Einmal im Jahr wählt eine Fachjury im Auftrag der Ruhr Nachrichten Schwertes Unternehmer des Jahres. Für 2018 sind das Philipp und Thomas Halbach – aus vielen Gründen.

Schwerte

, 31.12.2018 / Lesedauer: 5 min

Nach der Werksführung betont Philipp Halbach noch einmal: Diagramm Halbach ist eine ungewöhnliche Druckerei. Wirklich notwendig ist das eigentlich nicht, denn wer das Unternehmen in Villigst gesehen hat, wird das bestätigen. Eine Druckerei mit einem Hochregallager, mit einem Sicherheitscheck für die Besucher, mit einer riesigen Solaranlage auf dem Dach und bald schon mit einem Werkskindergarten ist per se schon außergewöhnlich. Doch noch ungewöhnlicher sind die Produkte, die im Schwerter Süden hergestellt und in alle Welt vertrieben werden.

Produkte, die jeder schon mal in der Hand hatte

Ein Produkt aus dem Hause Halbach haben vermutlich fast alle Deutschen schon mal in der Hand gehalten. Ob als Parkticket, als Fahrschein, als Skipass oder als Ausdruck eines EKGs. Was in dem Betrieb hergestellt wird, ist entweder fälschungssicher oder kompliziert zu drucken. Bis zu 12.000 dpi reicht die Auflösung der Druckmaschinen. Zum Vergleich, ein Foto im Internet hat um die 70 dpi, ein ausgedrucktes brillant-scharfes Bild um die 300.

Es begann mit einer normalen Druckerei

Dabei begann die Firmengeschichte 1832 in Hörde mit einer ganz normalen Druckerei. Die hatte Ludwig-Stefan Halbach in der damals noch selbstständigen Stadt im Süden Dortmunds gegründet. Die Industrialisierung hatte Hörde zu einem interessanten Standort für eine Buch- und Geschäftsdruckerei gemacht, deshalb schaffte er für seine Bilderrahmenwerkstatt eine Druckmaschine an.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Halbach

So sieht es in der Spezialdruckerei aus.
30.12.2018
/
Thomas und Philipp Halbach sind die Unternehmer des Jahres 2018 in Schwerte.© Bernd Paulitschke
Neben den eigenen Produkten gibt es im Katalog für Krankenhäuser und andere Kunden von Medizintechnik auch viele Handelsprodukte, die zugekauft werden.© Bernd Paulitschke
An diesem fiktiven Geldschein, der das Gesicht des Unternehmensgründers zeigt, kann man Sicherheitskomponenten demonstrieren.© Bernd Paulitschke
Wie das geht, sieht man in der Doku-Box, die auch der Zoll verwendet.© Bernd Paulitschke
Wie das geht, sieht man in der Doku-Box, die auch der Zoll verwendet.© Bernd Paulitschke
Unternehmer des Jahres 2018 Halbach© Bernd Paulitschke
Unternehmer des Jahres 2018 Halbach© Bernd Paulitschke
Unternehmer des Jahres 2018 Halbach© Bernd Paulitschke
Unternehmer des Jahres 2018 Halbach© Bernd Paulitschke
Unternehmer des Jahres 2018 Halbach© Bernd Paulitschke
Unternehmer des Jahres 2018 Halbach© Bernd Paulitschke
Unternehmer des Jahres 2018 Halbach© Bernd Paulitschke
Unternehmer des Jahres 2018 Halbach© Bernd Paulitschke
Unternehmer des Jahres 2018 Halbach© Bernd Paulitschke
Unternehmer des Jahres 2018 Halbach© Bernd Paulitschke
Unternehmer des Jahres 2018 Halbach© Bernd Paulitschke
Unternehmer des Jahres 2018 Halbach© Bernd Paulitschke
Im Hochregallager werden die Produkte für das Medizingeschäft gelagert.© Bernd Paulitschke
Unternehmer des Jahres 2018 Halbach© Bernd Paulitschke
Unternehmer des Jahres 2018 Halbach© Bernd Paulitschke

Die Nachfrage nach Druckprodukten war gut, und die angeschlossene Buchhandlung sorgte für Publikum und weitere Kundenkontakte. Man war vernetzt in der Stadt, das Unternehmen florierte. Unter der Leitung von Friedrich-Ludwig Halbach, einem Enkel des Firmengründers, spezialisierte sich das Unternehmen auf die Produktion technischer Papiere. Im Bergbau und in zahlreichen Industrieanwendungen kamen Maschinen zum Einsatz, die auf Endlos-Papier oder vorgefertigten Scheiben Geschwindigkeit, Temperatur oder Luftdruck in Kurven aufzeichneten. Dazu musste man passgenaue Papiere vordrucken, und genau das konnte Halbach.

Damit der Kunde gleich wusste, wer auf diesem Markt ein wichtiger Produzent ist, wurde der Name dieser Papiere - nämlich Diagrammpapiere - direkt in den Firmennamen aufgenommen. Mit einer eigenen Lkw-Flotte brachte man die Diagrammpapiere bundesweit zum Kunden.

Spezialpapier für Krankenhäuser

Schon in den 70er-Jahren veränderte sich das Geschäft wieder. Die Nachfrage nach Diagrammpapieren ging zurück. Und Sohn Ulrich Halbach, der mittlerweile die Firma leitete, musste neue Geschäftsfelder auftun. Und die fand er auch, nämlich in der Medizintechnik. Ob EKG, EEG oder CTG - für alles brauchten Krankenhäuser und Ärzte Spezialpapiere. Halbach stieg in das Geschäft ein und wurde zu einem der größten Zulieferer der Branche. Ein Geschäftszweig, der auch heute noch einen Großteil des Umsatzes der Firma ausmacht. In 70 Länder werden die Produkte heute geliefert. „Es gibt in Deutschland kaum ein Krankenhaus, das nicht zumindest ein Produkt von uns nutzt“, sagt Thomas Halbach.

