Dieses kleine Fachwerkhaus und seine Geschichte kennen nur noch wenige Cappenberger

dz„Kaffee Bück Dich“

Es sieht ein bisschen aus, wie ein kleines Hexenhäuschen: das ehemalige „Kaffee Bück Dich“ in Cappenberg. Das historische Haus soll jetzt restauriert werden. Das wird aber sehr schwierig.

Cappenberg

, 06.08.2019, 16:37 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dieses Häuschen kennen nur noch alte Cappenberger: das „Kaffee Bück Dich“, wie es im Volksmund hieß, eigentlich aber den Namen Kaffee König trug. Die Blütezeit dieser kleinen Gastronomie liegt lange zurück, aber das Gebäude gibt es noch. Damals trug es die Adresse Übbenhagen 47, heute ist es die Freiherr-vom-Stein-Straße 16. Ein unscheinbares Fachwerkhäuschen, das zu den ältesten Gebäuden im Selmer Ortsteil gehört.

Als es errichtet wurde, war die Straße davor noch unbefestigt und lag wesentlich tiefer als heute. Davon zeugen vier Stufen, die man jetzt zur Eingangstür hinunter muss. Auf ihr war Jahrzehnte vorher Freiherr vom Stein mit der Kutsche vom Schloss zum Gasthof Kreuzkamp gefahren, um sich dort am Kamin ein Schnäpschen zu gönnen.

Häuschen soll wieder hergerichtet werden

Jetzt ist das quadratische Fachwerkhaus zu einem Problemfall geworden, denn es soll wieder in Stand gesetzt werden. Das jedenfalls haben sich Petra Nordt und ihre Tochter Rebecca vorgenommen. Nordt ist eine Tochter von Günter und Maria Neddermeyer, die bis zum Mai 2018 als Besitzer dort gewohnt haben.

Die alten Unterlagen zu dem Häuschen im Besitz der Familie beginnen im Jahr 1913, als der Bergmann Friedrich König das Haus vom Nachbarn - Tagelöhner Bernhard Heinrich Richter - erwirbt. Die komplizierten Vereinbarungen zum Kauf und Regelung des Wegerechts für die dahinterliegenden Gebäude werden von dem Königlichen Notar und Justizrat Emil Terfloth aus Lüdinghausen geführt und niedergeschrieben.

Genehmigung für Kaffeewirtschaft

Im Mai 1922 erhält König dann die Genehmigungsurkunde, in seinem Wohnhaus eine Kaffeewirtschaft zu betreiben. In der Baubeschreibung heißt es: „Die lichte Höhe im Erdgeschoss beträgt 2,30 Meter, ein Raum von 13 Quadratmeter Größe, durch zwei Fenster belichtet, kommt als Kaffee-Stube in Betracht, die vom Laden durch eine Portiere von 2 Metern Breite getrennt ist.“

Im Oktober 1924 gibt es dann eine Rechnung vom Bauunternehmen G. Kortmann aus Cappenberg für Umbauarbeiten über insgesamt 666,98 Mark. Darin enthalten sind auch die Arbeitsstunden für Schreiner (1,12 Mark pro Stunde), Maurer (1,37 Mark pro Stunde) und Lehrlinge (0,35 oder 0,56 Mark pro Stunde). Das Kaffee König, oder „Kaffee Bück Dich“, wie es bald genannt wird, nimmt seinen Betrieb auf. Den eigenwilligen Namen hat das Café möglicherweise seiner niedrigen Eingangshöhe zu verdanken.

Gebäude hat in den Jahren arg gelitten

1949 geht das Häuschen, in dem das Café längst geschlossen ist, schließlich in den Besitz der Tochter von Friedrich König, Barbara Josefa, über, die seit 1934 mit Albert Hermann Weber verheiratet ist. Als letzte folgt nun Tochter Maria Weber, die heute noch Eigentümerin ist.

Was so lange im Familienbesitz war, möchten die jetzigen Generationen erhalten. Was nicht ganz einfach ist, denn der kleine Bau hat unter den letzten Rettungsversuchen arg gelitten. Hinter der aufgesetzten Fassade schritt die Zersetzung von Holz und Mauerwerk rasch voran. Vieles muss nun ersetzt und ausgetauscht werden.

Familie ist fest entschlossen

Aber davor schreckt die Familie nicht zurück. Offensichtlich aber die Bauverwaltung der Stadt Selm. Das Häuschen genießt Bestandsschutz, was heißt, dass es nur sehr eingeschränkt wieder hergerichtet werden darf. Aber eine Veränderung der Außenmaße etwa ist schon deshalb nicht möglich, weil das Gebäude genau auf den Grenzen des 157 Quadratmeter großen Grundstückes gebaut worden ist.

Petra Nordt möchte ihr Elternhaus wieder in einen originären Zustand versetzen, in dem aber eine moderne Funktionalität möglich sein sollte. Derzeit ruht aber ihre Vorhaben, weil noch keine Übereinkunft mit der Verwaltung erzielt werden konnte. „Was ich auf keinen Fall will, ist dieses Haus abzureißen oder es zu verkaufen“, sagt sie fest entschlossen.

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