Die verschwundene Dugena-Uhr vom Essmann-Haus soll in die Fußgängerzone zurückkehren

dzÖffentliche Uhren

Jeder kannte die dreieckige Zeitanzeige, die mit dem Abriss des Traditions-Uhrengeschäftes verschwunden ist. Aber die Stadt hat sie gerettet. Jetzt wird ein neuer Ort zum Aufhängen gesucht.

Schwerte

, 15.02.2019, 11:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Unwillkürlich schaut so mancher im Vorbeigehen dahin, wo sich seit Ewigkeiten die Zeiger hinter den gewölbten Plexiglasscheiben drehten. Doch der Blick geht ins Leere, hinein in die Brache, wo bis zum vergangenen Oktober das Haus des traditionsreichen Uhrengeschäftes Essmann stand. Mit dessen Abriss verschwand auch die dreieckige Wanduhr über dem Schaufenster. Jeder, der Richtung Fußgängerzone bummeln wollte, war an ihr vorbeigekommen. Sie mahnte, wenn man seine Schritte beschleunigen sollte, weil der Ladenschluss nahte. Aber zeigte auch, wenn vor einem Termin noch paar Minuten für einen Schaufensterbummel übrig waren.

Kinder lernten dort, die Uhr zu lesen

Die Dugena-Uhr, wie sie nach ihrer Hersteller-Marke von allen genannt wurde, erfüllte sogar pädagogische Zwecke. „Ich habe in Erinnerung, dass meine Mutter mir als Kind da immer die Uhrzeit gezeigt hat“, erzählt der neue Stadt-Pressesprecher Ingo Rous. Anhand dieses Zifferblattes habe er gelernt, den Stand der Zeiger abzulesen: „Seitdem bin ich immer pünktlich.“

Solange man denken kann, war die Zeitanzeige immer da. Präzise, aber immer still und unaufdringlich. Erst jetzt, wo sie weg ist, bemerken viele, was sie an ihr gehabt haben. „Die Uhr ist Kult“, fasst es die langjährige frühere Weihnachtsmarkt-Organisatorin Sabine Hermann zusammen. Sie vermisst das Wahrzeichen, das einfach zu Schwerte dazugehörte. Anderen geht es genauso. Auch wenn mittlerweile jedes Handy anzeigen kann, was die Stunde geschlagen hat. Doch manchmal ist es sogar einfach schneller, die Augen zum Zifferblatt an der Fassade zu drehen, als das Mobiltelefon aus der Tasche zu kramen.

Uhren verschwinden aus dem öffentlichen Raum

Aber Uhren im öffentlichen Raum machen sich rarer und rarer, wie der Ur-Schwerter Martin Fischer beklagt. Früher habe es außer bei Essmann auch noch bei Uhren-Höhm am Postplatz eine gegeben, erinnert er sich. Ein paar Schritte weiter drehte sich an der Bushaltestelle vor der Sparkasse ein Zifferblatt-Würfel auf einer Werbesäule, die dem Umbau der Bahnhofstraße zum Opfer fiel. Jetzt klaffen beim Gang durch die City große uhrenfreie Lücken. Nur an den äußeren Rändern der Einkaufsmeile tickt es noch: am Bahnhofs- und Rathaustürmchen sowie an der Viktorkirche am Markt. Und dazwischen noch - ein bisschen versteckt - bei Uhren Paul in der Hüsingstraße.

Die mangelnde Zeitanzeigen-Dichte in den Straßen kann für manche zu einem richtigen Problem werden, wie Martin Fischer selbst erlebte. Sonntags nach dem Kirchgang hatte er mit seiner Mutter, die auf den Rollstuhl angewiesen ist, noch einen Bummel durch die Innenstadt unternommen: „Meine Mutter muss regelmäßig zu bestimmten Uhrzeiten Tabletten nehmen, und ich hatte keine Möglichkeit, mich nach der Uhrzeit zu informieren.“ Nicht mal die Sonnenuhr, die einst die Fassade des Ruhrtal-Gymnasiums schmückte, sei mehr da.

„Es wäre schön, wenn sich der Zustand wieder ändert“, wünscht sich Martin Fischer: „Vielleicht könnte sich der gesamte Rat unserer Stadt mit gesammeltem Sachversand dafür einsetzen.“

Im städtischen Bauhof eingelagert

Auf jeden Fall ist die Dugena-Uhr erst einmal gerettet. Bevor der Bagger das Essmann-Gebäude endgültig platt machte, wurde sie behutsam abmontiert und in den städtischen Bauhof an der Schützenstraße gebracht. Von Platzmeister Andrea Semeraro in einem Nebenraum der Fahrzeughalle sicher verwahrt, wartet sie auf ihre Rückkehr in die Innenstadt. „Vielleicht an dem Neubau auf dem Essmann-Gelände oder am Eingang der Fußgängerzone“, könnte sich Stadt-Pressesprecher Ingo Rous vorstellen. Ein konkreter Standort sei aber noch nicht gefunden. Doch die Dugena-Uhr sei funktionsfähig und brauche eigentlich nur Strom, um wieder zu ticken. Die Frage ist nur, wieviel Zeit bis zu diesem Moment noch verrinnen wird.

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