Die „Jugend von heute“: Selbstbewusst und motiviert. Das wiegt Rechtschreib-Schwächen auf

dzMeinung am Mittwoch

Wie ist die „Jugend von heute?“ Gastautor Björn Schreiter erlebt sie als selbstbewusst, lässig und teamfähig. Schwächen in Mathe oder Deutsch gibt es. Die nimmt er dafür gern in Kauf.

von Björn Schreiter

Lünen

, 18.12.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kevin Tigges hat sich vor einer Woche zu den Anmeldezahlen der Lüner Schülerinnen und Schüler an weiterführenden Schulen geäußert. Individuelle Förderung und ein vielfältiges Ganztagsangebot gehören demnach zu den Erfolgsrezepten der Gesamtschulen - sicherlich eine richtige Einschätzung. Mir scheint auch die Vermeidung einer frühzeitigen Festlegung auf einen Schulabschluss eine entscheidende Rolle zu spielen.

Die „Jugend von heute“: Selbstbewusst und motiviert. Das wiegt Rechtschreib-Schwächen auf

Björn Schreiter. © Quiring-Lategahn

Gastautor Björn Schreiter ist Architekt.

Glücklicherweise ist unser Schulsystem in den vergangenen Jahren etwas durchlässiger geworden. Wenn sich die Schulwahl im Alter von zehn in den Folgejahren als nicht ideal erweist, gibt es Alternativen. Mit spezialisierten Abschlussangeboten spielt auch das Lippe-Berufskolleg neben den klassischen

Schulformen inzwischen eine große Rolle für die Zukunft Lüner Jugendlicher.

Schulwahl wird heute bewusster getroffen

Auf der Basis vieler Informationsmöglichkeiten fällt die Schulwahl heute bewusster als noch zu meiner Zeit und wird auch - wenn nötig - noch einmal in Frage gestellt. Früher waren es die Empfehlung der Grundschule und die Nähe zum Wohnsitz, die zur Wahl der weiterführenden Schule führten. Heute entscheiden sich Eltern und Kinder gemeinsam für die Schule, die die meisten Entfaltungsmöglichkeiten und das vielfältigste Unterrichts- und Zusatzangebot bietet.

Auch an den Hochschulen hat sich dahingehend etwas geändert: Mit dem Bachelor-Master-System erhalten Studenten nach dem ersten Abschluss mit inzwischen gewonnenem Fachwissen noch einmal die Chance, ihren nächsten Schritt bewusst zu setzen und der Laufbahn eine individuelle Richtung zu geben. Die Zeiten, in denen man direkt nach dem Schulabschluss ohne Entscheidungskriterien seinen weiteren Weg festlegen musste, sind ebenso vorbei wie die aus dem Elternhaus vorgegebenen Karrieren, die ein Leben lang Bestand haben mussten.

Eine Generation aufgeschlossener Mitarbeiter

„Wichtig ist, was hinten raus kommt,“ sagt man. Und was kommt hinten raus? Nach meiner Erfahrung der vergangenen Jahre eine Generation von aufgeschlossenen, selbstbewussten, lässigen, teamfähigen und motivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, hilfsbereiten und kommunikativen Sachbearbeitern in Behörden und respektvollen Auftraggebervertretern.

All diese Eigenschaften stelle ich bereits bei den Schülerpraktikantinnen und -praktikanten fest. Schüchternheit, die man in der ersten Praktikumswoche zunächst aufbrechen musste, gehört ebenso der Vergangenheit an wie Desinteresse und Lethargie. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Schülerinnen und Schüler aus Unter- oder Oberstufe, von einem der Lüner Gymnasien, Realschulen, Gesamtschulen oder vom Berufskolleg kommen.

Und die viel beschworenen Schwächen in Mathe und Rechtschreibung? Die gibt es auch. Bei all den gewonnenen „Soft Skills“ nehme ich diese aber gern in Kauf.

An dieser Stelle schreiben jeden Mittwoch im Wechsel unsere Gastautoren. Es sind:
  • Kira Engel, Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Horstmar-Preußen
  • Maren Feldmann, Geschäftsführerin Küchen Schmidt
  • Marie Hirschberg, Studentin, ausgezeichnet mit dem Förderpreis Kultur der Stadt Lünen
  • Heinz Werner Kleine, Chemielaborant und Kunstsammler
  • Björn Schreiter, Arrchitekt
  • Kevin Tigges, Studienreferendar und Akteur bei der „Abgedreht! Filmcrew“
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