Selms höchste Auszeichnung heißt Freiherr-vom-Stein-Medaille. Seit 2015 vergibt der Bürgermeister sie. An wen und wofür? Wir stellen die Geehrten vor. Dabei fällt eines sofort auf.

Selm

, 07.10.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Lange Nase, hohe Stirn und spitzes Kinn: Das ist unverkennbar Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein (1757-1831). Sein Konterfei schmückt bundesweit Ehrenzeichen - seit 2015 auch in Selm.

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Das sind die bisherigen Empfänger der Freiherr-vom-Stein-Medaille

Diese Menschen hat der Selmer Bürgermeister seit 2015 mit der Freiherr-vom-Stein-Medaille ausgezeichnet.
06.10.2019
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Mario Löhr überreichte die Freiherr-vom-Stein-Medaille an Prof. Dr. Ralf Schaltenbrand. Auszeichnung für Ralf Schaltenbrand / Stadt lud zum Westfälischen Abend© Stadt Selm
Norbert Rethmann (r.) ist der erste, der die Freiherr-vom-Stein-Medaille erhalten hat. Der Selmer Unternehmer hat aus dem örtlichen Abfallentsorgungsbetrieb einen europäischen Großkonzern geformt. Nach wie vor zeigt er sich aber mit seiner Heimatstadt verbunden. © Theo Wolters
Ursula Rottmann hat 45 Jahre lang die Stadtranderholung betreut. Bürgermeister Mario Löhr überreichte ihr die Verdienstmedaille der Stadt Selm in Silber.© Arndt Brede
Lothar Kirchner (r.), Motor der Selmer Aktionen, erhielt die Freiherr-vom-Stein-Medaille aus den Händen von Bürgermeister Mario Löhr.© Foto: Arndt Brede
Mario Lörh und Boguslaw Kaminski enthüllten das Wappen der Stadt Iwkowa.© Foto: Theo Wolters
Minister Michael Groschek trägt sich in das goldene Buch der Stadt Selm ein.© Foto: Theo Wolters
Nesrin Ali und Chiavan Khalaf stammen aus dem Irak. Sie sind ein jesidisches Ehepaar und sehr eifrig beim Deutschlernen. "Sie sind fast jeden Tag da", sagt Udo Herrmann. Das merkt man: Viele Vokabeln sitzen schon. Mit der Grammatik tun sich die beiden aber noch schwer. Nesrin lernt schnell dazu.© Foto: Tobias Weckenbrock

Am ältesten sind Plaketten, die die Länder Hessen und Rheinland-Pfalz verdienten Landsleuten verleihen. Sie wurden in den 1950er-Jahren eingeführt. Seit 1957 gibt es auch in Schleswig-Holstein eine Freiherr-vom-Stein-Medaille für besondere Leistungen um das Gemeinwesen, seit 1989 ebenso im Saarland. Selm, wo der Freiherr seinen Lebensabend verbrachte, ist da ein Nachzügler.

2013 ist die Idee entstanden

Nachdem alle drei Ortsteile - Selm, Bork und Cappenberg - eine eigene Freiherr-vom-Stein-Büste erhalten hatten, entwickelte sich 2013 die Idee, eine vom-Stein-Medaille für bürgerschaftliches Engagement zu schaffen. 2015 war es so weit.

Die Einführung der Medaille geht laut Homepage der Stadt Selm auf die Initiative von Bürgermeister Mario Löhr zurück: „Der Bürgermeister möchte mit dieser Medaille Menschen auszeichnen, die sich um das Wohl der Stadt Selm verdient gemacht haben. Das können ehrenamtlich Tätige sein oder andere Persönlichkeiten“, heißt es dort weiter.

Während es die Staatskanzleien und die zuständigen Landesminister sind, die in den Bundesländern über die Vorschläge für Kandidaten entscheiden, die die Auszeichnung bekommen sollen, liegt die Verantwortung in Selm bei einer Person: „Der Bürgermeister entscheidet darüber, wer eine Freiherr-vom-Stein-Medaille verliehen bekommt“, heißt es bei der Stadtverwaltung.

