„Raus aus digitaler Steinzeit“: Lehrer bekommen „Logineo“

Lehrer müssen Referate künftig nicht mehr über ihre privaten Mailadressen entgegennehmen. In NRW geht startet die digitale Arbeitsplattform „Logineo“. Sie wurde lang erwartet, und doch gibt es schon Kritik.

26.11.2019, 14:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dienstliche Mailadressen für die Lehrkräfte und schneller Datenaustausch mit Schülern und Kollegen: Nordrhein-Westfalen stattet als eines der ersten Bundesländer seine Lehrer mit einer geschützten, webbasierten Arbeitsplattform aus. Nach mehrjähriger Verzögerung geht ab sofort die Plattform „Logineo NRW“ an den Start. Pro Monat sollen zunächst rund 140 Schulen an „Logineo“ angebunden werden, sagte Schul-Staatssekretär Mathias Richter am Dienstag in Düsseldorf.

Bis zum Ende der Legislaturperiode sollen alle interessierten Schulen mit der digitalen Plattform ausgestattet werden. Nach dem Digitalpakt sei „Logineo“ für die Schulen der „nächste Schritt aus der digitalen Steinzeit“ heraus, sagte Richter. NRW sei mit der Plattform und ihren Anwendungen bundesweit „an der Spitze der Bewegung“.

Als eine der wichtigsten Neuerungen bekommen Lehrer rechtssichere dienstliche Mail-Adressen, so dass sie künftig nicht mehr über ihre privaten Accounts mit Schülern oder Eltern kommunizieren müssen. In den meisten Jobs in Deutschland seien dienstliche Mail-Adressen längst „eine Selbstverständlichkeit“, sagte Richter. Auch den 200 000 Lehrern in NRW müsse ein digitales Arbeitsumfeld ermöglicht werden.

Termine können in „Logineo“ zudem in gemeinsamen elektronischen Kalendern organisiert werden. In einem geschützten Cloud-Bereich kann Unterrichtsmaterial ausgetauscht werden. Ganz sensible Daten wie etwa Notenlisten können in einem durch ein zweites Passwort besonders geschützten „Datensafe“ abgelegt werden.

Mit einem Klick können die Lehrer von „Logineo“ auf die Plattform „Edmond NRW“ mit kostenlosen Unterrichtsmaterialien zugreifen. Der Nutzerkreis im offenen Bereich soll künftig auch auf die Schüler ausgeweitet werden. „Das ist sicher ein großes Vorhaben“, sagte Richter. Aber es werde schon jetzt an der Erweiterung von „Logineo“ gearbeitet. Auch die digitalen Schulbücher für Biologie und gemeinsames Lernen würden eingebunden.

Das millionenschwere Projekt war schon 2015 von der rot-grünen Vorgängerregierung initiiert, wegen zahlreicher technischer Mängel aber von Schwarz-Gelb vor zwei Jahren zunächst gestoppt worden. Nach einer mehrmonatigen Pilotphase mit Test-Schulen sieht das Schulministerium jetzt die Voraussetzungen, um „Logineo“ landesweit einzuführen. Die Kosten für „Logineo“ bezifferte Richter auf rund 5,8 Millionen Euro. Das seien 2,6 Millionen Euro mehr als ursprünglich geplant, aber der Leistungsumfang von „Logineo“ sei auch größer geworden, sagte Richter. Für die Nutzung der Plattform werden die Lehrer von Medienberatern geschult.

Lehrer bekommen für „Logineo“ Zugangsdaten, so dass sie sich von jedem Computer einloggen können. Lehrer- und Bildungsverbände begrüßten zwar prinzipiell die weitere Digitalisierung der Schulen. Lehrer NRW, VBE und die Gewerkschaft GEW forderten aber aus Sorge um den Datenschutz Dienstcomputer für alle Lehrer. Die weitere Nutzung privater Computer für die Schule lehnte der Verband Lehrer NRW „strikt ab“. Laut einer Umfrage des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) stehen an 90 Prozent aller Schulen in NRW den Lehrkräften nicht ausreichend dienstliche Computer zur Verfügung.

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