Die Nachricht des Jahres 2017 in Schwerte war der Rückzug von Bürgermeister Heinrich Böckelühr vom Amt. Die Nachricht des Jahres 2018 war das Ergebnis bei der Wahl seines Nachfolgers.

Schwerte

, 28.12.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit 16 Jahren darf man in Nordrhein-Westfalen an der Kommunalwahl teilnehmen. Viele Erstwähler kannten am 4. März gar keinen anderen Bürgermeister als Heinrich Böckelühr, der seit 1999 die Stadtverwaltung und den Rat geleitet hatte.

Da der aber nicht mehr auf dem Wahlzettel stand, war der Ausgang der Wahl seines Nachfolgers ungewiss. Böckelühr hatte sein Amt niedergelegt, um Präsident der Gemeindeprüfungsanstalt zu werden. Ein Job, der ihm zumindest einen kleinen Rückzug ins Private erlaubt.

Der Studienrat trat gegen den Stadtplaner an

Doch ob der Altbürgermeister erahnen konnte, was nach ihm folgt, ist ungewiss. Die Karten schienen zu Beginn des Wahlkampfs klar gemischt. Der Schwerter Stadtplaner Adrian Mork, ein Ergster Junge, gegen Dimitrios Axourgos, einen Studienrat aus Iserlohn, der zudem griechische Wurzeln hat. Doch schon im Wahlkampf zeichnete sich ab, dass Axourgos viele Sympathiepunkte sammeln konnte. Auch das Zitat „Im Berufsleben ist jeder ersetzbar“, das ihm beim großen Wahlkampf-Talk der Ruhr Nachrichten rausrutschte, als er nach der Zukunft des Stadtplaners nach seinem möglichen Wahlsieg gefragt wurde, verziehen ihm die Wähler und seine Anhänger allemal.

Hinzu kam, dass sich Mork in vielen Bereichen taktisch nicht ganz klug verhielt. Er mischte sein Wissen als Stadtplaner mit seinem Wahlkampf, zog Pläne aus der Tasche, wie einen Hotelbau am Reiche des Wassers, die zu diesem Zeitpunkt noch wenig Substanz hatten. Festzuhalten bleibt auch, dass Axourgos in den sozialen Netzwerken präsenter war als Mork, der sie zwar zum Wahlkampf nutzte, aber nie zuvor dort vertreten war.

SPD-Kandidat holte im ersten Anlauf die absolute Mehrheit

Am Wahlabend um 19.03 Uhr stand das Ergebnis, das der Wahlleiter und Erste Beigeordnete Hans-Georg Winkler verkünden durfte: Adrian Mork: 29,8 Prozent, Dimitrios Axourgos 56,63 Prozent. Schwerte hatte einen neuen Bürgermeister.

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Ohne große Chancen blieben die freien Bewerber. Dabei lag Mork aus der Sicht der politischen Mehrheiten im Rat klar vorn. Seine eigene Partei, die Grünen, die FDP und die CDU unterstützten ihn.

Schmerz über Niederlage saß tief

Der Schmerz über die Wahlniederlage saß bei den Unterlegenen tief. Das merkte man im Herbst im Rat, als CDU, Grüne und FDP viele Vorstöße des neuen Bürgermeisters vereitelten. Doch mittlerweile ruckelt sich das System ein. Zumindest CDU, SPD, FDP, WfS und Linke sind sich bei der Überplanung des ehemaligen FAB-Geländes einig und unterstützen Axourgos. Der hatte seinerseits auch seine ursprünglichen Pläne, nur das Bad-Gelände zu bebauen, ad acta gelegt.

Das Zitat mit dem Berufsleben hatte Axourgos zwar nach der Diskussion öffentlich bedauert. Mork musste allerdings weite Beschneidungen seiner Kompetenzen nach der Wahl hinnehmen.

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