Acht Mal hat der Bürgermeister die Medaille verliehen

Acht Mal hat Mario Löhr inzwischen entschieden, sowohl an Prominente als auch an Menschen, die nicht in der ersten Reihe stehen. Dabei fällt eines auf.

Sechs Mal fiel diese Entscheidung für einen Mann, einmal für eine ganze Gruppe und bislang erst einmal für eine Frau: Ursula Rottmann, die sich für die Stadtranderholung einsetzt. Zuletzt hat Löhr Ende September die Medaille überreicht - wieder an einen Mann: Prof. Dr. Ralf Schaltenbrand.

In ihm zeichnete Löhr den Initiator der wissenschaftlichen Tagung „Cappenberg: Der Kopf, das Kloster und seine Stifter“ auf Schloss Cappenberg aus und den Motor für die Aktivitäten zum Jubiläumsjahr 2022. Dann jährt sich das 900. Geburtsjahr von Kaiser Friedrich I. Barbarossa aus der Familie der Staufer und die Gründung des Stiftes Cappenberg vor dann ebenfalls 900 Jahren.

Sechs Männer und nur eine Frau sind unter den Selmer Geehrten: Engagieren sich Männer tatsächlich häufiger und nachhaltiger für das Gemeinwesen als Frauen? Das Bundesministerium für Familie hatte 2014 das freiwilliges Engagement von Frauen und Männern untersucht.

Sind Männer etwa tatsächlich engagierter als Frauen?

Das Ergebnis: Es gibt Unterschiede, aber sie gleichen sich aus. „Das freiwillige Engagement von Frauen und Männern variiert in den unterschiedlichen Lebensphasen“, heißt es in dem Bericht.

Diese Medaille erhalten Menschen, die sich besonders für Selm einsetzen

Die zweite Seite der Medaille. © Stadt Selm

Bei Jugendlichen im Alter von 14 bis 19 Jahren zeige sich noch kein geschlechtsspezifischer Unterschied in der Beteiligung. Und auch im Alter von 25 bis 54 Jahren seien Frauen und Männer „zu sehr ähnlichen Anteilen“ freiwillig engagiert. In der Ruhestandsphase geht es dann auseinander.

Männer ab 65 Jahren seien „deutlich häufiger freiwillig engagiert als Frauen in dieser Lebensphase“. Die Leitungsfunktionen - da unterscheidet sich das Ehrenamt nicht von der Arbeitswelt - haben vorzugsweise Männer inne. Es gibt laut der Studie noch einen auffallenden Unterschied.

Einsatz in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen

Frauen und Männer engagieren sich in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen. Frauen häufiger „in den Bereichen Religion und Kirche, Schule oder Kindergarten sowie im gesundheitlichen und sozialen Bereich“. Ehrenamtlich aktive Männer seien dagegen vor allem „in den Bereichen Sport und Bewegung, Politik und politische Interessenvertretung sowie berufliche Interessenvertretung außerhalb des Betriebs und im Unfall- und Rettungsdienst und bei der Freiwilligen Feuerwehr“ anzutreffen.

Ob Mann oder Frau: Freiherr vom Stein hätte sich in jedem Fall gefreut, dass seine Idee von bürgerschaftlichem Engagement Wurzeln geschlagen hat. Er und Karl August von Hardenberg hatten 1806 in ihren später Stein-Hardenbergschen genannten Reformen das Gefühl von Selbstverantwortung und -verwaltung der Bürger festigen wollen.

Wie viele Menschen engagieren sich?

Ihr Ziel: eine stärkere Identifikation mit dem Staat. Dass dadurch das preußische Gemeinwesen auch finanziell entlastet wurde, war ein willkommener Nebeneffekt.

Allerdings: Engagement war zu Steins Zeiten das Privileg einer besser gestellten Minderheit. Nur etwa sechs Prozent der städtischen Bevölkerung konnten es sich leisten, unentgeltlich zu arbeiten. Inzwischen ist der Anteil auf mehr als 40 Prozent geklettert. Laut Bundesfamilienministerium waren es bei der jüngsten Erhebung 2014 genau 43,6 Prozent der Bevölkerung über 14 Jahren - zehn Prozent mehr als noch 15 Jahre zuvor.

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