Pendler in Richtung Olfen können ein Lied davon singen: lange Staus vor der geschlossenen Schranke am Bahnhof Selm und ewiges Warten auf den nächsten Zug - zuletzt bis zu 15 Minuten lang.

Selm

, 14.10.2018, 06:54 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die ersten Autofahrer begannen zu hupen, langer Stau entstand am Dienstagabend (9.10.2018) am Bahnübergang am Selmer Bahnhof. Der Grund: Obwohl der Zug eine Verspätung von 15 Minuten hatte, ging die Schranke pünktlich nach Fahrplan runter - und der Verkehr stand still.

Als Autofahrerin stand auch unsere Leserin Maria Niermann vor der Schranke. „Das war wirklich total lästig“, schildert sie. Und fragt: „Wenn der Zug Verspätung hat, warum werden die Schranken dann nicht mit der gleichen Verspätung heruntergelassen?“

Fahrdienstleister gibt das Signal

Auf die Frage hat die Bahn eine Antwort. Aber eine, für die ein bisschen Fachwissen Voraussetzung ist. Und zwar: Es ist am Selmer Bahnhof so, dass ein Schrankenposten (also ein Mensch) die Schranke bedient. Er macht das aber nicht nach eigenem Gusto, sondern auf Signal des sogenannten Fahrdienstleiters hin, so der Bahnsprecher. Dieser Fahrdienstleiter wiederum sitzt im zuständigen Stellwerk und ist entsprechend auch für die Weichenstellung und Signale verantwortlich.

„Natürlich“, so sagt es der Bahnsprecher, weiß auch dieser Fahrdienstleiter, wenn der Zug mit einer Verspätung von etwa 15 Minuten in Selm einrollt. Aber: „Eine Verspätung entwickelt sich ja immer erst im Laufe der Fahrt. Das ist nicht immer vorhersehbar.“ So sei es auch am Dienstag gewesen.

Und: „Wenn die Schranke einmal unten ist, ist es nicht erlaubt, sie wieder zu öffnen, bevor der Zug eingefahren ist“, so der Bahnsprecher. „Aus Sicherheitsgründen.“

Stadtsprecher: „Es soll Umgestaltung geben“

Aus Sicherheitsgründen sei es außerdem so, dass das Signal zur Einfahrt in den Bahnhof für den Zug erst dann gegeben werden kann, wenn die Schranke wirklich unten ist. Deshalb, so auch die Erfahrung unserer Leserin, ist in Selm die Zeit zwischen der Beschrankung und dem Einfahren des Zuges, auch wenn alles nach Zeitplan läuft, zumeist eher lang.

Kritisch ist das für den Verkehrsfluss vor Ort - ob nun mit Verspätung oder ohne. Das bestätigt auch Stadtsprecher Malte Woesmann.

Bei heruntergelassener Schranke staut sich der Verkehr oft bis zum Kreisverkehr am Lidl, wenn die Schranke wieder oben ist, sind Linksabbieger von der Olfener auf die Römerstraße oft ein Grund für Staus und Irritationen.

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Zwar gebe es aktuell keine Beschwerden bei der Stadt, so Malte Woesmann. Dass an der Stelle etwas passieren muss, sei aber bekannt. „Es soll dort eine Umgestaltung geben“, sagt er. Wann genau und wie genau lässt sich allerdings noch nicht sagen: „Die Gespräche mit Straßen NRW und der Deutschen Bahn laufen noch“, so Woesmann. Konkretes kann er deshalb noch nicht sagen. So geht es auch Peter Beiske, Sprecher von Straßen NRW.

Planungen ruhen erst mal

„Es gibt Planungen, allerdings ruhen sie gerade“, sagt er auf Anfrage der Redaktion. Wegen der „schwierigen Verkehrssituation“ vor Ort sollte eigentlich die Signalisierung des Bahnübergangs anders geregelt werden. Erste Überlegungen eines beauftragten Ingenieurbüros überzeugten laut Beiske nicht: Deshalb liegt die Planung erst mal auf Eis. „Es soll ein Gespräch mit der Bahn geben, das ist allerdings noch nicht terminiert“, sagt er weiter. Konkreter kann er sich nicht äußern. Aber: Ad acta liegen die Pläne auch nicht. „Nur die kurzfristige Bearbeitung ist ausgesetzt. Das hat viel mit Prioritätensetzung zu tun.“

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