Deutsche Turnerinnen nehmen Kurs auf Olympia 2020

Der Auftakt der Turn-WM ist gelungen. Das deutsche Frauen-Team hat gute Chancen, sich das Olympia-Ticket zu sichern. Seitz und Voss begeistern mit tollen Mehrkämpfen und dürfen auch auf den Einzug ins Mehrkampf-Finale und die Gerätefinals hoffen.

04.10.2019, 16:34 Uhr / Lesedauer: 2 min

Elisabeth Seitz war auch einige Stunden nach dem tollen WM-Start noch geflasht. Angeführt von der Top-Turnerin hat das deutsche Frauen-Team am ersten Tag der Heim-Weltmeisterschaften in Stuttgart Kurs auf Olympia in Tokio eingeschlagen.

Die Riege des Deutschen Turner-Bunds (DTB) erreichte 161,897 Punkte und landete am Ende hinter China (169,161), den starken Französinnen (166,713) und Kanada (162,922) auf Platz vier. Damit lag das deutsche Team im Kampf um die Tickets für die Olympischen Spiele 2020 sehr gut im Rennen.

Die Entscheidung über die Platzierung des Quintetts mit Seitz, Sarah Voss, Emelie Petz, Kim Bui und Pauline Schäfer fällt aber erst am Samstag, wenn alle 24 Mannschaften geturnt haben. Die besten zwölf WM-Teams lösen am Ende das Olympia-Ticket für Tokio - die ersten drei der WM 2018 (USA, Russland, China) sind bereits qualifiziert.

Die besten acht Teams erreichen das Mannschaftsfinale und machen die Medaillen unter sich aus. „Ich will erstmal Zwölfter werden. Für das Team-Finale haben wir vielleicht einen Fehler zu viel gemacht“, sagte Cheftrainerin Ulla Koch, die nicht ganz zufrieden war. Seitz war zuversichtlicher: „Das Teamfinale wäre ein Traum. Das Publikum hat uns schon heute fantastisch unterstützt.“

Die deutsche Riege begann am Stufenbarren ganz stark. „Nach jeder Übung sind mir einige Steine vom Herzen gefallen“, gestand Seitz, die selbst einen Sahnetag erwischte. Am Ende gelang ihr vor 7500 begeisterten Fans in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle am Sprung sogar noch der Jurtschenko mit Doppelschraube optimal, obwohl sie das Element lange nicht geturnt hatte. „Ich glaube, der ist mir noch nie so perfekt in den Stand gelungen. Ich war selbst fassungslos“, sagte die 25 Jahre alte Stuttgarterin, die sich über den Top-Wert von 14,600 Punkten freuen konnte.

Mit insgesamt 54,999 Zählern im Vierkampf hat Seitz als Sechste nach dem ersten Tag wie auch die deutsche Mehrkampfmeisterin Voss (54,132) als Siebte beste Chancen auf das Erreichen des Mehrkampf-Finals der besten 24 Turnerinnen. Gewohnt routiniert und stabil präsentierte sich die 30 Jahre alte Bui und lieferte an ihren Spezialgeräten Barren (14,200) und Boden (13,000) Top-Ergebnisse für das deutsche Team.

Nur die erst 16-jährige Petz wirkte etwas nervös und patzte gleich am ersten Gerät. Nach einer Tkatschow-Grätsche verfehlte sie beim Wiederfassen den oberen Holm und musste den Barren verlassen. Am Balken lief es nicht besser für die Jüngste im deutschen Team, die an allen vier Geräten die Streichnote lieferte. „Ich bin noch jung und habe noch so viel vor mir“, sagte die Schülerin aus Backnang tapfer. „Ich habe großen Respekt vor ihr“, tröstete Seitz. „Emi ist ja erst 16 und gleich bei einer Heim-WM! Dass sie dann etwas aufgeregt ist und nicht alles klappt, kann man ihr nicht vorwerfen.“

Kaum besser lief es für die ehemalige Balken-Weltmeisterin Schäfer, die erst kurzfristig für die verletzte Sophie Scheder ins Team gerutscht war. Ein Absteiger und 11,800 Zähler genügten nicht ihren eigenen Ansprüchen an ihrem Paradegerät.

Seitz dagegen startete bereits an ihrem Lieblingsgerät Stufenbarren mit einer fehlerfreien Übung und kann sich mit 14,800 Punkten berechtigte Hoffnungen auf das Barren-Finale machen. Auch Teamkollegin Voss hat mit ihrer schwierigen und sauber vorgetragenen Balken-Übung (13,600) beste Aussichten auf das Gerätefinale. Das wäre das I-Tüpfelchen. „Sarahs Balken-Übung war Weltklasse“, lobte Trainerin Koch ihren Schützling aus Köln. Nun heißt es: Zittern und warten - bis alle Teams bis Samstagabend geturnt haben.

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