Die Brüder Thomas und Philipp stehen derzeit an der Spitze des Familienunternehmens. Den Handel mit medizinischen Papieren haben sie längst erweitert. Neben den eigenen Registrierpapieren für EKG und Co. sowie Etiketten für Laboranwendungen haben sie einen ganzen Katalog mit medizinischen Produkten im Angebot, sodass die Kliniken bei Halbach auch anderes Zubehör bestellen können. Quasi auf Zuruf. Rund 400 Sendungen verlassen das eigens für diesen Geschäftszweig angeschaffte Hochregal-Lager täglich.

Neustart in Villigst auf der grünen Wiese

Der unternehmerische Expansionswunsch führte Halbach auch vor 50 Jahren nach Villigst. Denn in Hörde konnte man den Betrieb nicht mehr erweitern. Also zog man nach Villigst, verkehrsgünstig gelegen, aber damals noch auf der grünen Wiese. Heute liegt Halbach mitten in einem Gewerbegebiet. Denn das große Unternehmen zog weitere Firmen nach sich.

Neben medizinischen Papieren wird in Villigst vor allem das gedruckt, was fälschungssicher sein muss. Wer den Betrieb besichtigen will, muss zunächst einen Sicherheitsbogen ausfüllen. Mit einem digitalen Stift auf einem Spezialpapier, das die Angaben aus der Handschrift digital auswertet und für das Sicherheitsprotokoll speichert. Der Stift und das Papier sind auch eine Entwicklung aus dem Hause Halbach. Eingesetzt wird er überwiegend von Notärzten, die bei der Erstbehandlung von Patienten so nicht erst einen Rechner oder ein Tablet rausziehen müssen. „Die so aufgeschriebenen ersten Befunde werden noch vor Eintreffen des Notarztes ins Krankenhaus gesendet“, erklärt Philipp Halbach. Überall dort, wo handschriftlich erfasste Daten schnell und sicher in Datenbanken überführt werden sollen, leistet der Digitalstift in Kombination mit digitalem Papier seinen Dienst. Hierzu zählt neben den Hubschraubern der Luftrettung auch die Patientenaufnahme im Krankenhaus.

Parktickets für alle Welt

Ein weiteres Betätigungsfeld für Halbach ist der Markt für Parktickets. Hier ist man weltweit aktiv. „Die Tickets müssen haargenau zum System passen“, erklärt Thomas Halbach, der in der Geschäftsführung für die Technik zuständig ist. Und sie müssen auch besonders haltbar sein. Wer zum Beispiel am Flughafen parkt, kommt vielleicht erst zwei Wochen später zurück. Das Parkticket hat vermutlich die ganze Zeit im Portemonnaie gesteckt und war Hitze, Reibung und vielleicht auch Feuchtigkeit ausgesetzt. Dennoch muss der Barcode oder Magnetstreifen anschließend zuverlässig ausgelesen werden können.

Drucktechnisch ähnlich anspruchsvoll sind Fahrscheine oder Skipässe. Vor allem weil sie fälschungssicher sein müssen. Die sicherheitsrelevanten Merkmale reichen von einer unregelmäßigen Mikroschrift über Hologramme und nur unter Schwarzlicht sichtbaren Strukturen bis zu kleinen Fasern, die bereits ins Papier eingearbeitet wurden.

Doku-Box, wie beim Zoll

Wie das funktioniert, zeigt Stefan Schindler. Der Medienfachwirt leitet die Druckvorstufe bei Diagramm Halbach und beschäftigt sich mit den sensiblen Aufträgen. In seinem Büro steht neben Computer und Bildschirmen eine Doku-Box, wie man sie sonst nur beim Zoll sieht. Dort kann man Dokumente vergrößern, unter Schwarzlicht betrachten und die Sicherheitsmerkmale schnell erkennen.

Die hoch spezialisierten Druckmaschinen machen es nötig, sich den Weltmarkt zu erschließen. „Unsere Marktnischen sind so klein, dass wir uns ganz Europa als Markt erschließen müssen“, sagt Philipp Halbach. Tochterunternehmen in der Türkei, den Niederlanden, Frankreich und insgesamt zehn deutsche Vertriebsstandorte sorgen dafür, dass die Produkte, die in Villigst aber auch in Herne gefertigt werden, ihre Abnehmer finden.

Am Betriebskindergarten beteiligt

„Auf der anderen Seite sind wir aber ein Familienunternehmen“, betonen die Brüder. Deshalb legt man Wert auf Ausbildung, moderne Arbeitsplätze, die bald auch flexible Kinderbetreuung einschließen. Denn Halbach gehört zu den Gründungsfirmen des neuen Betriebskindergartens auf dem Nattland in Westhofen.

Alles in allem eben eine ungewöhnliche Druckerei.

Lesen Sie jetzt

Hellweger Anzeiger Armut in Dorrtmund

Dortmunder Tafel versorgt 4800 Kinder – und will sie künftig nicht nur satt machen

Hellweger Anzeiger Neueröffnung

Neues Café zieht in Ex-Starbucks an der Kleppingstraße – zweite Filiale in Deutschland

Hellweger Anzeiger Stadtverwaltung

Kopfschütteln über Dortmunds virtuelles Rathaus: Online-Daten noch mal abgetippt

Hellweger Anzeiger Blut-Fehde

Schuss beim Friseur: Besitzerin fürchtet um Existenz - und erzählt Medien falsche Geschichte

Meistgelesen