicht gut geht“, sagt er. Lünen ist seitdem einer von drei Produktionsstandorten von Düzgün Food. Neben Versmold und Lünen wird noch in Polen produziert. 220 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen nach eigenen Angaben.

Discounter statt Döner-Bude heißt die neue Düzgün-Strategie

Firmenchef Fevzi Düzgün mit zwei Fertigmenüs, die in Lünen hergstellt werden. © Peter Fiedler

Für Lünen, erläutert Fevzi Düzgün, verfolgt er eine spezielle Strategie. Und die heißt, vereinfacht gesagt: Discounter statt Döner-Bude. Denn die klassischen Döner-Spieße, wie sie jeder Döner-Freund kennt, machen laut Düzgün nur noch etwa 10 Prozent der Produktion in Lünen aus. Mit fallender Tendenz. Stattdessen setzt das Unternehmen in Lünen auf das, was die Lebensmittelbranche Convenience Food nennt. Wörtlich „bequemes Essen“, weil schon weitgehend für den Verzehr zubereitet. Fertige Menüs. „Dafür gibt es ganz klar einen Markt“, glaubt Fevzi Düzgün.

Sich drehendes Fleisch

Einen namhaften Discounter beliefere er bereits, betont er. „Ich würde mich freuen, wenn wir dort national gelistet würden“, erklärt Düzgün, und seine Firma somit Filialen in ganz Deutschland beliefern könnte. Der Lebensmittel-Einzelhandel, Kantinen und Bäckerei seien generell die Zielgruppen für die Menüs oder für Döner-Kebab im Beutel. Ebenfalls ein Convenience-Produkt.

Döner-Kebab bedeute nichts anderes als sich drehendes Fleisch, erläuterte Fevzi Düzgün. Die Grillspieße, die sich in der Lüner Produktion drehen, sind allerdings Monster im Vergleich zu jenen in der Döner-Bude. 600 Kilogramm bringen sie auf die Waage. Von ihnen wird das Fleisch für die Convenience-Produkte geschnitten.

Mit rund 30 Millionen Euro Jahresumsatz und mehr als 40 Tonnen Fleisch, das pro Tag verarbeitet werde, zähle das Unternehmen man zu den zehn größten Produzenten in Deutschland. „Wir sind in der Champions League“, formuliert es Fevzi Düzgün. Der alleinige Gesellschafter der Düzgün Food GmbH sieht aber noch weitere Wachstumsperspektiven. „Die Genehmigung für den weiteren Ausbau am Standort Lünen liegt schon vor“, sagt er.

Unappetitliche Schlagzeilen machte Döner-Fleisch Ende August, als die Polizei auf der Autobahn 44 einen LKW mit 24 Tonnnen stoppte, weil die Kühlung nicht funktionierte. Das Fleisch wurde später vom Unternehmer freiwillig vernichtet. Ziel des Lastwagens war Lünen. „Aber wir hatten damit nichts zu tun“, beteuert Fevzi Düzgün.

  • Im Kreis Unna unterliegen laut Kreisverwaltung „3 EU-zugelassene dönerherstellende Betriebe“ der Lebensmittelüberwachung des Kreises, zwei davon in Lünen.
  • Die EU-Zulassung erfordert ein Konzept der Eigenkontrolle. Die Firmen müssen u.a. selbst Proben einsenden.
  • Darüber hinaus kontrolliert auch der Kreis, laut Kreisverwaltung 2017 insgesamt 19 mal in den drei Firmen.
  • Dabei habe es „geringfügige Beanstandungen in Form von Mängeln in der Betriebshygiene gegeben, bei denen eine mündliche Belehrung ausreichte.“
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