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Digitale Mess-Systeme können mehr als nur den Strom zählen

Stromzähler

Nach und nach ersetzen die Stadtwerke die analogen Stromzähler durch digitale. Später soll für manche Kunden noch ein Kommunikationsmodul hinzukommen. Kritiker haben Datenschutz-Bedenken.

Schwerte

, 09.08.2018
Digitale Mess-Systeme können mehr als nur den Strom zählen

Die analogen Stromzähler sind ein Auslaufmodell. © picture alliance / Jens Wolf/dpa

Stromzähler, die ohne Elektronik auskommen, sind eine aussterbende Spezies. Denn obwohl sie für ihre Robustheit bekannt sind, haben sie lediglich eine Eichgültigkeit von 16 Jahren. Danach muss ein Neuer her. Auch die Stadtwerke tauschen in jedem Jahr Zähler aus, die turnusmäßig dran sind. In diesem Jahr sind zum Beispiel 2800 Zähler im Turnus, erklärt Matthias Becker von den Stadtwerken Schwerte, Leiter Erneuerbare Energien, Energiedienstleistungen und Strom. Schon seit einigen Jahren ersetzen die Stadtwerke die mechanischen Zähler in diesen Fällen durch elektronische – analog gegen digital.

Am digitalen Zähler können „historische Daten“ abgelesen werden

„Moderne Messeinrichtungen“ nennt der Gesetzgeber diese digitalen Stromzähler, die den tatsächlichen Energieverbrauch und die tatsächliche Nutzungszeit widerspiegeln. Matthias Becker erklärt ihre Vorzüge: „Die moderne Messeinrichtung ermöglicht uns und dem Anschlussnutzer, neben Informationen über den Energieverbrauch auch sogenannte historische Daten einzusehen, also Tages- und Wochenverbräuche sowie Monatswerte der vergangenen 24 Monate.“ Für den Ergster Stadtwerke-Kunden Georg Winkler stellt das keinen Vorteil dar: „Den von den Stadtwerken viel gepriesenen Überblick über meinen Stromverbrauch kann ich auch am analogen Stromzähler und anhand der Stromrechnung nachvollziehen.“

Digitale Mess-Systeme können mehr als nur den Strom zählen

Matthias Becker mit dem intelligenten „Powerline-Zähler“ im Keller des Stadtwerke-Hauses. Foto: Reinhard Schmitz (A)

Ihn ärgert, dass der Kunde gar keine Möglichkeit hat, den Einbau der modernen Messeinrichtung abzulehnen. Er fürchtet nämlich unter anderem, dass auf Dauer die Kosten der Zählermiete steigen. Vor allem, wenn aus den modernen demnächst „intelligente“ Messeinrichtungen werden. Matthias Becker bestätigt, dass das auf längere Sicht geplant ist, aber derzeit noch nicht umgesetzt werden kann. Wenn der digitale Stromzähler ein Kommunikationsmodul, auch Gateway genannt, bekommt, entsteht ein sogenanntes intelligentes Messsystem, das durch Datenübertragung in beide Richtungen zum Beispiel die Kopplung mit Smart-Home-Systemen ermöglicht – und die Fernauslese.

Das Messstellenbetriebsgesetz von September 2016 sah bereits ab 2017 den Einbau von intelligenten Messsystemen in einigen privaten Haushalten vor. Der Termin musste mehrfach verschoben werden. Matthias Becker: „Es ist vorgeschrieben, dass mindestens drei voneinander unabhängige Unternehmen ihre Gateways zertifizieren lassen müssen. Bisher gibt es allerdings erst ein zertifziertes Produkt.“ Unter anderem seien die Anforderungen an den Datenschutz extrem hoch.

Fernablese erspart Besuch des Stadtwerke-Mitarbeiters

Einen gesetzlichen Zwang zum Einbau der intelligenten Messsysteme gibt es nach Auskunft der Verbraucherzentrale nur für drei Gruppen: für Haushalte mit einem Stromverbrauch von mehr als 10.000 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr, für Betreiber von Strom erzeugenden Anlagen (zum Beispiel Photovoltaik) mit einer Nennleistung von mehr als sieben Kilowatt (kW) sowie ab 2020 auch für Haushalte mit einem Stromverbrauch von mehr als 6.000 Kilowattstunden – jeweils unter der Grundvoraussetzung, dass drei zertifzierte Produkte am Markt sind.

Während die moderne Messeinrichtung direkt ab dem Zeitpunkt ihres Einbaus aktiviert ist, braucht das intelligente System die Möglichkeit zur Datenübertragung. Hier sei die Nutzung des Glasfasernetzes oder der Einbau einer Mobilfunk-Sim-Karte denkbar, erklärt Matthias Becker. Wo ein solches Gerät eingebaut ist, muss niemand mehr den Zählerstand ablesen. An einen flächendeckenden Verzicht des Ablesens mag Matthias Becker dennoch nicht glauben. Er erhofft sich vielmehr Erkenntnisse zum Energieverbrauch aus der Analyse der erhobenen Daten. Der kritische Verbraucher Georg Winkler fürchtet in diesem Zusammenhang, dass kriminelle Hacker Daten abgreifen oder sie gar vom Messstellenbetreiber vermarktet werden könnten.

Extrem strenge Richtlinien gewährleisten den Datenschutz

Diese Sorge zerstreut Matthias Becker: „Gateway-Administratoren werden nach strengsten Richtlinien für die Verteilung der Daten an Vertriebs- und Netzabteilungen sorgen.“

Das Gesetz hat übrigens auch die Obergrenzen für die jährliche Zählermiete festgesetzt. Eine moderne Messeinrichtung darf unabhängig vom Verbrauch nur maximal 20 Euro pro Jahr kosten. Die intelligenten Lösungen können teurer werden, je nach Verbrauch oder Einspeisemenge.