Deutsche Forscher wollen Marsmaulwurf befreien

Forscher wollen das Innere des Planeten Mars erforschen und haben deshalb einen „Maulwurf“ dorthin geflogen. Der soll sich in die Oberfläche eingraben. Dummerweise sitzt er fest. Jetzt soll ein Roboterarm eingreifen - was aber nicht ohne Risiko ist.

04.10.2019, 12:19 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein in Deutschland entwickelter Roboter steckt seit über einem halben Jahr auf dem Mars fest. Das als Marsmaulwurf bezeichnete Gerät HP3 soll den Wärmestrom im Inneren des Roten Planeten messen. Wissenschaftler vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) erhoffen sich weitere Hinweise darauf, ob der Rote Planet noch immer über einen heißen, flüssigen Kern verfügt. Das Problem ist nur: Der Maulwurf müsste fünf Meter tief in den Boden, steckt aber in einer Tiefe von nur 35 Zentimetern fest.

Die Ursache dafür sei wahrscheinlich, dass sich der Maulwurf ein vergleichsweise breites Loch gegraben habe, in dem er nun keinen Halt mehr finde, sagte der wissenschaftliche Leiter des Projekts, Tilman Spohn, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Anstatt sich weiter nach unten zu bohren, hüpfe er sozusagen auf der Stelle. Das DLR in Köln hat sich deshalb jetzt Folgendes überlegt: Mit der Schaufel eines Roboterarms soll der Maulwurf gegen die Wand des Lochs gedrückt werden. So soll er wieder genug Halt finden, um sich in den Boden zu hämmern.

Man müsse es sich vorstellen, wie wenn man einen Nagel in die Wand hauen wolle, die Wand an der Stelle aber etwas bröselig sei, so dass der Nagel zu locker sitze und immer wieder rausspringe, sagte Spohn. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Maulwurf auf einen Stein gestoßen sei, so wie man anfangs vermutet habe, liege nach Berechnungen von Geologen bei nur fünf Prozent.

Der Roboterarm, der den Maulwurf an die Wand des Lochs drücken soll, gehört zum Lander „InSight“, der die ganze Apparatur zum Mars gebracht hat. Der Arm war ursprünglich nur dafür vorgesehen, die Instrumente auf der Planetenoberfläche auszusetzen. Jetzt wollen ihn die Wissenschaftler von der Erde aus aber so umsteuern, dass er den Maulwurf festklemmt.

Das sei allerdings mit einem kleinen Risiko verbunden, räumte Spohn ein: Es sei nicht völlig undenkbar, dass der Maulwurf davon eine Delle bekomme. Deshalb hatten die Wissenschaftler vorher erst mal ausprobiert, ob man das Loch nicht mithilfe des Roboterarms ein bisschen zuschütten kann. „Wir haben aber gemerkt, das geht schwer, weil der Boden fester ist als gedacht. Und dann haben wir uns gedacht, gut, dann klemmen wir ihn ein.“

Auch wenn alles schief gehe und der Maulwurf nicht tiefer in die Marsoberfläche eindringen könne, könne er aber Messungen ausführen. Das geschehe auch schon, sagte Spohn. Nur wäre tiefer eben besser. Dennoch gelte: „Es ist nicht alles verloren, falls es letztlich doch nicht klappen sollte.“

Der Planetenforscher nahm auch dazu Stellung, warum erst jetzt ein neuer Versuch unternommen wird, das Problem in den Griff zu bekommen: Die Forscher hätten erst alle Optionen und Risiken genau abwägen müssen. Außerdem sei die Bedienung eines Instruments auf dem Mars extrem zeitaufwendig. Es dauere etwa eine Woche, bis dort ein Befehl von der Erde ausgeführt werde.

Ob der neue Versuch etwas gebracht habe, wisse man voraussichtlich am Mittwochnachmittag, sagte Spohn. „Dann hoffe ich zu sehen, dass er weiter drin ist.“ Das DLR, das den offiziell als HP3 bezeichneten Maulwurf entwickelt hat, kooperiert bei dem Projekt mit der US-Raumfahrtbehörde Nasa. Sie hatte den Lander „InSight“ auf die 485 Millionen Kilometer weite Reise zum Mars geschickt.

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