Kein Happy End für Eishockey-Team - Forderung an die Liga

Am Ende eines WM-Tests mit einem Aufreger-Thema und hoffnungsvollen Auftritten verpasst das deutsche Eishockey-Nationalteam das Happy End. Der Verband nutzte die positiven Eindrücke beim Deutschland Cup in Krefeld für klare Forderungen an die Liga.

10.11.2019, 16:59 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als das Eishockey-Nationalteam den Titel beim Deutschland Cup gerade verspielt hatte, legten DEB-Präsident Franz Reindl und Bundestrainer Toni Söderholm mit der klaren Ansage an die Liga noch einmal nach.

Unaufgeregt, aber bestimmt schlossen sich beide der Forderung an: Das Potenzial der deutschen Spieler müsse gefördert werden - und die Zahl der Ausländerstellen dafür reduziert werden. „Wenn man sich die Lage anschaut, ist das der einzige richtige Weg. Das sind keine Vorwürfe, das ist einfach Fakt, glaube ich“, sagte Söderholm nach dem 2:3 (1:0, 1:1, 0:1) nach Verlängerung gegen die Slowakei.

Seine Auswahl hatte ein 2:0 verspielt, kurz vor Schluss den unglücklichen Ausgleich bekommen - ein Sieg in regulärer Spielzeit hätte den Titel bedeutet. Platz zwei bei dem Traditionsturnier bestätigte den Nachfolger von Silbertrainer Marco Sturm zwar in der Erkenntnis, dass auch junge Spieler der zweiten Reihe international bestehen können. Es war das beste Abschneiden für den Gastgeber des Vier-Nationen-Turniers seit dem letztmaligen Titelgewinn 2015. Doch die Ziele des Deutschen Eishockey-Bunds sind ehrgeizig und sehen vor, von 2026 an international um Medaillen mitspielen zu können.

„Wenn wir uns mit anderen Nationen vergleichen, müssen wir auch von andern Nationen lernen, wenn wir was erreichen wollen“, sagte Söderholm. Die Debatte hatte Sportdirektor Stefan Schaidnagel bereits am Samstag angestoßen. Die Pläne des Deutschen Eishockey-Bunds, die Zahl der Kontingentstellen bis 2026 „mindestens auf sechs“ zu verringern, sollen am Montag den Clubs vorgestellt werden. Reindl meinte: „Das würde der Liga gut tun. Das würde den Clubs gut tun.“

Über die Regelung entscheidet jedoch die Liga - und die sieht das anders und positioniert sich dagegen. Das sei momentan kein Thema, bestätigte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke. Derzeit dürfen elf ausländische Profis im Kader stehen, neun in einem Spiel eingesetzt werden. Zum Vergleich: In der Schweiz ist die Zahl auf vier begrenzt. Die DEL argumentiert, deutsche Spieler seien zu teuer, die Topclubs Mannheim und München verpflichten die besten, und die Kluft zwischen den finanzstarken und den Clubs mit kleineren Etats wächst.

Dieses Aufreger-Thema hin oder her - das Fazit des DEB zum Deutschland Cup und dem Test auf dem Weg zur Weltmeisterschaft 2020 fiel dennoch positiv aus, auch wenn der Gastgeber der Schweiz den Turniersieg überlassen musste. Wie erfrischend und teilweise temporeich die Mannschaft ohne die meisten WM-Teilnehmer phasenweise auftrat, hatte selbst Reindl überrascht. „Ich kann, glaube ich, nicht mehr erwarten“, bilanzierte Söderholm.

Gegen die Slowaken - im dritten Spiel seit Donnerstagabend - war dem deutschen Team die Belastung anzumerken. Andreas Eder glänzte mit einem Doppelpack und einer feinen Einzelleistung (7./29. Minute). Für die Slowaken waren Matus Sukel (32.) und Filip Krivosik (56.) erfolgreich - beim Ausgleich sah der zuvor überzeugende Torhüter Mathias Niederberger etwas unglücklich aus. In der Overtime sorgte Peter Zuzin (63.) für die Entscheidung.

Schon durch das 4:3 gegen Russland und das 3:4 nach Verlängerung in letzter Sekunde gegen die Schweiz hatte der Coach die Erkenntnis gewonnen, dass sich der Konkurrenzdruck für den WM-Kader erhöht hat. Gegen die ebenfalls mit B-Teams angetretenen Gegner spielten sich auch Rückkehrer Daniel Pietta (32) und Debütant Daniel Fischbuch (26) in den Fokus. Turnier-Kapitän Marco Nowak rühmte Söderholm zudem als „offene Persönlichkeit“ und „hoch geschätzten Teamkollegen“.

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