Die wechselvolle Geschichte des Karstadt-Lagers

dzLogistik aus Unna

Das „Karstadt-Lager“ ist in Unna ein Begriff – obwohl nicht einmal mehr Karstadt dran steht. Die Kooperation mit DHL steht mustergültig für mehrere Entwicklungstrends in der Wirtschaft.

Unna

, 31.07.2019, 13:26 Uhr / Lesedauer: 2 min

Streng genommen ist Karstadt nichts anderes als ein Kunde, den DHL eben auch aus dem Lager an der Gießerstraße in Königsborn versorgt. Der Logistikkonzern bietet seine Dienstleistung am Markt jedem an, für den ein Warenumschlag an diesem Standort nahe des Kamener Kreuzes sinnvoll erscheint. Schätzungen gehen aber davon aus, das 70 bis 90 Prozent der Auslastung im Lager immer noch durch den Karstadt-Auftrag erfolgen. Offiziell bestätigt wird dies nicht.

Auch eigentumsrechtlich hat Karstadt praktisch keine Karten mehr im Spiel: Eigentümer des Komplexes ist der international tätige Immobilieninvestor Barings Real Estate. Er hat die 184.000 Quadratmeter große Liegenschaft im Jahr 2018 vom Voreigentümer M7 Real Estate erworben und angeblich 90 Millionen Euro dafür bezahlt.

Karstadt ist bis 2026 Mieter des Lagers

Dennoch ist Karstadt in gewisser Weise an den Standort gebunden: Obwohl die Betreiberschaft des Standortes bis März 2020 in die Hände von DHL gelegt worden ist, hat Karstadt einen Mietvertrag für das Objekt – dem Vernehmen nach bis 2026. Allein dies würde gegen einen Abzug im kommenden Jahr sprechen.

Dass der Logistik-Komplex in Königsborn immer noch landläufig als „Karstadt-Lager“ bekannt ist, hängt mit seiner Geschichte zusammen. Traditionell hat der Warenhauskonzern die Standortqualitäten der hiesigen Region zu schätzen gewusst. Die Nähe zum Kamener Kreuz bedeutet direkte Wege in alle Teile der Republik. Dafür stand bereits das kleine Lager in Holzwickede, das 2010 aufgegeben wurde. Heute gilt Unna neben Essen als einer von zwei Schlüsselstandorten des Warenflusses von Karstadt.

DHL verliert nach 15 Jahren den Auftrag

Dass der Name „Karstadt“ von den Fassaden der Logistikkomplexe verschwunden ist, dürfte in engem Zusammenhang mit der Unternehmenskrise zu verstehen sein, die ab 2004 immer offensichtlicher geworden war. Die Karstadt Warenhaus AG verordnete sich eine Schrumpfkur – und gab dabei auch den Bereich der Logistik aus der Hand.

2005 übertrug die Warenhauskette ihren Warenfluss an DHL. Dieser Schritt galt bis dahin als größte Ausgliederungsmaßnahme der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Das ehemalige Zentrallager in Unna gilt auch bei DHL als größter Einzelstandort. Bis zu 1.400 Menschen sind dort beschäftigt. Der aktuelle Vertrag zwischen DHL und Karstadt läuft bis März 2020. Bereits im kommenden Jahr wurde deutlich, dass er nicht verlängert werden soll.

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