Diebstahlsanzeige, weil Schwerter sein eigenes Auto umparkte

dzKeine Kriminalität

Eigentlich hatte Rudolf Lesch das von seinem Vater geerbte Auto nur umgeparkt. Und plötzlich stand er unter Diebstahlsverdacht. Und der ist gar nicht so leicht loszuwerden.

Schwerte

, 15.12.2018, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Noch heute wird Rudolf Lesch ab und an auf das Auto vor seinem Haus angesprochen. Nicht, weil es so ein repräsentatives Fahrzeug wäre, sondern weil es ihn einen Tag ungerechtfertigterweise unter Diebstahlsverdacht brachte.

Denn am 24. Juni gab die Polizei in Unna eine Diebstahlsmeldung heraus. Gesucht werde ein silberner Mercedes C 200 (Baujahr 2005). Es folgten die Kennzeichen. Das Fahrzeug sei an der Grünstraße geparkt gewesen, hieß es.

Bei Anzeige wird die Polizei tätig

Soweit stimmte die Meldung auch. Allerdings war der Mercedes nicht gestohlen. In Wirklichkeit hatte Rudolf Lesch das Fahrzeug seines verstorbenen Vaters, das auf dem Grundstück einer Nichte geparkt war, wieder nach Hause gefahren.

Polizeisprecherin Ute Hellmann von der Kreispolizeibehörde in Unna schildert den Vorfall aus der Sicht der Polizei: „An dem Tag hat sich bei uns in der Polizeiwache in Schwerte aber eine Frau gemeldet und erklärte, der Wagen sei auf ihren verstorbenen Onkel zugelassen und plötzlich verschwunden.“ Die Zeugin meldete das Fahrzeug dort als gestohlen. Die Polizei gab eine Öffentlichkeitsfahndung raus.

Kleine Meldung in der Zeitung mit großer Wirkung

Der Fahndungsaufruf landete auch als kleine Meldung in den Ruhr Nachrichten. Mit großer Wirkung, zumindest in der Nachbarschaft von Rudolf Lesch. Denn das vermeintlich gestohlene Fahrzeug stand gut sichtbar für alle, etwa 200 Meter vom angeblichen Tatort entfernt, auf dem Grundstück des Sohns. Der hatte als Alleinerbe auch das Recht, den Wagen dort zu parken.

Anzeige wurde zurückgezogen

Als die Meldung allerdings in der Zeitung stand, war der Diebstahlsvorwurf eigentlich schon vom Tisch, wie Polizeisprecherin Ute Hellmann durch deinen Blick in die Akten ermittelte. Denn die Nichte des Verstorbenen hatte sich mittlerweile per Telefon bei der Polizeiwache gemeldet und die Anzeige zurückgezogen. Der Wagen stände wohl beim rechtmäßigen Erben, bestätigte sie den Beamten.

Nur Staatsanwaltschaft kann das Verfahren beenden

Damit wäre prinzipiell alles erledigt. Doch so einfach geht das nicht. Denn das einmal eingeleitete Verfahren wegen Diebstahls kann nur die Staatsanwaltschaft wieder einstellen. Der habe man auch empfohlen, den Vorfall als erledigt zu den Akten zu legen, so die Polizei in Unna. „Das liegt an der Aufgabenteilung in unserem Rechtssystem“, bestätigt Oberstaatsanwalt Dr. Gerhard Pauli. Die Staatsanwaltschaft ist für die rechtliche Beurteilung zuständig, die Polizei ermittelt die Fakten. Das Verfahren wegen „schweren Diebstahls gegen unbekannt“ sei natürlich längst eingestellt, bestätigt der Staatsanwalt.

Die kleine Meldung an die Presse wurde allerdings nicht korrigiert. Und so wird Rudolf Lesch noch heute immer wieder mal darauf angesprochen.

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